Kritischer Blick auf Blätter und Zweige der pflegeleichten Edelkastanie, die im Mai oder Juni blüht und im Herbst Früchte trägt.
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Kritischer Blick auf Blätter und Zweige der pflegeleichten Edelkastanie, die im Mai oder Juni blüht und im Herbst Früchte trägt.

Esskastanie ist Baum des Jahres 2018

Der Wald, das multifunktionale Refugium

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Die Esskastanie ist der Baum des Jahres 2018. Deshalb pflanzte Hessen-Forst jetzt fünf Exemplare im Kreis – diesmal in der Gemarkung Waldbrunn. Dazu hielt Forstamtsleiter Werner Wernecke ein flammendes Plädoyer für den Wald und seine multifunktionale Nutzung.

Ein Kubikmeter Luft über einer Industriestadt enthalte durchschnittlich 100 000 bis 500 000 Teile Staub und Ruß, über offener Landschaft betrage dieser Anteil 5000, über Wald 500 Partikel, sagt Gerhard Menger von Hessen-Forst. Und damit ist die Bedeutung des Waldes eigentlich schon ausreichend beschrieben. Forstflächen seien lebensnotwendig, betont der Fachmann. Sie schützen und erhalten Boden und Luft und dienen den Tieren als Lebensraum und den Menschen als Erholungs- und Rückzugsort.

Die Nutzung sei vielfältig, die Bewirtschaftung multifunktional, sagt Forstamtsleiter Werner Wernecke von Hessen-Forst. Geachtet und verantwortungsvoll umgegangen wird mit dem Wald trotzdem nicht, weshalb der jährliche Tag des Baumes ein willkommener Anlass sei, ein Plädoyer für den Wald zu halten. An diesem Tag insbesondere für den Baum des Jahres 2018, die Esskastanie, die Forstamtsleiter Werner Wernecke ausführlich vorstellt, ehe fünf junge Exemplare in der Gemarkung Waldbrunn gepflanzt werden. Bürgermeister Peter Blum und weitere Gemeindevertreter aus der Region werden bei dieser Forstarbeit mithelfen.

Doch zuerst kommt die Theorie: Die Esskastanie mit ihrem wuchtigen, häufig im Uhrzeigersinn gedrehten Stamm gehöre zu den eher seltenen Baumarten in Deutschland, sagt Wernecke. Aber der „an sich mediterrane Baum“ habe sich „in den letzten 2000 Jahren ganz gut bei uns zumindest in der wärmeren Lagen Südwestdeutschlands eingelebt“ und wachse auch in kühleren Regionen „zu respektabler Stärke“ heran. Somit könnte dem Forstamtsleiter zufolge die Esskastanie für wärmere Zeiten geeignet sein. Ebenso wie beispielsweise die Douglasie, die ursprünglich wärmere Gefilde gewohnt ist und sich hier dennoch immer heimischer fühlt und daher verstärkt in Wäldern angepflanzt wird.

Dass wärmere Zeiten bevorstehen, ist für Wernecke klar. „Die Klimaveränderung ist nachgewiesen.“ Die Schutzfunktion des Waldes werde daher immer bedeutsamer, weshalb man „den Wald so aufstellen muss, dass die Baumarten zu den neuen Anforderungen passen“. Die Fichte beispielsweise benötige viel Wasser – und das werde ihr hierzulande bisweilen zum Verhängnis. Denn die Fichte ist ein Flachwurzler. Bei heftigen Regenfällen saugt sich das Wurzelwerk voll, und wenn es dann noch heftig stürmt, kippt der Baum um. Zu besichtigen sei das etwa bei jener Fläche, auf die jetzt die fünf jungen Esskastanien gepflanzt werden. Die Fichten, die bis vor kurzem hier am Ortsrand der Waldbrunn-Gemeinde Lahr gestanden hatten, hatte Sturm „Friederike“ im Frühjahr umgemäht. Um derartige Kahlschläge zu vermeiden, könne die Konsequenz nur sein, einen Baum-Mischbestand anzulegen, damit „die Wälder stabil bleiben“. Man müsse zukunftsgerichtet arbeiten. Und da passe die Esskastanie ganz ausgezeichnet, sagt Wernecke. Denn die gilt als „Baum der Zukunft“.

Problematisch ist dem Leiter des Forstamts zufolge aber auch das Verhalten des Menschen in der Natur. Der habe noch immer nicht begriffen, dass aus dem Wald nicht nur Ressourcen herausgeholt werden können, sondern dass auch in den Wald investiert werden muss. So sei nach wie vor zu beobachten, dass Gartenabfälle im Wald entsorgt würden, was längst nicht nur ein ästhetischer Nachteil sei, sondern auch dem austarierten System des Forsts, schade. Die Ausgewogenheit zu erhalten, sei aber auch Aufgabe von Mountainbikern, Reitern und Spaziergängern, sagt Wernecke. Auch von ihnen werde im Wald Rücksicht erwartet.

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