"Wir sind so dankbar, dass wir jetzt mit Mathilda Weihnachten feiern können", sagt Rebecca Schmidt. Dazu gehört natürlich auch Kekse backen mit Schwester Paula (rechts). Fotos: privat

Neuroblastom

Mathilda (6) kämpft sich durch Krebstherapie - Nun fehlt noch ein Schritt

Mathilda aus Waldbrunn-Hintermeilingen hat eine Krebstherapie in Barcelona abgeschlossen. Eine Impfung soll den erneuten Rückfall verhindern.

Hintermeilingen - Fast fünf Monate Immuntherapie in Barcelona liegen hinter der sechsjährigen Mathilda aus Hintermeilingen. 18 Flüge, fünf mal drei Tage mit Antikörpergaben, dazu unzählige Untersuchungen, Spritzen, drei Bluttransfusionen. Und jede Menge Nebenwirkungen. Schmerzen, Hautausschläge, Fieber. Mehrfach sackte der Blutdruck des kleinen Mädchens während der Infusionen ab, mehrfach musste das Notfallteam eingreifen.

Mit vier Jahren wird bei Mathilda aus Waldbrunn-Hintermeilingen Krebs festgestellt

Und dennoch: "Wir sind immer noch der Meinung, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt getan zu haben", sagt Mathildas Mutter Rebecca Schmidt. Die 35-Jährige und ihr Mann Patrick sind zusammen mit ihrer Tochter in den vergangenen Monaten an ihre Grenzen gegangen - und darüber hinaus.

Rückblick: Mathilda ist knapp vier, als im Herbst 2017 ein bösartiger Tumor in ihrem Bauch entdeckt wird. Neuroblastom sagen die Fachleute, einen bösen Stein nennen die Schmidts den Krebs. Und erklären ihrer kleinen Tochter, dass die Chemo-Ritter nun gegen ihn in den Kampf ziehen. Es ist ein langer Kampf, doch Ende 2018 sind keine weiteren Tumorzellen mehr nachweisbar. Wenige Wochen später der Schock: Mathilda hat zwei neue Tumore. Wieder eine OP, wieder Bestrahlungen, aber keine echte Perspektive mehr.

Eine neuartige Antikörpertherapie in Barcelona, die speziell für diesen Krebs entwickelt wurde, soll dem kleinen Mädchen helfen. Der Antikörper markiert die Tumorzellen und zeigt dem Körper so, wo er angreifen muss. Hilfe zur Selbsthilfe, wenn man es so nennen will. Die Familie bittet um Spenden und die Welle der Hilfsbereitschaft ist riesig. Bereits Ende Juni kann Mathildas Therapie in Spanien beginnen.

Waldbrunn: Mathildas Kampf gegen den Krebs - Heiße Phase hat begonnen

Im November nun das Abschlussgespräch: "Kurz und erfreulich" habe der Arzt es genannt, erinnert sich Rebecca Schmidt. Es sind keine bösartigen Zellen nachweisbar. Aber gerade weil Mathilda bereits einen Rückfall hatte, sprechen die Ärzte nicht von Heilung. Noch immer kann sich der Krebs irgendwo verstecken - zwar zu klein, um sichtbar zu sein, aber noch immer nicht besiegt. Jetzt hat die heiße Phase begonnen, in der Mathildas Körper zeigen muss, was er in den vergangenen Monaten gelernt hat.

Für die Schmidts hat nach über zwei Jahren Krebstherapie auch endlich wieder ein Stück Normalität begonnen. "Wir müssen zurück in unser soziales Leben finden", sagt Rebecca Schmidt. Für Mathilda bedeutet das auch, endlich regelmäßig in den Kindergarten gehen zu dürfen. "Ein Vorschulkind", wollte sie so gerne sein. Nun hat sie ein neues Ziel: "Im Sommer ein Schulkind werden."

Waldbrunn: Letzer Behandlungsschritt ist eine Spritze - Nach New York gegen den Krebs

Wenn alle Formalitäten erledigt sind, folgt außerdem bald der nächste - und wenn alles gut geht, letzte Behandlungsschritt. Mathilda wird mehrfach gegen "ihren" Krebs geimpft. Dafür bekommt ihr Körper wie bei jeder Impfung in geringer Dosierung das gespritzt, was ihn krank macht. Doch der Neuroblastom-Impfstoff ist bislang nur in New York verfügbar. Er soll dem Körper der Sechsjährigen helfen, verbliebene Krebszellen selbst zu erkennen und zu vernichten.

Zuerst stehen noch einmal Untersuchungen an, dann die ersten Spritzen, danach müssen die Schmidts nur noch alle zwei bis drei Monate für die nächste Impfdosis über den Atlantik fliegen. Gegenüber den unzähligen Krankenhausaufenthalten der Vergangenheit bedeute das "eine Menge zusätzliche Lebensqualität", sagt Rebecca Schmidt.

Waldbrunn: Hoffnung gegen den Krebs

160.000 bis 180.000 Euro wird die Behandlung in den USA kosten, dazu kommen noch einmal Flüge, Unterkunft, Verpflegung, Gebühren für Pässe, Visa, beglaubigte Übersetzungen der medizinischen Unterlagen - Geld, das die Schmidts dank der unglaublichen Spendenbereitschaft in der Region haben. Und doch: Für eine weitere Antikörpertherapie würde es nicht reichen.

"Wir haben in Barcelona Menschen kennengelernt, die ihr Haus verkauft und ihren Job gekündigt haben, nur damit ihr Kind die Immuntherapie bekommt. Und nun hat das Kind einen Rückfall und sie wissen nicht, wie es weitergeht", erzählt Mathildas Mutter. Zu viele Kinder haben die Schmidts in den vergangenen zwei Jahren kennengelernt, die es nicht geschafft haben. Zu viele Rückfälle haben sie miterlebt. Vor genau einem Jahr galt Mathilda auch als tumorfrei und schon im Januar war der Krebs wieder da.

Mathilda bekommt Immuntherapie gegen den Krebs

Bei allem Glück über den Abschluss der Immuntherapie und darüber, dass es ihrer Tochter gerade so gut geht, sitzt immer die Angst im Nacken. "Freuen mit Handbremse", nennt Rebecca Schmidt das. Doch die Familie hat in den vergangenen zwei Jahren auch gelernt, jeden guten Tag zu genießen. "Wir sind so dankbar, dass wir jetzt mit Mathilda Weihnachten feiern können", sagt Rebecca Schmidt. "Wir sollten die besinnliche Zeit nutzen, um uns ins Gedächtnis zu rufen, wie wichtig Gesundheit, Liebe und Zeit im Leben sind."

Mathilda hat vor kurzem ihrer Mutter erklärt: "Ich habe dir doch gesagt, die Steine sind weg und das bleiben sie jetzt auch." Rebecca Schmidt hält einen Moment inne und dann fügt sie hinzu: "Und genau das hoffen wir jetzt auch."

Leona Michel hat Krebs. Die Ärzte geben der jungen Frau aus Limburg nicht mehr lange. RTL 2 zeigt im TV eine Doku über ihr Leben, die emotional stark bewegt.

In Wehrheim leidet zudem ein 22-Jähriger an Krebs. Im Kampf gegen Leukämie kann nur noch eine Stammzellenspende helfen.

Von Eva Jung

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