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Waldbrunn: Gegen Fachkräftemangel hilft Wertschätzung

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Von: Anken Bohnhorst

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Einen Mangel an Fachkräften fürchtet Bäckermeister Stefan Simon aus Ellar nicht. Er „pflege“ seine Mitarbeiter, sagt er. Das zahlt sich aus.
Einen Mangel an Fachkräften fürchtet Bäckermeister Stefan Simon aus Ellar nicht. Er „pflege“ seine Mitarbeiter, sagt er. Das zahlt sich aus. © Anken Bohnhorst

Ministerium zeichnet Bäckerei Simon aus

Ellar -Motivation, Qualitäts- und Verantwortungsbewusstsein, das sind die „Zutaten“, mit denen Bäckermeister Stefan Simon sein Team versorgt. Der Einsatz lohnt sich. Sein Betrieb hat die schwierige Zeit der Pandemie überwunden, und auch für die Zukunft sieht er sich gerüstet. Für sein „bemerkenswertes Engagement im Bereich der Fachkräftesicherung“ ist Stefan Simon nun vom Hessischen Sozialministerium ausgezeichnet worden.

Die Gewinnmarge in der Backwaren-Branche schrumpft, die Wertschätzung für die Produkte ebenfalls. Im Wachstum begriffen ist allenfalls der Mangel an Fachkräften. So ist die Lage, sagt Stefan Simon, gelernter Konditor, Bäckermeister, Betriebswirt des Handwerks und Inhaber eines Unternehmens mit 165-jähriger Geschichte. Zuversichtlich ist der 57-Jährige dennoch. Man muss die Mitarbeiter „pflegen“, sagt er. Zum Beispiel, indem man sehr individuell auf deren Lebenssituation eingeht und diese zu berücksichtigen versucht; wie lassen sich etwa Kindergarten- und Schulzeiten oder Pflege und Betreuung der Eltern mit dem Arbeitseinsatz vereinbaren?

Natürlich geht es auch um Geld, um Sozialleistungen, die „nicht in Stein gemeißelt sind“, aber eben doch angemessen und attraktiv. Nur, wichtiger ist, dass sein Betrieb familienfreundlich ist, sagt Stefan Simon. Er beschäftigt 155 Mitarbeiter, beliefert 19 Verkaufsstellen und hat vor einigen Jahren ein Café im nahe gelegenen Dorchheim eröffnet.

Auf seine Mannschaft könne er sich verlassen, sagt der Bäckermeister. Vor dem steigenden Fachkräftemangel hat er keine Angst, weil er erfahrene Leute habe, die gerne arbeiten und die ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben. Auf die jungen Beschäftigen in seinem Betrieb wirke diese Wertschätzung wie ein Motivations-Treibmittel. Stefan Simon ist überzeugt: Sie sind bereit, „in die Verantwortung zu springen“ und die frei werden Positionen der ausscheidenden Fachkräfte zu übernehmen. Dass dieser Übergang funktioniert, ist Simon zufolge der Beweis für die Leistungsbereitschaft des Teams.

Schwierig, aber nicht ausweglos

Freilich komme es ebenfalls auf die hohe Qualität der Produkte an, auf den „hohen Vitalanteil“ im Brot, auf die Güte des dreistufigen Sauerteigs und darauf, dass „wir im süßen Bereich genauso top sind“. Außerdem kooperiert Bäcker Simon mit einem Landwirt, der für die Bäckerei den Dinkel anbaut. Das alles habe sich herumgesprochen, weshalb er selbst die schwierige Zeit der Corona-Pandemie überstanden hat. 18 Mitarbeiter aus der Produktion, der Chef eingeschlossen, erkrankten im Mai vergangenen Jahres an Covid; ein Mitarbeiter erlag dem Virus. Unendlich schwer und traurig sei das gewesen, erzählt er. Aber nicht ausweglos.

Denn als er fast an den Punkt gelangt war, dass er seine Backstube vorübergehend zusperren musste, sprangen zwei befreundete Betriebe aus der Region ein, übernahmen Arbeitsprozesse und halfen der Bäckerei Simon durch die Krise. Unmittelbar nachdem die Kollegen aus Elz und Westerburg von seiner Misere gehört hatten, meldeten sie sich und boten ihre Unterstützung an. Auch andere Unternehmen fragten an, wie sie Stefan Simon weiterhelfen könnten. Das sei eine „positive Erfahrung in einer negativen Zeit“ gewesen.

Von selbst habe sich das alles nicht entwickelt und gefügt, sagt Bäckermeister Simon. Sein Unternehmen hat eine lange Tradition und er hat eine Familie, die ihn unterstützt. Dennoch: Auf die Auszeichnung des Hessischen Sozialministeriums ist er stolz.

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