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Sparen und gestalten

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Mehr als 300 Einwohner von Waldbrunn wollten die vier Kandidaten für die Waldbrunner Bürgermeisterwahl am 9. März live erleben: Über mangelndes Interesse brauchte sich die Podiumsdiskussion der NNP nicht zu beklagen. In einem fairen Schlagabtausch stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Waldbrunn attraktiver für Neubürger werden kann.

Von Volker Thies

„In Waldbrunn kann man sehr gut Kinder großziehen. Man sieht es an uns vier: Wir sind alle ganz gut geraten.“ Mit diesem Kommentar zur Werbung um Neubürger hatte Peter Blum den Applaus im Fussinger Gemeinschaftshaus auf seiner Seite.

Bei der NNP-Podiumsdiskussion war sich der unabhängige Kandidat mit seinen drei Mitbewerbern auch einig, dass an verstärkten Bemühungen um Neubürger kein Weg vorbei führt. „Auf Baumessen wird man ständig von Vermarktern von Baugebieten angesprochen“, berichtete Thomas Erler (CDU) und forderte: „So offensiv müssen wir auch in Waldbrunn an die Sache herangehen.“ Peter Krahl (SPD) erinnerte daran, dass mit jedem verkauften Bauplatz die Schulden der Gemeinde bei der Hessischen Landgesellschaft sinken.

„Vor allem müssen wir selbst aufhören, das große Baugebiet in der Breitwiese in Lahr schlecht zu reden, wie es manchmal leider geschieht“, mahnte Krahl. Der unabhängige Bewerber Rüdiger Zeiler kann sich eine Attraktivitätssteigerung über den Preis von Bauplätzen vorstellen. Dazu reichten Kleckerbeträge aber nicht aus. Vor allem brauche sich Waldbrunn als Wohnort nicht zu verstecken: „Nahe am ICE-Bahnhof, günstige Preise, kein Fluglärm, ein schönes Erholungsgebiet“, zählte Zeiler auf.

Das Thema „Grundstücke und Ansiedlung“ kam erneut zur Sprache, als Moderator Joachim Heidersdorf, der Redaktionsleiter der Nassauischen Neuen Presse in Limburg, beim Thema Gemeindefinanzen nachbohrte. Dabei standen die Firmenansiedlung und damit verbundene Gewerbesteuereinnahmen im Blickpunkt. Bei diesem Thema wurden unterschiedliche Schwerpunkte der Kandidaten deutlich, die ansonsten häufig übereinstimmten. „Ein Bürgermeister hat die Gelegenheit, Betriebsleiter persönlich kennenzulernen, sie vom Standort Waldbrunn zu überzeugen und Hindernisse für die Ansiedlung auszuräumen“, sagte Thomas Erler. Dabei setze er eher auf Kleinbetriebe als auf einen einzelnen größeren Interessenten. Peter Krahl warnte dagegen entschieden vor „Blauäugigkeit“ und nannte das Gewerbegebiet Fussingen als Beispiel: „Dort haben wir es über zehn Jahre hinweg versucht. Kein Investor hat angebissen. Wir müssen froh sein, dass dort jetzt der Solarpark steht.“ Gewerbeansiedlung sei vielleicht in kleinem Umfang möglich, vor allem aber müsse Waldbrunn sparen.

Zusammenarbeit

„Uns hilft nur ein strikter Sparkurs“, stimmte Rüdiger Zeiler zu. Dazu trage die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden bei. In dieser Hinsicht sei Waldbrunn weiter als viele andere Kommunen. „Wir haben eine gemeinsame Jugendpflegerin mit Merenberg. Hin und wieder unterstützen sich Bauhöfe und Ordnungsämter gegenseitig“, sagte Zeiler. Diese bewährte Praxis gelte es auszubauen. Strikt weigerte Rüdiger Zeiler sich aber, bei Jugend, Vereinsförderung und Seniorenarbeit zu kürzen.

Thomas Erler sagte zu, als Bürgermeister die gesamten Gemeindefinanzen erneut auf den Spar-Prüfstand zu stellen. Peter Krahl befürwortete den bereits diskutierten gemeinsamen Ordnungsamtsbezirk mehrerer Nachbarkommunen. Das dürfe allerdings nicht dazu führen, dass Tempomessungen überhand nehmen. Diese sollten lieber immer wieder an verschiedenen Stellen erfolgen, weil dies den besten Effekt für die Verkehrssicherheit erziele.

Peter Blum hat in Bürgergesprächen erfahren, dass sich viele Waldbrunner mit den Windkraftplänen befassen. „Die möglichen Einnahmen für die Gemeinde sind sicher interessant, aber wir müssen die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen“, forderte er. Die Haltung zur Windkraft fragte auch Gerd Arnold ab, der als Vorsitzender des Nabu Waldbrunn unter den Zuhörern war. Thomas Erler befürwortete zwar den Solarpark und auch den derzeit auf eine Genehmigung wartenden interkommunalen Windpark mit Dornburg und Elbtal. „Aber danach sollten wir darunter erst einmal einen Strich ziehen“, schlug er vor.

Rüdiger Zeiler warb dafür, den Beschluss der Gemeindevertretung für die Windkraftnutzung auch weiterhin zu tragen. „Dabei müssen wir aber darauf achten, so wenig Natur wie möglich zu zerstören“, sagte er. Peter Krahl legte sich fest, dass es mit ihm als Bürgermeister nur eine Windkraftfläche geben werde, und zwar nach Möglichkeit das Areal bei Hausen als Bestandteil des interkommunalen Windparks. „Eine zweite Anlage, wie sie am Pilzberg bei Lahr möglich wäre, wird es unter meiner Führung nicht geben, falls das Vorhaben bei Hausen verwirklicht wird“, versprach Krahl.

Feuerwehren

Neben den Naturschützern waren Feuerwehrleute im Publikum. Gemeindebrandinspektor Stefan Wingenbach fragte nach, wie es mit dem gewachsenen bürokratischen Aufwand für die Feuerwehren, der schrumpfenden Tageseinsatzstärke und einer eventuellen Zusammenlegung der Wehren aussieht. Alle vier Kandidaten sagten zu, dass die Gemeindeverwaltung die Feuerwehren so weit wie möglich von Schreibarbeit entlasten und Feuerwehrleute, soweit gesetzlich zulässig, bei der Einstellung als Gemeindeangestellte bevorzugen wolle. Rüdiger Zeiler wollte eine Zusammenlegung nicht ausschließen, allerdings sei dies wohl eher in 20 Jahren vorstellbar. Auch Thomas Erler wies diesen Gedanken nicht ganz von sich. „Die Initiative dazu müsste aber aus den Feuerwehren selbst kommen.“ Peter Krahl und Peter Blum warben für eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit zwischen den Ortsteil-Feuerwehren, die so lange wie möglich erhalten bleiben sollten.

Ortskerne fördern

Alle Kandidaten kamen auf die Förderung der Ortskerne zu sprechen. Peter Krahl möchte ein Ausbluten der Zentren in Zusammenarbeit mit Banken durch zinsvergünstigte Darlehen für die Haussanierung verhindern. Rüdiger Zeiler setzt auf Förderprogramme des Landes. „Dabei geht es nicht nur um Zuschüsse, sondern auch darum, die Ideen vieler Bürger einfließen zu lassen“, sagte er. Thomas Erler kann sich eine Orientierung am Ortskernprogramm der Verbandsgemeinde Wallmerod vorstellen. „Wenn wir stärker um junge Familien werben, werden sich auch Interessenten für die Sanierung älterer Immobilien in den Ortskernen finden“, zeigte sich Peter Blum überzeugt.

Ein spezielles Ortskern-Thema kam aus dem Publikum: der Dorfplatz in Fussingen. Dazu gab es sowohl Befürworter einer Erneuerung als auch Anwohner, die sich bereits jetzt vom Lärm nächtlicher Gelage belästigt fühlen. In dieser Hinsicht ähnelten sich die Haltungen der vier Kandidaten: Alle möchten über den Ortsbeirat ein Meinungsbild der Fussinger erfragen und stehen zur Unterstützung bereit. „Es muss aber bezahlbar bleiben“, mahnte Peter Krahl. Rüdiger Zeiler regte an, dass Einwohner bei den Arbeiten helfen, um Kosten zu senken.

Allgemeine Zustimmung gab es auf dem Podium für die Pläne, Straßensanierungen in Zukunft nicht mehr durch die Anwohner, sondern über wiederkehrende Beiträge aller Grundstücksbesitzer zu finanzieren. Dass die derzeitige Regelung nicht zielführend sei, zeige sich schon dadurch, dass seit ihrem Inkrafttreten keine einzige Gemeindestraße grundlegend saniert worden sei, sagte Rüdiger Zeiler. Thomas Erler forderte, dass Straßen-, Kanal- und Wasserleitungs-Sanierung sinnvoll zusammengefasst werden. Peter Krahl legte eine überschlagsmäßige Berechnung vor. Nach ersten Erfahrungen anderer Kommunen wäre mit einer Abgabe von 70 bis 100 Euro pro Grundstück zu rechnen. „Damit hätten wir in Waldbrunn fast eine Viertelmillion Euro jährlich für die Straßensanierung. Damit lässt sich eine Menge anfangen.“

(vt)

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