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Ulrich Zaum (r.) und Jan Mixsa, der die Theater-Urgewalt im Stück verkörpert, mit Figuren und Puppen, die im ?Großen Welttheater? mit von der Partie sind.

Das große Welttheater ? gespielt nach Notizen des Teufels

Bischof auf der Bühne

Der Bischof ist zurück. D e r Bischof. Nicht wirklich. Nur auf der Bühne. Als Figur, nicht real. Aber immerhin. In Szene gesetzt von Ulrich Zaum, dem Autor von Theater- und Fernsehstücken, der seit wenigen Jahren im Pfarrhaus von Ellar wohnt.

„Als Allegorie ist die Figur wichtig“, sagt Ulrich Zaum. Also als Figur, der bestimmte Charakterzüge und Verhaltensweisen zuzuschreiben sind. Aber er wolle es nicht so sehr an die große Glocke hängen, sagt Zaum. Muss er auch nicht. Aber der ehemalige Limburger Bischof, der nun seinen Dienst in Rom versieht, ist eben aufgrund bestimmter Verhaltensweisen bekannt geworden. „Es ist nur eine von vielen Figuren in meinem Stück“, macht Zaum noch einmal deutlich.

Eine von vielen Figuren in seinem Stück „Das große Welttheater – gespielt nach Notizen des Teufels“, das bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen aufgeführt wurde. Ein Stück, das mit seinen Figuren zeitlich weit zurückführt bis ins Mittelalter. Motive von Calderon (1600 bis 1681), John Milton (1608 bis 1674) oder Sebastian Brant (1457/58 bis 1521) hat Zaum verarbeitet, zusammengefügt. Tod und Teufel spielen dabei zentrale Rollen, es geht schließlich um das, was den Menschen schon immer bewegt hat und immer bewegen wird: Liebe, Tod, Vernichtung, Erlösung.

„Der Zauber dieser alten Stoffe liegt darin, dass sie erlauben, mit den einfachen Mitteln des Spekatkels von dem Rätsel der Existenz und dem Geheimnis der Seele zu erzählen“, schreibt Zaum in seinem Anmerkungen zu dem Stück. Und in diesen Spannungsfeld, dieser Gemengelage taucht das Narrenschiff als Metapher auf eine absurde Welt auf, in der die Menschen ohne Orientierung treiben, mit Spaß, Lärm und Events die Zeit, die Angst und den Tod verjagen.

Eine Partie, wie geschaffen für Luzifer, für den Teufel. Er verführt Eva zur Entdeckung der Sinnlichkeit und Lust, wird Mentor des ungelenken Tods, der zum

Totentanz

ruft. Ein Ruf, der auch an den Bischof geht. Doch der Teufel ist längst keine Allgewalt mehr, eher ein einsamer Hund der unsterblich zwar, aber gelangweilt und verbittert in der materialistischen Welt keine Aufgabe mehr findet, mit großen Seelen zu ringen.

Tod und Teufel, das beschäftigt Zaum schon lange. Das bereits über längere Zeit vorbereitete Stück hat er in dieser Woche bei den Ruhrfestspielen auf die Bühne gebracht. In Wuppertal, die Stadt in der er aufwuchs, hat er die vergangenen Wochen mit intensven Proben in einer alten Industriehalle verbracht. „Zehn Stunden am Tag, da ist viel Detailarbeit gefragt“, sagt er. Und in solchen Phasen ist das renovierte Pfarrhaus in Ellar abgemeldet. Dort residierten die Limburger Bischöfe vor der automobilen Zeit, wenn sie unterwegs waren, um die Firmung zu spenden.

Im vergangenen Jahr hat er mit den Burgspielen in seinem neuen Wohnort die kulturelle Szene in der Region belebt und bereichert. Die Reste der ehemaligen Burg und die großen Figuren des Theater Rayo passten gut zusammen. „Wir machen wieder etwas“, verspricht Zaum, der über seine aus Waldernbach stammende Frau Erika Beck in die Region fand. Gespielt wird jedoch nicht in Ellar, sondern in Weilburg. Mehr will Zaum noch nicht verraten, aber in wenigen Tagen gibt es in einer Pressekonferenz Einzelheiten. Und im kommenden Jahr steht schon ein Gastspiel auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz fest.

Und nach der Resonanz auf „Das große Welttheater“ bei den Ruhrfestspielen besteht durchaus die Möglichkeit, dass es im kommenden Jahr auch in der Region aufgeführt wird. „Die Zuschauer waren sehr angetan von den Aufführungen“, erzählt Zaum. Stehend hätten sie applaudiert, und der Leiter der Festspiele habe angeregt, weitere Aufführungen in den Blick zu nehmen. Drei Mal wurde „Das große Welttheater“ bei den Ruhrfestspielen aufgeführt. Zaum selbst hofft darauf, es im Herbst noch einmal in Wuppertal spielen zu können. Und dann eben im nächsten Jahr.

Mit dabei wären dann auch die kunstvoll gestalteten Riesenköpfe von Jaime Olivares (er hat auch die Skizze vom Bischof gezeichnet und anschließend die Maske geschaffen), und die Theaterfiguren von Jan Mixsa, von dem zudem die Musik für das „Große Welttheater“ stammt und der auch noch als Schauspieler auf der Bühne steht. Olivares, Mixsa und Zaum arbeiten auch im Theater Rayo, einer lose geknüpften Kooperation zusammen, und widmen sich mit ihren Stücken sehr stark auch einem jungen oder ganz jungen Publikum – wie im vergangenen Jahr mit den Burgtheaterspielen in Ellar.

„Das große Welttheater“ auch ein Stück für Limburg? Wenn es die Möglichkeit dazu gibt, durchaus. Dann käme der Bischof mit den bekannten Zügen nach Limburg zurück. Sein Auftritt in dem

Totentanz

des Stücks ist nicht lang und beginnt mit der Begegnung mit einem Bettler. Der Bischof sagt: „Ich hasse die Bettler vor dem Portal.“ Doch der Bettler ist gar kein Bettler, es ist der Tod, der sich verkleidet hat. Mit Weihrauch, Kerzen, Fahnen, Büßerhemd und Bettelsandelen will der Bischof ihn vertreiben. Es gelingt nicht. Und als der Bischof vor dem Tod fallen will, fängt ihn der Teufel mit den Worten auf: „Hör ich richtig? Du warst Bischof? Man hat dich der Prunksucht geziehn?“ Und dann verspricht der Teufel, mit ihm zu beten und zu knien. . .

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