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Historischer Fund im Kreis Limburg-Weilburg: Links ist ein sichtbarer Rest der Stadttormauer. Rechts ist das Fundament des gegenüber liegenden Tors freigelegt.

Expertenteam vor Ort

Sensationsfund: Jahrhundertealtes Bauwerk an überraschender Stelle entdeckt

  • vonKlaus-Dieter Häring
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Begeisterung im Kreis Limburg-Weilburg: Bei Renovierungsarbeiten gab es einen sensationellen historischen Fund. Ein jahrhundertealtes Bauwerk wurde entdeckt.

Waldbrunn – "Das ist eine Sensation". Euphorisch zeigten sich die Mitglieder des Ellarer Kultur- und Geschichtsvereins, als die Nachricht von historischen Funden in Ellar (Gemeinde Waldbrunn, Kreis Limburg-Weilburg) die Runde machte. Hintergrund dieser Begeisterung waren Mauerreste, die bei den Renovierungs- und Baggerarbeiten im Eingangsbereich der Kirchstraße gefunden wurden. "Als uns diese Funde gemeldet wurden, haben wir sofort einen Baustopp veranlasst und die entsprechenden Behörden informiert", sagt Bürgermeister Peter Blum (parteilos).

Das war auch dringend notwendig, denn wird ein derartiger Fund ignoriert oder nicht gemeldet, droht eine hohe Geldstrafe. Die für die Kirchstraße zuständige Behörde ist das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden, das auch sofort ein Expertenteam der Firma AAB (Archäologische Ausgrabungen und Bauprojektbetreuung) an den Fundort schickte und für zwei Tage die Arbeiten an der Straße aussetzen ließen. Die Experten wurden dann auch schnell fündig, an einer Stelle, die im Dorf selber bekannt war als "dass hier was ist", so ein Mitglied des Ellarer Vereins. "Doch wo genau was war, wussten wir nicht".

Kreis Limburg-Weilburg: Historischer Fund in Waldbrunn ist „Sensation“

Tatsächlich hatte man diese Stelle nicht vermutet. Denn die Fundstelle befindet sich außerhalb der Stadtmauer. Die Ellarer Stadtmauer ist heute nur noch am Eingang zur Kirchstraße zu entdecken. Der andere Teil der Mauer wurde 1898 abgerissen. Das Fundament dieser abgerissenen Mauer wurde nun durch die Mitarbeiter der Firma AAB freigelegt.

Ab dieser Mauer bearbeiteten die Experten das Erdreich, in dem später die neuen Rohre der Kanalisation und weitere Versorgungsleitungen verlegt werden, auf einer Länge von fast 20 Metern. Nicht mit großen Baggern, wie dies die Mitarbeiter der Straßenbaufirma machen, sondern mit kleinen Kellen und Pinseln, um auch jedes kleine historische Teil zu finden. Es gab auch zahlreiche Keramikscherben, "Thalheimer Scherbe", und eine Keramikfliese zu finden. Am wichtigsten waren aber die umfangreichen Bodendenkmäler wie ein Steingewölbe, das freigelegt wurde.

Historischer Fund im Kreis Limburg-Weilburg: Steinerne Brücke am früheren Stadttor

Bei dem gemauerten Steingewölbe mit massiven Widerlagern handelt es sich den Fachleuten zufolge um eine steinerne Brücke, die dem ehemaligen Stadttor vorgelagert war. Brückenteile wurden vom Expertenteam auf einer Länge von 3,50 Meter freigelegt. Sie dürften aus der Zeit nach der Stadtrechtsverleihung am 10. Juli 1372 durch Kaiser Karl IV stammen, als die Grafen von Katzenelnbogen damit begannen, ihre neu gegründete Stadtsiedlung zu befestigen. Die Zeit lässt sich recht gut einschätzen, ist doch der am gefundenen Bauwerk genutzte Mörtel, so genannter "Laacher See Thefra", aus eben diesem Zeitraum.

Jahrhundertelang lag dieses Bauwerk im Boden verschüttet, wird aber jetzt vom Landesamt für Denkmalpflege archäologisch herauspräpariert, vermessen und fachlich dokumentiert. Die im Grabenschlick unter dem Gewölbebogen gefundenen Holzbalken sollen dendrochronologisch untersucht werden und so Hinweise auf ein früheres Bauwerk und damit auch auf die Anfänge der Siedlungsgeschichte an diesem Ort am Lasterbach ermöglichen. Es ist anzunehmen, dass diese Gewölbebrücke zu den ältesten ihrer Art im Kreis gehört. Die alte Lahnbrücke in Limburg beispielsweise wurde 1354 fertiggestellt. Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten wird die historische Fläche in absehbarer Zeit wieder verfüllt werden. Doch weitere Ausgrabungen sind möglich. (Klaus-Dieter Häring)

Immer wieder kommen bei Arbeiten in Hessen historische Fundstücke zutage. So auch bei einer Bohrung im Kreis Groß-Gerau. Dort entdeckten Forscher ein drei Millionen Jahre altes Objekt. Sie bezeichnen den Fund als „erstaunlich“. Ein spektakulärer Fund gelang auch Archäologen in Nürnberg. Sie fanden bei einer Ausgrabung eine 3000 Jahre alte Siedlung. Die war damals schon etwas Besonderes. (Klaus-Dieter Häring)

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