Der Lasterbach soll renaturiert werden. Nur nicht innerorts, findet die CDU in der Gemeindevertretung.
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Der Lasterbach soll renaturiert werden. Nur nicht innerorts, findet die CDU in der Gemeindevertretung.

Streit um den Lasterbach

CDU: Keine Renaturierung im Ort

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Aber Förderantrag für die Gemeinde Waldbrunn darf nicht den Bach runter gehen.

Waldbrunn -Die Renaturierung des Lasterbachs im Ortsteil Hausen hat auch in der jüngsten Parlamentssitzung für Wellenschlag gesorgt. Zwar sprechen sich die Fraktionen von CDU, SPD und Bürgerliste Waldbrunn (BLW) dafür aus, den Wasserlauf in einen naturnahen Zustand zurückzuversetzen und einen Förderantrag für das Programm "100 Wilde Bäche" beim hessischen Umweltministerium zu stellen. Ziel ist, dass alle Gewässer bis zum Jahr 2027 im Rahmen der EU-Vorgaben in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden, beschreibt das Ministerium das Programm.

Die Christdemokraten befürworten zwar dieses Ziel, lehnen aber eine innerörtliche Renaturierung des Lasterbachs in Hausen ab und wollen daher nur die Maßnahmen umsetzen, die nicht den Bereich um die Mehrzweckhalle betreffen. SPD und Bürgerliste geht es dagegen um genau diese Strecke - auch weil mit der Renaturierung des Lasterbachs in der Dorfmitte der seit Jahren geplante Hallenanbau möglich würde.

Ob es zu dieser Gebäudeerweiterung kommen wird, ist nach dem aktuellen Gemeindevertreterbeschluss allerdings ungewiss, denn die CDU setzte sich mit ihrer Ablehnung der Maßnahme im Ortskern durch. Wo und in welchem Umfang der Bach naturnah zurückgebaut wird, hängt jetzt von der Bewilligung des Förderantrags ab.

Der Abstimmung vorausgegangen war ein hitziges Wortgefecht zwischen BLW-Gemeindevertreter Marc Eisenkopf, der zugleich Ortsvorsteher von Hausen ist, und Torsten Heep (CDU). Der bekräftigte den Standpunkt seiner Fraktion, wonach die Renaturierung des Lasterbachs an der Mehrzweckhalle "nicht angebracht" sei. Eine Veränderung des Wasserlaufs und der Bachsohle bewirke, "dass mehr Aufwuchs hochkommt", sagte Heep. Für den Bauhof der Gemeinde bedeute das einen erhöhten Pflegeaufwand, der wegen Brut- und Setzphasen der Tiere sowie der Witterungseinflüsse nur innerhalb eines kleinen Zeitfensters erledigt werden könne. Schon jetzt schaffe es der Bauhof nicht, den Lasterbach regelmäßig instand zu halten wie der teilweise abgerutschte Pfad hinter der Mehrzweckhalle beweise, stellte Heep fest. Und dass eine übergeordnete Behörde von der Waldbrunner Verwaltung diese innerörtliche Naturmaßnahme verlangen könne, "das sehe ich nicht", sagte er und forderte damit Marc Eisenkopf zu heftigem Widerspruch heraus.

Es sei eine Bankrotterklärung der Gemeinde, wenn die diesen Pflegeaufwand nicht leisten könne, entgegnete der BLW-Sprecher. Heeps Argumentation bedeute, "dass wir den Hochwasserschutz nicht verbessern, weil wir nicht in der Lage sind, das Bachbett sauber zu halten".

Außerdem habe die Verwaltung ein Fachbüro beauftragt, die Gegebenheiten am Lasterbach und mögliche Renaturierungsmaßnahmen zu prüfen und auszuwerten. Und dieses Fachbüro sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Veränderung des Bachs auch im Hallenbereich dem Hochwasserschutz dient. Schließlich gelte es, auf künftige Starkregenereignisse vorbereitet zu sein. Auf die Expertise eines Fachbüros müsse man jedenfalls vertrauen, forderte Eisenkopf.

Das bestätigte Christoph Simon, Fraktionsvorsitzender der SPD. Er ziehe nicht die Kompetenz des Parlamentskollegen Heep in Frage, sei aber verwundert, wenn die Erkenntnisse des beauftragten Fachbüros nicht belastbar sein sollten. Die Maßnahme, den Bach auch innerhalb des Ortes wieder naturnah zu gestalten, sei als "nützlich und sinnvoll" dargestellt worden. Die Renaturierung sei notwendig und über das Förderprogramm "100 Wilde Bäche" auch für eine finanzschwache Gemeinde wie Waldbrunn zu stemmen. Immerhin stünden dadurch eine Förderquote von 95 Prozent plus zusätzliche Ökopunkte in Aussicht. Außerdem gab Simon zu bedenken, wenn die Maßnahme jetzt nicht mit finanzieller Förderung angegangen werde, werde sie später ohne Zuschüsse fällig. "Machen müssen wir das irgendwann sowieso."

Und schließlich geht es auch immer noch um den Hallenanbau, auf den Claus Bornschein (BWL) in der Gemeindevertretersitzung hinwies. Aus diesem Grund und wegen des Hochwasserschutzes habe sich der Ortsbeirat Hausen einstimmig für die Maßnahme ausgesprochen. Denn derzeit steht die Mehrzweckhalle im Hochwassergebiet; ein Anbau würde nur genehmigt, wenn der Bach renaturiert und damit die Hochwassergefahr gebannt würde. Das hatte Bürgermeister Peter Blum (parteilos) bereits im Sommer mitgeteilt.

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