Zweifel an Vogelschutz-Gutachten

Gibt es Mängel in dem von den Windkraftplanern des Projektierers UKA Meißen für den Villmarer Galgenberg vorgelegten avifaunistischen Gutachten? Diese Frage soll im Auftrag der Gemeinde Villmar der Ornithologe Prof. Martin Kraft aus Marburg klären.

Um die geplanten Windkraftanlagen auf dem Villmarer Galgenberg ist ein Gutachterstreit in Fragen des Vogelschutzes entbrannt: Im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens will die Gemeinde Villmar nun selbst eine ornithologische Stellungnahme einholen. „Ich stehe im regen Kontakt mit dem Villmarer Bauamt, habe allerdings noch keinen Auftrag. Der wird aber auf jeden Fall kommen“, zeigt sich Professor Martin Kraft vom Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie (MIO), zuversichtlich.

Für ein Summe von 3000 Euro wird der promovierte Ornithologe das von dem Projektierer UKA Meißen in Auftrag gegebene avifaunistische Gutachten beurteilen. „Wir haben keinen Ornithologen im Gemeindevorstand und können das Gutachten daher nicht selbst bewerten“, begründet Bürgermeister Arnold-Richard Lenz (SPD) die anstehende Auftragsvergabe. „Wir erhoffen uns eine objektive Bewertung der Gegebenheiten.“

Schon jetzt zeichnet sich eine Grundtendenz ab: „Zwar habe ich das Gutachten nur in wichtigen Passagen kurz studiert“, erklärte Martin Kraft. „Die unbedenkliche Kernaussage der Gutachter ist aus meiner Sicht aber auf keinen Fall zutreffend.“ Konkret kritisiert der Fachmann, dass aus seiner Sicht die Kartierung der Brutvögel und vor allem die Erfassung durchziehender Vögel ganz erhebliche Lücken aufweise. Lücken, die auf eine zu geringe Anzahl von Begehungen sowie methodische Fehler zurückzuführen seien. So seien die herbstlichen Zugvogelerfassungen erst gegen Ende September begonnen worden. „Der Zug weiblicher Waldwasserläufer setzt aber bereits Ende Mai, Anfang Juni ein“, macht der Experte geltend.

Wenig später folgten der Zwischenzug der Kiebitze und im Juli der Kuckuck, Rauchschwalben und Mauersegler. Im August ziehen viele junge Rotmilane, Wespenbussarde, Fischadler, Schwarz- und Weißstörche, Baum- und Brachpieper sowie weitere Singvögel los. Anfang September machen sich schließlich Wespenbussarde, Fischadler und Schwalben auf den Weg. „Alle diese Daten fallen unter den Tisch. Die Zählungen reflektieren damit ein völlig falsches Bild des tatsächlichen Zuggeschehens“, ist sich der Ornithologe sicher. Er rechnet mit einer Fertigstellung seiner Beurteilung noch in diesem Jahr, sagte er.

Entsprechend zuversichtlich sieht Wolfgang Nawroth von der Bürgerinitiative Wind-Wahn Villmar/Runkel der Stellungnahme entgegen. „Damit erhöhen sich nun die Chancen Villmars erheblich, Schaden von den touristischen Ressourcen, den Nah-Erholungsbereichen und der Natur abzuwenden.“ Denn mit Professor Krafts Stellungnahme hätte auch eine spätere Klage bessere Aussichten.

„Das avifaunistische Gutachten wurde von anerkannten und unabhängigen Gutachterbüros aus dem Landkreis Gießen erstellt“, betont hingegen UKA-Sprecherin, Lisa Fritsche. „Wir haben bewusst auf Experten gesetzt, die die Region und ihre Besonderheiten kennen.“ Die Position der Bürgerinitiative ist der UKA bekannt, nur seien die Windplaner hierfür der falsche Adressat. Denn die Ausweisung möglicher Standorte werde von der demokratisch legitimierten Regionalplanung vorgenommen. „Für uns als Planer ist das der verbindliche Rechtsrahmen.“ Für die UKA sei daher der Regionalplan Mittelhessen die wesentliche Planungsgrundlage und sein Inkrafttreten eine wesentliche Genehmigungsvoraussetzung für das Projekt.

„Die Bekanntmachung des Plans im Staatsanzeiger ist für den 18. Dezember vorgesehen. Danach ist der Plan wirksam“, sagt Thorsten Haas, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Gießen. Der Regionalplan habe dann auch Vorrang vor dem älteren Flächennutzungsplan der Gemeinde Villmar. Letzterer sieht auf dem Galgenberg keine Flächen für Windkraftanlagen vor. Zur möglichen Dauer des Genehmigungsverfahrens kann Haas aber noch nichts sagen, denn die Antragsunterlagen seien noch nicht vollständig, so dass das eigentliche Verfahren noch nicht begonnen habe.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare