Die Heiligen drei Könige aus Asien, Afrika und Europa stehen für die Internationalität des Weihnachtswunders.
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Die Heiligen drei Könige aus Asien, Afrika und Europa stehen für die Internationalität des Weihnachtswunders.

Weihnachtsgeschichte

Waldbrunn: Die biblische Geschichte in Bildern

Die Krippe der Familie Graumann mit 46 Figuren lebt von Symbolik

Hintermeilingen -Weihnachten ist Krippenzeit. Alle, die mit der christlichen Botschaft in Berührung kommen, möchten den alten Brauch der Darstellung von der Geburt Jesu nicht missen. In diesem besonderen Jahr diverser Einschränkungen werden stimmungsvolle Krippen schon mal früher in die Wohnzimmer geholt. Bei Familie Graumann in Hintermeilingen ist das schon immer so.

"Die Weihnachtszeit beginnt bei uns nicht erst am 24. Dezember. Unsere Freude auf das große Ereignis beginnt, wenn wir vor dem ersten Advent ein Dutzend Kisten aus dem Keller holen", sagt Wolfgang Graumann. Die Krippe der Westerwälder Familie ist für eine Hauskrippe ungewöhnlich groß. Auf fast drei Quadratmetern gruppieren sich 46 Figuren, die mit ihrer Größe von jeweils 30 Zentimetern eine Augenweide darstellen.

"Auf die Idee für diese Krippe kamen wir vor 22 Jahren, als wir einige dieser Figuren zum ersten Mal in einem Limburger Schaufenster sahen", erzählt Ehefrau Monika. "Auf einer Fachmesse in Frankfurt haben wir später zufällig einen Aussteller aus dem oberbayerischen Waldkraiburg getroffen, der diese sehr schönen Figuren zum Kauf angeboten hatte", berichtet sie weiter, und Wolfgang Graumann ergänzt: "Der Ursprung ihrer Herstellung reicht bis 1908 in Südtirol zurück."

Zuerst zog der Stall mit der Heiligen Familie bei Graumanns ein; denn die Anschaffung war nicht gerade billig. "Dann haben wir jedes Jahr etwas dazugekauft; eine Figur kostet über hundert Euro", sagt der Hausvater, der mit Sohn Raphael zwei Tage braucht, bis alle wieder auf ihrem angestammten Platz stehen und die detaillierte Beleuchtungstechnik störungsfrei funktioniert.

In mühevoller Handarbeit werden Holzstöße aufgesetzt, der Jakobsbrunnen und ein Lagerfeuer gebaut. Graumann besorgt Stroh und holt im Wald Moos, Wurzeln und andere Naturmaterialien. Eine Palme deutet auf die orientalische Landschaft hin. Ochs und Esel, die in den uralten Schriften zwar nicht erwähnt werden, bevölkern seit Beginn der Krippenbräuche den Stall zu Bethlehem und dürfen auch bei den Graumanns nicht fehlen.

Hirten überbringen Opfertiere

Ihre Krippe lebt von Symbolik und erzählt ohne Worte. Nach dem Willen der Familie soll die Weihnachtskrippe dem Betrachter auf eine sichtbare Art die biblische Geschichte näher bringen. Hierzu wechseln - dem zeitlichen Ablauf des Weihnachtsevangeliums folgend - die Darstellungen von Einzelfiguren und Gruppen. "Die Krippe ist eine Bibel in Bildern", sagt Wolfgang Graumann, der sie ausnahmsweise für das Pressefoto in ihrer Vollendung aufgebaut hat.

In dieser Hauskrippe werden die Hirten in unterschiedlichem Alter dargestellt und tragen bestimmte Namen. Da ist Misael, der 20-jährige Hirtenjüngling: Achad, der in der Mitte des Lebens mit einem geschulterten Lamm zu sehen ist; Chyriakus mit Glatze und weißem Bart, jenseits der 60 vertritt er Menschen im letzten Lebensabschnitt. Damit symbolisieren sie die verschiedenen Altersgruppen, die die Heilige Nacht miterlebten. Sie überbringen Opfertiere in Form von Schafen und Lämmern oder huldigen mit ihren Instrumenten dem göttlichen Kind.

Kamel als Zeichen der Genügsamkeit

Die symbolträchtigsten und auch faszinierendsten Figuren sind die drei Weisen, die in der Bibel als Magier, Astrologen, Wissenschaftler und seit der Gotik auch als Könige bezeichnet werden. Sie stehen für die Internationalität des Weihnachtswunders und der Kulturen, die die Familie Graumann auf vielen Reisen kennengelernt haben. Diese Könige und ihre Gefolge bilden den aufwendig gestalteten, prachtvollen Widerpart zu dem bodenständigen armen Hirtenvolk und stehen für die drei damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa samt ihrer dort lebenden typischen Tiere.

Mit den Königen und ihrem prunkvollen Zug huldigt nach damaligem Verständnis die ganze Welt dem neugeborenen Gottessohn. Allein der Elefant bringt fünf Kilogramm auf die Waage und steht für Kraft, Weisheit und Glück. Das unverwüstliche Kamel, das sich in dem Ensemble mit drei Kilo zufrieden geben muss, verkörpert Genügsamkeit und ein gutes Gedächtnis. Das Pferd drückt Stolz und Würde aus.

Viele weitere Szenen, die sich in der Bibel wiederfinden, gibt es in Graumanns Krippe zu entdecken. Den Hahn zum Beispiel, als Gabe der Hirten, der beim Anbruch des Tages eine neue Zeit verkündet, weist auf die spätere Verleugnung des Gottessohnes durch Petrus hin.

"Wir wollen mehr ausdrücken als eine sentimental-traditionelle Weihnachtsdeko", ist sich die im Glauben verwurzelte Westerwälder Familie einig. Gerade in unserer heutigen, wenig trostreichen Zeit biete der Ablauf des Weihnachtsfestes mit den alten, immer wieder schönen Bräuchen eine gute Gelegenheit zur Besinnung und zur Wiederentdeckung von Werten, die es verdient haben, über das Heute hinübergerettet zu werden.

Dieter Fluck

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