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Waldbrunn: Alte Schule heißt jetzt Walter-Rudersdorf-Haus

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Peter-Josef Mink und Schlossermeister Wolfgang Müller befestigen die gläserne Infotafel am Ellarer Heimatmuseum, das nun den Namen des Gründers trägt.
Peter-Josef Mink und Schlossermeister Wolfgang Müller befestigen die gläserne Infotafel am Ellarer Heimatmuseum, das nun den Namen des Gründers trägt. © Kerstin Kaminsky

Glastafel informiert über die historischen Eckdaten des 1960/61 errichteten zweigeschossigen Baus

Ellar -Vor zwei Jahren begann der Kultur- und Geschichtsverein Ellar in Zusammenarbeit mit Andreas Otto und Florian Dierig von der Glasfachschule Hadamar damit, bedeutende und geschichtsträchtige Plätze und Gebäude des Dorfes, das im 14. Jahrhundert Stadtrechte erhielt, mit informativen und erläuternden Glastafeln zu kennzeichnen, die durch Spenden an den Verein mitfinanziert werden.

Von den insgesamt 13 angedachten Stationen haben inzwischen acht Sehenswürdigkeiten eine entsprechende Infotafel erhalten. Das sind: die mittelalterliche Burgruine, die alte Schmiede, die 1862 erbaute Kapelle mit Gruft der Rudersdorf-Familie, das ehemalige Haus der Dernbacher Schwestern, der noch gut erhaltene Judenfriedhof aus dem 18. Jahrhundert, das Wilhelm-Breithecker-Haus, die als Heimatmuseum genutzte ehemalige Schule sowie der als Hungerturm bekannte mittelalterliche Gefängnisturm des einstigen Landgerichts.

Im Zuge der Hervorhebung als historisch bedeutsamer Ort wurde die alte Schule nun auch umbenannt. Trug das Gebäude seit 1984 in Erinnerung an einen verdienten Ellarer Schullehrer den Namen "Ludwig-Bös-Haus", hatte der Kultur- und Geschichtsverein nach reiflicher Überlegung den Beschluss gefasst, es solle künftig "Walter-Rudersdorf-Haus" heißen.

"Wir freuen uns sehr, dass auch die Gemeindevertreter mit ihrem Beschluss zur Namensänderung unserem Wunsch entsprochen haben", sagt Peter-Josef Mink vom Vereinsvorstand. So lautet die Inschrift der Tafel nun "Heimatmuseum Alte Schule im Walter-Rudersdorf-Haus", gefolgt von Eckdaten zur Geschichte des 1960/61 errichteten zweigeschossigen Baus, in dem mehr als hundert Jahre lang die Mädchen und Jungen des Ortes unterrichtet wurde.

Nach mehrjährigem Leerstand zog 1985 die Sozialstation der Caritas ins Erdgeschoss ein. Parallel richtete der Heimatforscher Walter Rudersdorf zusammen mit dem von ihm ins Leben gerufene Kultur- und Geschichtsverein Ellar in der oberen Etage das kulturgeschichtliche Heimatmuseum ein. Die komplette heimatgeschichtliche Sammlung des Walter Rudersdorf einschließlich einem großen Schatz an Büchern und Dias fand in der ehemaligen Schule eine neue und würdige Heimat.

Ein Gefangener im Hungerturm

"Hier ist wirklich alles zu finden, was für Ellar selbst und auch für die benachbarten Dörfer von großem Wert ist", schwärmt Mink. Deshalb sei es durchaus angebracht und sinnvoll, dass das Gebäude selbst nun mit dem neuen Namen die Lebensleistung von Walter Rudersdorf würdigt. Dessen unermüdlichem Einsatz sei es übrigens auch zu verdanken, dass viele historische Stätten Ellars erhalten blieben.

"Von der Burg und der Schmiede kennen wir viele historische Details, und einiges davon ist auch auf den Glastafeln nachzulesen", erklärt Mink. Anders sei es bei dem in die Stadtmauer eingelassenen Hungerturm.

Hier ist lediglich von einem einzigen Gefangenen der Name überliefert. Warum und wie lange jener Reinhard Schottenson, der 1413 in das fluchtsichere Verließ gesperrt wurde, dort bleiben musste, ist nicht bekannt. Was man allerdings weiß und heute noch sehen kann, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Denn der einzige Zugang zu dem Gefängnisturm war eine gerademal 40 mal 60 Zentimeter kleine Öffnung, die bezeichnenderweise "Angstloch" genannt wurde. Wer in dem Turm als Häftling einsaß, musste sich also im wahrsten Sinne des Wortes eingemauert fühlen.

"Es wäre sicher spannend, in alten Gerichtsakten mehr zu damaligen Prozessen und Urteilen zu recherchieren", findet Mink.

Projekt unterstützen

Wer sich finanziell an dem Projekt der Infotafeln beteiligen möchte, kann eine Spende auf folgendes Konto des Kultur- und Geschichtsvereins bei der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg überweisen: IBAN DE31 5709 2800 0020 0405 05.

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