+
Christof Martin hat die Aufgabe des Uhraufziehers übernommen.

Ein wahrer Schatz

Christof Martin muss jeden Freitag 20 Minuten kurbeln, damit die Uhr der mittelalterlichen Kirche in Lahr funktioniert

Wer zur Uhr der mittelalterlichen Kirche in Lahr hinaufschaut oder sich von den Glockenschlägen die Zeit ansagen lässt, ahnt nicht, dass sich hinter den Mauern des Kirchturms ein wahrer Schatz befindet. Denn das Uhrwerk ist schon weit über hundert Jahre alt und arbeitet immer noch zuverlässig. Allerdings muss es jede Woche per Hand aufgezogen werden. Seit Kurzem hat Christof Martin diese Aufgabe übernommen.

Die Uhr wurde im Jahr 1910 von der Firma Bernard Vortmann in Recklinghausen gebaut. Sie hat ein freischwingendes Pendel, das nach 60 Sekunden den Minutenzeiger vorrückt. Zu jeder Viertelstunde gibt es einen Glockenschlag vom Kirchturm in Lahr, und die volle Stunde wird je nach der Uhrzeit mit ein bis zwölf Glockenschlägen verlautet.

Das schwere gusseiserne Uhrwerk steht auf der mittleren Ebene des Kirchturms. Nach unten hin hängen Seile mit drei Gewichten für den Antrieb; eins für die Uhrzeit und zwei für den Stunden- beziehungsweise Vierteilstundenschlag. Nach oben hin verlaufen Seile vom Uhrwerk zu den Glocken.

Um die Uhr aufzuziehen muss Christof Martin einmal pro Woche in den Turm steigen

Um die Uhr aufzuziehen, steigt Christof Martin einmal pro Woche über eine steile Holztreppe in den Turm. Mit einer großen aufsteckbaren Kurbel wickelt er die langen Seile der drei Uhrengewichte auf Trommeln und zieht sie damit nach und nach wieder in die Höhe. „Während die Uhr abläuft, wandern die Gewichte mehr als 20 Meter nach unten“, erklärt er. Zusammen würden sie rund 300 Kilogramm wiegen. Tatsächlich sei der Kraftaufwand beim Kurbeln für das Laufwerk der Zeiger am größten, obwohl dafür das leichteste der drei Gewichte zuständig ist. „Aber hier ist die Übersetzung der Zahnräder am ungünstigsten“, erklärt der Kenner.

Das Uhrwerk im Turm der mittelalterlichen Kirche Lahr arbeitet schon mehr als 100 Jahre.

Für den gleichförmigen Lauf des Uhrwerks ist das Pendel zuständig, das über das Räderwerk immer wieder „angeschubst“ wird. Die aus verschiedenen Zahnrädern bestehende Mechanik „zählt“ außerdem die Schwingungen des Pendels mit und setzt dementsprechend die Uhrzeiger in Bewegung. Benötigt das Pendel für eine Schwingung beispielsweise eine Sekunde, dann hat der Minutenzeiger nach 3600 Schwingungen einmal das Zifferblatt umrundet – und auch der Stundenzeiger ist eins weiter gerückt.

Zeitumstellung eine größere Sache für den Fachmann

Am unteren Ende des Pendels befindet sich eine Stellschraube, mit der die Schwingung feinjustiert wird. „Mein Vorgänger, ein Ingenieur unserer Gemeinde, der sich jahrzehntelang um die Uhr kümmerte, hat am Boden eine Zentimetermaß angebracht, an dem ich die Ganggenauigkeit kontrollieren kann“, sagt Christof Martin. Das sei nötig, weil auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit das Uhrwerk beeinflussen würden. Wenn allerdings die Zeitumstellung ansteht, ist es mit dem Stellrädchen nicht getan. Dann muss der Fachmann ein wenig mehr Aufwand betreiben. „Im Herbst halten wir die Uhr einfach eine Stunde lang an, aber im Frühjahr ist das schon eine größere Aktion“.

Marienglocke eine der ältesten Glocken im Bistum

Christof Martin liebt den warmen Klang der Marienglocke, wenn sie die Stunde schlägt. „Dieses Meisterwerk der Glockengießerei stammt aus dem Jahr 1447 und wurde von Meister Tilman von Hachenburg gefertigt“, erzählt der Fachmann stolz. Die Marienglocke gehört nach seiner Aussage zusammen mit der Johannesglocke, die um 1400 gegossen wurde, zu den ältesten des Bistums.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare