Jeannette Kunz und Claus aus Elbgrund freuen sich auf die Fußball-Europameisterschaft. Die Spiele wollen sie mit der ganzen Familie im Fernsehen verfolgen.
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Jeannette Kunz und Claus aus Elbgrund freuen sich auf die Fußball-Europameisterschaft. Die Spiele wollen sie mit der ganzen Familie im Fernsehen verfolgen.

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Vorfreude auf die EM ist noch verhalten: Kritische Töne vor dem Turnierstart

  • vonKlaus-Dieter Häring
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Die Vorfreude auf die Fußball-Europameisterschaft ist in Limburg und der Region eher gedämpft. Das liegt nicht nur an der Corona-Pandemie.

Limburg - Am Freitag, 11. Juni, beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Unter normalen Umständen locken die Spiele zum Public Viewing und begeistern die Massen. Aktuell ist von Euphorie aber wenig zu spüren. In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es dagegen viele kritische Stimmen für dieses in zehn Staaten stattfindende Turnier. Vor dessen Beginn haben wir uns in Limburg und Umgebung umgehört, was die Menschen von dem Fußball-Ereignis halten, wie sie es verfolgen wollen und was sie von der deutschen Mannschaft, die am nächsten Dienstag gegen Frankreich ihr erstes Spiel hat, erwarten.

"Wir gucken mit der ganzen Familie." Das sagt Familie Kunz aus Elbgrund. Denn alle, Vater Claus, Mutter Jeannette, Tochter Franziska und Sohn Jakob sind Eintracht- und damit Fußball-Fans. Die Vorfreude auf die deutsche Mannschaft ist aber bei Vater Claus eher gedämpft. "Ich habe kein gutes Gefühl seit der letzten WM. Die machen zu wenig aus ihren Möglichkeiten." Für ihn ist es schwer einen Favoriten auf den Titel zu nennen. Für Spiele der Deutschen geht keiner der Familie ins Stadion. "Wir sind mehr Eintracht- als DFB-Fans."

Limburg: Vorfreude auf EM 2021? Nur 14.000 Fans zugelassen – Fan ist dieses Jahr nicht dabei

„Wir fahren nach der Vorrunde heim“. Für Thomas Rosenbaum, Betreuer der SG Nord, steht schon jetzt ein Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft nach den ersten drei Partien fest. „Den Titel vergibt er an Frankreich und sieht im Endspiel noch Spanien oder England“. Auf jeden Fall gehöre er nicht zu den Fußballfanatikern, wird doch seine Freizeitgestaltung vom Terminkalender und den gemeinsamen Aktionen mit seiner Frau Sonja bestimmt. „Die Emotionen kommen und gehen auch wieder.“ Überhaupt ist er kein Freund der großen Massen beim Public-Viewing.

Max Stillger sieht England als neuen Europameister. Im Gegensatz zu anderen großen Turnieren fehlt bei dem Limburger Unternehmer und Mitglied bei den "Freunden der Nationalmannschaft" im Moment die Vorfreude völlig. Er war seit 1996 als Fan bei jeder Europameisterschaft und hatte auch Karten für die Vorrunde, ist aber aus der Verlosung herausgefallen, da nur 14 000 Fans zugelassen sind. Wenn es nach Max Stillger gegangen wäre, hätte Hansi Flick schon mit Abschluss der Bundesliga das Amt des Bundestrainers übernommen. Er befürchtet aus diesem Grund auch ein Ausscheiden in der Vorrunde. "Wenn Spieler hören, dass der Trainer ausscheidet, fehlt bei denen oft die Motivation".

EM 2021: „Ich freu‘ mich riesig“ – Spannung bei Fans aus Limburg steigt

Die Vorfreude auf die Europameisterschaft ist bei Ralf Schuchardt, Kreisschiedsrichterobmann und Torwarttrainer des Hessenligisten Rot-Weiß Hadamar, groß. "Ich freu' mich riesig, weil wir erst Ende des Monats mit der Vorbereitung anfangen und ich daher recht viele Spiele sehen kann. Bis dahin steht schon das Viertelfinale fest." Durch Corona ist ihm aber ein Treffen mit Freunden, um die Spiele zu verfolgen, zu gefährlich und er will sich die Spiele daher in seinen eigenen vier Wänden ansehen. Die deutsche Nationalmannschaft hat ihn persönlich noch nicht überzeugt und er sieht auch den 7:1-Erfolg im Testspiel gegen Lettland nicht als Maßstab. "Die Stunde der Wahrheit kommt mit dem ersten Spiel gegen Frankreich." Die Position und Wahrnehmung des nach der EM scheidenden Bundestrainers Joachim Löw ist Ralf Schuchardt besonders wichtig. "Wenn der Trainer es schafft, seine Ideen in die Mannschaft zu transportieren, müssten wir es mit der Qualität der Spieler bis ins Halbfinale schaffen."

Für den ehemaligen Fußballer und derzeitigen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod, Klaus Lütkefedder ist die Spannung groß. Er geht davon aus, dass die deutsche Elf "zumindest ins Halbfinale kommt". Ins Endspiel kommt seiner Meinung nach Belgien, "die so keiner richtig auf dem Schirm hat". Der Mannschaft aus dem Nachbarland traut er die gleiche Überraschung zu "wie damals Griechenland". Er sieht ein Auf und Ab bei den etablierten Mannschaften wie Spanien oder Frankreich - "auch auf die Gefahr hin, dass nach der Europameisterschaft jeder sagt, dass ich keine Ahnung habe". Das Schauen der Spiele in der Familie mit zwei fußballbegeisterten Söhnen und einem fußballbegeisterten Schwiegersohn "bietet sich das geradezu an". Sein Wunsch ist für die Europameisterschaft schönes Wetter, "damit auch ein kühles Bier und Gegrilltes möglich ist und das Fußball-Feeling so rüberkommt".

Fans aus Limburg über EM 2021: Kein Public Viewing – Profi-Fußball in Coronazeiten

Für Melanie Hünniger aus Dauborn ist der Platz am Fernseher bei einer EM* und WM, "wenn Deutschland oder Holland spielt", reserviert. Letzteres, weil dies das Heimatland ihrer Mutter ist. Sie hat selbst früher Fußball gespielt und für sie wäre es okay, wenn die Spiele ohne Publikum ausgetragen würden, "damit wir nicht eine neue Welle bekommen". Aus diesem Grund ist es für sie auch in Ordnung, dass kein Public Viewing stattfindet. Ihr Favorit ist Deutschland.

Der Fußballer und Elzer Joachim Gärtner, ehemals aktiv beim VfR 07 Limburg, sieht Belgien als Favorit auf den Titel. Er vermisst die Stimmung und Vorfreude auf die EM, die er auf die weitläufige Zersplitterung der Spiele zurückführt. "Besser wäre ein Land oder zwei Länder gewesen." Er befürchtet zudem, dass bei vielen Zuschauern auch die Zahlen wieder viel zu hochgehen.

Sandra Franz aus Nentershausen sieht die ganze Entwicklung in Zeiten der Pandemie eher kritisch. Sie findet es nicht so gut, dass Profifußballer spielen dürfen und Amateure nicht. "Die Kinder bleiben dabei ganz auf der Strecke." Trotzdem will sie die Spiele der Deutschen "gemeinsam mit dem Mann" am Fernseher verfolgen.

Dorothee Seidel aus Heckholzhausen hat auch als "Antifußballerin" einen Favoriten. Die Rückkehr des Publikums in die Stadien "geht mir aber zu schnell". Sie fände Geisterspiele "allen anderen gegenüber gerechter". Sie schaut die Spiele "gemeinsam mit meinem Mann und meinem Sohn" vor dem Fernseher. (Klaus-Dieter Häring) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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