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Die krebskranke Mathilda braucht dringend Hilfe.

Eltern sehr bewegt

Krebskranke Mathilda: Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich

Die fünfjährige Mathilda aus Waldbrunn hat Krebs. Nach dem Spendenaufruf für eine Antikörper-Therapie im Ausland sind die Eltern von der Hilfsbereitschaft überwältigt.

Update, 16. April, 10:25 Uhr: Die Eltern der krebskranken Mathilda aus dem Westerwald hoffen, dass eine Antikörper-Therapie im Ausland das Leben ihrer Tochter retten kann. Doch die Therapie kostet viel Geld, rund 200.000 Euro. Dass sie das Geld durch einen Spendenaufruf tatsächlich zusammenbekommen würden, hätten die Eltern nicht für möglich gehalten. 

Krebskrankes Kind: Große Welle der Hilfsbereitschaft

Nachdem die Eltern Anfang April mit dem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit gegangen sind, zeigte sich eine enorme Hilfsbereitschaft. Neben unzähligen Privatpersonen beteiligten sich Fußballvereine, Frisöre,  Supermärkte, Kirmesburschenschaften und Pfarrgemeinden mit verschiedenen Aktionen, um Mathilda zu helfen.

Die Eltern konnten es kaum glauben: Innerhalb weniger Tage kamen rund 200.000 Euro an Spenden zusammen. Ein Betrag, mit dem die Familie Schmidt niemals gerechnet hätte, wie sie gegenüber hessenschau.de erzählen. "Diese Solidarität dafür, dass unsere Tochter eine Therapie bekommen kann, dass da die Gemeinschaft auch über die regionalen Grenzen so zusammenrückt - das ist überwältigend."

Mathilda hat Krebs: Therapie soll in etwa zwei Monaten beginnen

Somit kann nun Mathildas erste Behandlung im Ausland geplant und finanziert werden. In etwa zwei Monaten soll die Therapie in Barcelona beginnen. Ob sie Erfolg haben wird ist unklar. Silke Kietz, Oberärztin in der Kinderonkologie an der Universitätsklinik Gießen dazu: "Die Chancen, dass Mathilda nach dem Rückfall die Krankheit überlebt, sind leider nicht so hoch. Ich habe der Familie aber versprochen, dass ich den Weg mit ihr gemeinsam gehe.“ Für die Eltern gilt nun das Prinzip Hoffnung.

Erstmeldung, 5. April, 19:47 Uhr: Waldbrunn - Kurz vor ihrem vierten Geburtstag, im Herbst 2017, musste Mathildas Mutter ihrer Tochter zum ersten Mal von dem bösen Stein, der da in ihrem Bauch ist, erzählen. Sie erzählte von den tapferen Chemo-Rittern, die nun in den Kampf ziehen, um den Feind zu besiegen. Und sie erzählte von den Rittern, die so sehr kämpfen, dass dabei auch manchmal ein paar gute Sachen kaputt gehen. Der böse Stein, das ist ein Neuroblastom, die zweithäufigste bösartige Krebserkrankung bei Kindern. Erkennt man den Tumor, bei dem Zellen des Nervensystems entarten, erst in einem fortgeschrittenen Stadium, und das ist die Regel, sterben noch immer sieben von zehn Kindern daran. Eine neue Therapie im Ausland könnte Mathilda vielleicht das Leben retten. Weil die Kosten für die Behandlung in Spanien von der Krankenkasse höchstwahrscheinlich nicht übernommen werden, bittet ihre Familie jetzt um Spenden.

Bösartiger Tumor wird bei Mathilda wird in 2017 entdeckt - aggressivste Form

Als Mathildas Krebs im Oktober 2017 entdeckt wird, befindet er sich bereits im vierten und damit letzten Stadium der in Deutschland gängigen Einteilung. Ein knapp handgroßer Tumor, der mit der Hauptschlagader verwachsen ist und bereits auf die Organe drückt. Die aggressivste Form, schnell wachsend. Zu diesem Zeitpunkt liegt hinter den Eltern eine Odyssee durch Arztpraxen und Krankenhäuser. „Mathilda hatte immer wieder starke Bauchschmerzen. Dann auch Fieber. Die Symptome verschwanden, kamen zurück“, erinnert sich ihre Mutter Rebecca.

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Flyer für Spendenaktion.

Die Familie geht zum Kinderarzt, als es schlimmer wird, in die Notaufnahme. Die Mediziner tippen auf die Nieren, diagnostizieren Scharlach, verordnen Penicillin. Später soll es eine Lungenentzündung sein, Unterzuckerung, Verstopfung. Rebecca und ihr Mann Patrick fühlen sich in ihrer Sorge um ihr krankes Kind nicht ernst genommen. Die Waldbrunner kennen schließlich ihre Tochter. Sie ist ein lebensfrohes Mädchen voller Energie, dem kein Baum zu hoch und keine Pfütze zu tief ist. „Mein Kind war nicht mehr wie früher“, sagt ihre Mutter. „Ich könnte immer noch heulen, wenn ich daran denke. Dein Kind liegt da und keiner nimmt dich ernst.“

Als die Klinik in Siegen die Familie mit einem Einlauf wieder nach Hause schicken will, platzt ihnen der Kragen – und Mathilda wird schließlich doch zur weiteren Untersuchung aufgenommen. Zum zweiten Mal wird bei dem Kind ein Ultraschall gemacht – und dieses Mal erkennt ein Arzt: „Da stimmt etwas nicht.“ Es folgt sofort ein MRT und die entsetzliche Nachricht: „Da ist etwas in Mathildas Bauch, das da nicht hingehört.“

„An diesem Tag haben wir uns gefragt, wie wir die nächsten 24 Stunden überstehen sollen“, sagt Mathildas Mutter. „Nach den ganzen Behandlungen haben wir uns dann gefragt, wie wir all diese Monate überstanden haben.“ Die Therapie in der Kinderonkologie der Uniklinik Gießen beginnt sofort, Mathilda wird in die Hochrisiko-Gruppe eingestuft, es gilt, keine Zeit zu verlieren. Die Chemo-Ritter ziehen in den Kampf. Vier Blöcke Chemo – der Tumor schrumpft und kann nun doch operativ entfernt werden. Zwei weitere Blöcke Chemo. Dann eine Behandlung mit Mathildas eigenen Stammzellen. Und die kleine Prinzessin und ihre tapferen Ritter können feiern: Es sind keine Tumorzellen mehr nachweisbar.

In der Klinik hat Mathilda eine Mutperlen-Kette bekommen. Jedes Mal, wenn sie dort ihren ganzen Mut zusammennehmen muss, bekommt sie eine neue Perle.

Es folgt eine Antikörpertherapie, eine Behandlung, die es in Deutschland noch nicht lange gibt. Da Tumorzellen eigene Körperzellen sind, werden sie vom Immunsystem normalerweise nicht erkannt. Die künstlich hergestellten Antikörper markieren die krankhaften Zellen und zeigen dem Körper so, welche er vernichten muss. Gesunde Zellen werden dagegen geschont. So sollen auch die letzten Reste des Krebses besiegt werden. Im Dezember 2018, einen Tag vor Heiligabend, endet für Mathilda und ihre Familie die Therapie. Die Fünfjährige ist ihrem größten Wunsch ein Stück näher gekommen: „Endlich ein Vorschulkind sein.“ Bei der Abschlussuntersuchung im Januar der Schock: Ein Rückfall, Mathilda hat zwei neue Tumore. Wieder eine Operation, wieder Chemotherapie – und kein echter Plan B mehr. In Deutschland könnte man Mathilda nur noch mit den Stammzellen ihrer Eltern behandeln. Wenn ihr Körper die nicht abstößt. Und wenn die Fünfjährige ein erneutes „Herunterfahren“ ihres kompletten Immunsystems überhaupt überstehen würde. Zu viele „Wenn’s“ für Mutter Rebecca.

Die 34-Jährige recherchiert im Internet, entdeckt in Betroffenen-Gruppen, dass in New York ein viel potenterer Antikörper und eine spezielle Impfung entwickelt wurden. Eine stärkere Waffe für Mathildas Ritter. Wahrscheinlich wird beides auch irgendwann in Deutschland verfügbar sein. Irgendwann – aber so viel Zeit hat Mathilda nicht. In Kliniken in Dänemark, England und Spanien wird der Antikörper bereits eingesetzt. Die behandelnde Ärztin in Gießen sagt, die Behandlung sei auf jeden Fall eine Option, berichtet die Mutter.

Antikörper-Behandlung kostet mindestens 200.000 Euro

Die meiste Erfahrung hat man in Barcelona gesammelt – da will die Familie hin. Mindestens 200 000 Euro kostet die Antikörper-Behandlung. Für die Impfung kann man noch einmal die gleiche Summe rechnen. Die deutsche Krankenkasse übernimmt die Auslandskosten wahrscheinlich nicht. Und die Klinik in Spanien beginnt erst, wenn die Summe bezahlt ist. 200 000, vielleicht sogar 400 000 Euro, eine Summe, die Mathildas Familie niemals alleine aufbringen kann. „Aber wir könnten es uns nie verzeihen, wenn wir es nicht versucht hätten“, sagt die Mutter.

Die Familie steht zusammen, berät sich und beschließt, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Mama Rebecca, ihre zwei Schwestern und drei Cousinen gründen das „Team Mathilda“, entwerfen Flyer und eine Homepage, schalten Accounts bei Facebook und Instagram und bitten um Spenden. Die Frauen können die Dehrner Krebsnothilfe ins Boot holen, die sich um die Gelder und die damit verbundene Bürokratie kümmert. „Wir sind dem Vorsitzenden Andreas Kessler und seinem Verein unendlich dankbar, das man uns ohne großes Zögern unterstützt hat“, betont Mathildas Mutter.

Rebecca und Patrick wollen gegenüber ihrer kleiner Tochter immer ehrlich sein. „Nichts passiert, was Mathilda nicht vorher weiß“ – diese Regel hat sich die Familie gesetzt. Auf der Kinderkrebsstation in Gießen haben die Waldbrunner viele andere Betroffene kennengelernt. Fremde, die in der schweren Zeit zu so etwas wie einer Familie geworden sind. Menschen, denen man nicht erklären muss, wie man sich gerade fühlt. Mathilda hat Kontakte geknüpft, aber auch von Kindern Abschied nehmen müssen. Nach ihrem Rückfall hat sie ihre Eltern gefragt: „Mama, jetzt müssen die Ritter wieder kämpfen. Was ist, wenn sie das nicht schaffen? Komme ich dann auch in den Himmel?“ Und ihre Eltern haben ihr versprochen: „Wir tun alles dafür, damit du es nicht musst!“

So kann man der kleinen Mathilda helfen

Mathilda ist für ihre Krebsbehandlung im Ausland auf Spenden angewiesen. Vor genau einer Woche fiel der Startschuss für die Spendenkampagne. Seitdem ist die Familie aus Waldbrunn von einer Welle der Hilfsbereitschaft und Anteilnahme überrollt worden. Mehr als 3700 Fans hatten die Organisatoren rund um Mutter Rebecca gestern bereits bei Facebook, mehr als 8500 Menschen folgen dem „Team Mathilda“ bei Instagram.

Geschäftsleute und Vereine planen Benefizaktionen und wollen einen Teil ihrer Umsätze spenden. Und es gibt bereits jetzt so viele Spenden, dass der erste Teil der Behandlung, die Antikörpertherapie bald gesichert sein dürfte. „Etwa 180 000 Euro sind schon da.“ Mathildas Mutter spricht die Summe ganz vorsichtig aus, sie kann es noch nicht glauben. „Wir wissen nicht, wie wir uns jemals dafür bedanken können.“

Wer Mathilda helfen möchte, kann sich auf der Internetseite ww.teammathilda.de oder in den sozialen Medien über die vielen Benefizaktionen informieren. Spendenkonto:

Dehrner Krebsnothilfe e.V. Kreissparkasse Limburg, IBAN: DE79 5115 0018 0010 0024 59 BIC: HELADEF1LIM (Als Verwendungszweck bitte das Stichwort „Mathilda“ sowie die eigene Anschrift angeben, damit eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden kann.)

Eine PayPal-Spende ist auch möglich. Hier können aber keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden: www.paypal.me/spendemathilda oder an spende@teammathilda.de. Das gesammelte Geld kann die Familie nur für die Mathildas Therapie nutzen. Dafür nicht benötigte Spenden kommen der Arbeit der Dehrner Krebsnothilfe zugute.

von Eva Jung

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