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Den NS-Opfern ihre Namen zurückgeben

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Von: Klaus-Dieter Häring

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Dr. Peter-Josef Mink stellte zusammen mit Denis Kanke, Anke Keßler, Bürgermeister Peter Blum und Gerd Form (von links) das Projekt Stolpersteine in Hausen vor. FOTO: Klaus-Dieter Häring
Dr. Peter-Josef Mink stellte zusammen mit Denis Kanke, Anke Keßler, Bürgermeister Peter Blum und Gerd Form (von links) das Projekt Stolpersteine in Hausen vor. © Klaus-Dieter Häring

Spenden für Projekt erwünscht

Waldbrunn -"Stolpersteine" als Gedenksteine für die Opfer des NS-Zeit finden sich mittlerweile in über 1200 Städten und Gemeinden Deutschlands - und bald auch in Waldbrunn. Den ersten Stein verlegte der Künstler Gunter Demnig 1992 vor dem Rathaus in Köln. Sein Anliegen war es, Millionen von Menschen, die bei den Nationalsozialisten zu bloßen Nummern degradiert und ermordet wurden, ihren Namen und somit die Erinnerung an sie zurückzugeben.

Daraus entwickelte sich das Projekt "Stolpersteine", dass der Opfer der NS-Zeit gedenkt. Der Juden, der politisch Verfolgten, der Sinti und Roma, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der unter dem Deckmantel der Euthanasie Ermordeten. In einem Dokumentarfilm des Kultursenders Arte erläuterte Demnig sein Verständnis von "Stolperstein". Es geht dabei nicht um ein tatsächliches Über-den-Stein-Stolpern, sondern "man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen".

Der Stolperstein ist mit seinem etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Messingschild, das auf einen Stein aufgeschlagen wird, ein Merkzeichen auf dem Gehweg. Für jeden Menschen gibt es ein Messingschild mit den Lebensdaten unter besonderer Berücksichtigung von Flucht und Tod.

Am 4. Mai werden in Ellar und Hausen 17 Stolpersteine für jüdische Kinder, Frauen und Männer verlegt, die während der Naziherrschaft fliehen mussten oder ermordet wurden. Heute leben einige der Nachkommen in den USA. Seit einigen Jahren hält Dr. Peter-Josef Mink Kontakt zu Tochter und Enkeltochter der Ellarer Jenny Löwenstein, geb. Bock, die 1937 heiratete und dann in Heringen lebte. Ihre zweijährige Tochter Lina musste mitansehen, wie die Mutter 1940 in Frankfurt auf offener Straße verprügelt wurde.

Abenteuerlich war die Flucht der Löwensteins nach Belgien während des Zweiten Weltkrieges. Dort wurden Vater und Mutter mit Tochter Lina von einer Familie versteckt gehalten. Eines Tages wurde die Mutter der kleinen Lina entdeckt und nach Auschwitz deportiert, wo man sie ermordete. Das kleine Mädchen konnte dank einer anderen belgischen Familie überleben. Bis heute leidet sie unter dem Trauma aus ihrer Kleinkinderzeit. Ein weiterer Kontakt besteht zu Randy Liebmann, einem Enkel von Theodor Liebmann, der mit seiner Frau in der Unterstraße in Ellar ein Geschäft betrieb. Theodor Liebmann wurde nach dem 9. November 1938 ins KZ Buchenwald gebracht. Als er von dort entlassen wurde, floh er mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen nach New York. Noch heute lebt einer seiner beiden Söhne in den USA.

Zehntklässler unterstützen Aktion

In der Gesellschaft zeigt sich vermehrt antisemitisches Gedankengut bis dahin, dass man Menschen jüdischen Glaubens mit Gewalt droht oder angreift. Umso schöner ist es, dass sich die Schülerinnen und Schüler der zehnten Realschulklasse der St. Blasius-Schule in Frickhofen im Fach Katholische Religion an der Realisierung des Projektes beteiligen. Im Unterricht äußerten die jungen Leute gegenüber ihrer Lehrerin Anne Keßler und Peter-Josef Mink erste Ideen, wie sie sich beteiligen möchten. Zwei Vorschläge griffen die Situation auf, dass Nachfahren der Verfolgten in den USA leben und aus Altersgründen und wegen der Covid-Pandemie am 4. Mai nicht nach Deutschland reisen können. Denkbar wäre es, mit ihnen via Zoom Kontakt aufzunehmen. Auch ein Film über die Verlegung der Stolpersteine könnte erstellt und an die Hinterbliebenen weitergeleitet werden. Im Religionsunterricht wird außerdem das Leben der Familien thematisiert und sich in vielfacher Weise mit den verschiedenen Aspekten auseinandergesetzt. Auch werden die Schülerinnen und Schüler mit dem Stellvertretenden Schulleiter Patrick Böhm und ihrer Religionslehrerin Anne Keßler am 4. Mai beim Verlegen der Stolpersteine anwesend sein und mitwirken.

Die Gemeinde Waldbrunn mit Bürgermeister Peter Blum und den Ortsbeiräten unterstützt den Künstler beim Verlegen und mit finanziellen Mitteln. Auch Bürger sind aufgerufen, ein Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern der Nazi-Herrschaft (und deren Nachkommen) zu setzen und die Aktion mit einer Spende zu unterstützen. Ein Stolperstein kostet 130 Euro. Spenden können mit dem Vermerk "Spende für Stolperstein" auf das Konto der Gemeinde Waldbrunn bei der Kreissparkasse Limburg, IBAN DE43 5115 0018 0022 5500 57 eingezahlt werden. Der genaue Ablauf der Aktion am 4. Mai, zu der alle Interessierten eingeladen sind, wird Mitte April bekannt gegeben. Klaus-Dieter Häring

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