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Ein Teil der Waffen, die Ermittler bei zwei Hausdurchsuchungen beim Ex-Bankvorstand sicherstellten.

Prozess in Limburg

Mann hortet Waffendepot im Keller

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Bislang ging es im Prozess gegen den langjährigen Vorstand der Volksbank Langendernbach um Untreue in 176 Fällen, gestern begann der zweite Teil des Verfahrens. Der 63-Jährige ist auch wegen Verstößen gegen das Waffengesetz angeklagt.

Er wollte doch nur spielen. . ., pardon: sammeln. Und das auch nicht allein aus Interesse an Militaria aller Art inklusive schwerer Waffen, viel Munition und explosionsgefährliche Stoffe, sondern auch aus Verbundenheit zu einem Mann, von dem nur den Vornamen kennt.

So erklärte der Verteidiger des Angeklagten gestern vor der 1. großen Wirtschaftskammer des Limburger Landgerichts das Zustandekommen des ansehnlichen Waffendepots, das die Ermittler vor vier Jahren bei zwei Hausdurchsuchungen in den Kellern von zwei Gebäuden seines Mandanten entdeckt hatten. „Er räumt ein, dass er diese Waffen und die Munition besessen hat“, sagte Anwalt Dr. Frank Seebode. „Und er weiß, dass er einen Teil davon nicht besitzen hätte dürfen.“

Video vom LKA

Das vorläufige Gutachten, das die Kammer beim Hessischen Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden in Auftrag gegeben hatte, war am Mittwochnachmittag per E-Mail eingetroffen. Der Vorsitzende Richter Peter Scherer präsentierte den Beteiligten und den Zuschauern gestern Morgen ein „Highlight“: Ein Video, das beweist, dass ein bei Hans-Martin G. sichergestelltes Maschinengewehr mit Lafette funktionsfähig ist. Das war es vorher allerdings nicht, die LKA-Spezialisten hatten es mit anderen Ersatzteilen zusammengebaut. Mit Blick auf die Expertise sagte Scherer, man könne „die Luft wohl ein bisschen rausnehmen“. Die Hieb- und Stichwaffen etwa hätten juristisch keine Relevanz.

Seebode erläuterte, dass Hans-Martin G. „vor Urzeiten“ – konkret in den 1970er- und Anfang der 80er Jahre – Interesse an Militaria-Orden gehabt und Messen in nah und fern besucht habe. Dort habe er überwiegend Dekorationsartikel gekauft und einen Herrn aus einem Nachbarort von Westerburg kennengelernt. „Mein Mandant weiß nur dessen Vornamen“, sagte der Kölner Strafverteidiger. Weil „Jürgen“ Geldschwierigkeiten gehabt habe, habe G. ihm die gesamte Sammlung abgekauft – „aus einer Mischung aus Interesse und Verbundenheit“.

Der Volksbank-Vorstand dachte, so Seebode, dass die Waffen nicht funktionieren würden, mit großem Aufwand jedoch in Gang gebracht hätten werden können. „Er hatte die da rumliegen und hat sie nicht genutzt“, sagte der Rechtsanwalt.

Wegen der kurz vorher bekannt gewordenen Millionenbetrügereien bei Anlagegeschäften habe G. eine Hausdurchsuchung befürchtet und deshalb einen Teil der Waffen in ein anderes Haus der Familie im Nachbarort gebracht.

Dies hatte jemand beobachtet und der Polizei in Siegen anonym einen Tipp gegeben. „Da schafft ein Beschuldigter Beweismittel in Kartons weg“, lautete der Hinweis. Daran erinnerte sich gestern ein Siegener Kriminalrat als Zeuge. „Wir hatten zunächst keine Ahnung, um was es gehen könnte, haben recherchiert und sind dann auf Limburg gekommen.“ Der zuständige Oberstaatsanwalt im Verfahren gegen G. (um Betrug, Unterschlagung und Untreue in Höhe von knapp zehn Millionen Euro, die Red.) habe den Beamten die Anweisung gegeben, sofort hinzufahren. Dort seien sie auf Hans-Martin G. getroffen. „Der Mann wirkte ziemlich zerfahren und aufgeregt und schien mit der Situation überfordert zu sein“, berichtete der 51-jährige Kriminalist. „G. sagte uns, er habe alles weggeschafft, von dem er glaubte, dass es ihn belasten könne.“

Waffen und Briefmarken

Der Hauseigentümer habe die Polizisten in den Keller des von drei Parteien bewohnten Mehrfamilienhauses geführt. In einem früheren Bad/WC eines nicht vermieteten Appartements seien neben dem Waffen- und Munitionsdepot allerlei Militaria-Gegenstände aufgefallen: Orden, Wehrpässe, Urkunden, Helme und Uniformteile. Außerdem Plastik- und Stofftüten sowie ein schwarzer Aktenkoffer mit Dokumenten verschiedenster Art; mehrere Sparbücher und Vertragsunterlagen, aber auch das Familienstammbuch, eine Münzen- und eine Briefmarkensammlung.

Fünf Tage später durchsuchten die Ermittler den Keller im Wohnhaus des damaligen Gemeindeältesten der Freien evangelischen Gemeinde, wo sie den immer noch gut gefüllten Waffenschrank entdeckten. Ein Auszug aus der Liste in beiden Objekten: Zwei Maschinengewehre, eines mit Lafette (ein fahrbares Gestell, auf dem eine Waffe montiert werden kann) war zerlegt, Sturmgewehre vom Typ MP 44 sowie Gewehre vom Typ 98, verschiedene Büchsen und Repetierbüchsen, eine sogenannte Pumpgun und ein Fallmesser. Dazu Hunderte (teilweise Manöver-)Patronen, Leuchtkörper und Leuchtpatronen.

Der Prozess wird am 18. Dezember fortgesetzt.

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