Wahre Liebe zur Musik

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Riesenandrang beim Frühjahrskonzert des MGV „Eintracht-Liederkranz“: 50 Stühle mussten die Organisatoren zusätzlich aufstellen, so groß war das Interesse.

Das Frühjahrskonzert des MGV „Eintracht-Liederkranz“ Obertiefenbach im ausverkauften Bürgerhaus entpuppte sich als wahrer Ohrenschmaus. Nicht nur die Gastgeber unter der Leitung Hubertus Weimers konnten die Erwartungen des Publikums mehr als erfüllen. Die Einladung des Landesjugendchors Hessen erwies sich zudem als Glücksgriff.

Gerade einmal ein Wochenende hatten die jungen Frauen und Männer mit ihren Dirigenten Jürgen Faßbender und Axel Pfeiffer Zeit gehabt, ein komplett neues Programm mit 13 Titeln einzustudieren. Es funktionierte prächtig. Auf richtig hohem Niveau wurde gesungen, erfrischende Variationen bekannter Werke wurden auf die Bühne gebracht. Nach dem letzten Ton der schweren Ballade „Music“ von John Miles entlud sich die Anspannung und Begeisterung des Publikums in einem wahren Applausgewitter und stehenden Ovationen. Sängern wie Dirigenten war anzumerken, dass Musik wahrliche ihre erste Liebe ist.

Die Nachwuchskünstler zeigten, dass es auch künftig immer noch genügend junge Leute geben wird, die Musik lieben und leben. Selbst die kirchlichen Stücke der ersten Programmhälfte schienen die Jugendlichen zu inspirieren. Eindrucksvoll war beispielsweise der Hörgenuss bei „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Eduard Mauersberger, der die zerbombte Stadt Dresden am Ende des Zweiten Weltkrieges trefflich beschreibt. Gegen Ende wurde das Programm heiterer. So wie beim fröhlichen „Roslagsvar“ von Hugo Alfven, das in schillernden Tönen den einziehenden Frühling in Schweden lebendig machte.

Aber auch Glanzlichter des Pops wie „Another day in Paradise“ von Phil Collins oder das herzergreifende Liebeslied „How deep is your Love“ der Bee Gees funktionierten prächtig als Chorversionen. Dass Chorgesang und Jugendgeschmack keine Gegensätze sein müssen, zeigte sich unter anderem auch bei „Himmel auf“ von „Silbermond“.

Eine neue Zeit hat auch beim Obertiefenbacher Kinder- und Jugendchor „El KiChorO“ begonnen. Christoph Kipping gab nach elf Jahren aus Zeitmangel seinen Abschied. Bei „Barbara Ann“ der

„Beach Boys“ hatte er noch einmal für einen Song der Kinder den Taktstock übernommen. MGV-Vorsitzender Christoph Heep dankte ihm für seine enorme Aufbauarbeit mit einem Präsent. Ansonsten zeigte der junge Dirigent Jonas van Baaijen, dass er der richtige neue Mann sein dürfte. Es war zu spüren, dass er Kinder begeistern und gesanglich das Optimum aus ihnen herausholen kann. Die Jüngsten hatten den Konzertnachmittag mit tollen Vorträgen von „Das ist Swing“ und „Der Hai“ begonnen, dann folgten die Älteren mit „Let her go“ und „Hallelujah, Salvation and Glory“.

Was der MGV „Eintracht-Liederkranz“ unter Weimers Leitung leistet, muss man den Chorfans aus der Region nicht weiter erzählen: Allererste Sahne weit über die Region hinaus. Dies wurde besonders in den brillanten Soli von Stefan und Christoph Heep oder Jens Pitton deutlich, die mit ihren klaren Stimmen brillierten. Claus-Peter Blaschke, Präsident des Hessischen Sängerbundes, betonte, selbst er bekomme solche Qualität in Hessen nicht jede Woche zu hören.

Beim geistlichen Werk „Ubi Caritas“ oder dem Gospel „I want to go to Heaven“ entfaltete der Klangkörper in enormes Volumen. Die Obertiefenbacher Sänger können es traurig wie in Silchers „Ich hab den Frühling gesehen“ ebenso wie fröhlich in Mendelssohn Bartholdys „Trinklied“.

Gerhard Voß, Sänger des Obertiefenbacher Chores, wurde von Landespräsident Plaschke für zehn Jahre als Sängerkreisvorsitzender geehrt. Eine Ehrenurkunde gab es für Paul Bausch, der dem Chor seit 40 Jahren angehört. Ergreifend war die Ansprache von Mohammed Deeb (20), ein syrischer Flüchtling, der im Krieg seinen Vater verloren hat und Deutschland unter starkem Beifall des Publikums für seine große Gastfreundschaft dankte.

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