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Waldbrunn: Mit Formeln und Atomen kennt sie sich aus

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Greta Müller mit dem Zertifikat, das für hervorragende Leistungen im Erfinderlabor auszeichnet
Greta Müller mit dem Zertifikat, das für hervorragende Leistungen im Erfinderlabor auszeichnet © Kerstin Kaminsky

Greta Müller wird wegen ihrer guten Leistungen für das Erfinderlabor ausgewählt

Fussingen -Ein Großteil aller Schüler wird vermutlich froh sein, von Mathematik und Chemie nun ein paar Ferienwochen lang nicht mehr hören zu müssen. Nicht so Greta Müller aus Fussingen. Bei der 19-Jährigen, die gerade ihr Abitur mit Bestnote an der Fürst-Johann-Ludwig Schule bestanden hat, beginnen die Augen zu leuchten, sobald von Formeln, Atomen und Molekülen die Rede ist. Um Gretas Leidenschaft für die naturwissenschaftlichen Fächer noch zu steigern, hatte die Schule sie für die Teilnahme am Hessischen Erfinderlabor vorgeschlagen.

"Unter den insgesamt 169 Bewerbungen wurden nur acht Jungen und acht Mädchen tatsächlich ausgewählt", erzählt sie. Auf Einladung des Zentrums für Chemie in Bensheim durfte sie sich eine Woche lang an der Universität Marburg und bei dem Heiztechnikspezialisten Viessmann mit dem Potenzial von erneuerbaren Energien befassen.

Speicherung von Wasserstoff

In vier paritätisch besetzten Arbeitsgruppen stand die Frage im Mittelpunkt, wie man mit innovativen Technologien eine sichere Energieversorgung ermöglichen und eine friedliche Zukunft gestalten kann. In diesem Sinne beschäftigten sich die vier Teams in Experimenten mit je einer bestimmten Aufgabe rund um die Wasserstoff-Technologie.

"Unser Thema war die Wasserstoffspeicherung in Metallhydriden", berichtet Greta. Für den Laien ist es kaum vorstellbar, dass sich in die winzigen Lücken der atomaren Gitterstruktur von Metall tatsächlich Wasserstoff einlagern lässt. "In unserem Versuchen haben wir die Speicherkapazität von einem Palladium-Stick mit der einer gleichgroßen leeren Gasflasche verglichen", blickt sie auf eines der Experimente zurück. Der Unterschied sei frappierend gewesen. Das Metall konnte erheblich mehr speichern, als die Flasche. "Um das zu veranschaulichen, haben wir den gespeicherten Wasserstoff in Luftballons abgelassen", erklärt Greta.

Auch wenn die Veranstaltung Erfinderlabor hieß, so sei von Greta Müller und den anderen Teilnehmern nicht wirklich etwas erfunden worden. Vielmehr sei es darum gegangen, das bearbeitete Thema in einer Abschlusspräsentation möglichst allgemeinverständlich zu erläutern. "Metallhydridspeicher für den zunächst gasförmigen Wasserstoff werden bereits in U-Booten oder Passagierschiffen eingesetzt", weiß die 19-Jährige. In Lastwagen sei dieses Verfahren jedoch durch das hohe Gewicht nicht rentabel. Deshalb lohne es sich, hier weiter zu forschen. Eventuell fänden sich ja leichtere Metalle, die sich ebenfalls für die Speicherung eignen.

Auch wenn sich Greta für solche Problematiken erwärmen kann, so ist die Naturwissenschaft doch nicht ihr einziges Steckenpferd. Die Älteste von vier Geschwistern gehört schon seit früher Kindheit der LG Dornburg an und ist eine begeisterte Langläuferin. Zudem trainiert sie die Bambini, ist Jugendsprecherin des Vereins und hat sich zur Kampfrichterin ausbilden lassen. Dass sich ihr Engagement bei den Leichtathleten mit dem angestrebten Studium nicht vereinbaren lässt, findet sie schade. "Aber ich bin ja schließlich nicht ganz weg", tröstet sich Greta.

Von Männern dominierter Sektor

An fünf Universitäten hat sie sich um einen Chemie-Studienplatz beworben und auch bereits Zusagen erhalten. Allerdings noch nicht von ihrem Favoriten, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Ein Grund zur Nervosität sei das für die Einser-Abiturientin nicht. "Die Zusage wird schon noch kommen", zeigt sie sich zuversichtlich. Ob Greta sich später mal auf Umweltchemie oder einen anderen Fachbereich spezialisieren möchte, möchte sie erst nach dem Bachelor festlegen.

Auch wenn immer mehr Frauen im MINT-Sektor (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) forschen, so ist dieser Bereich doch trotzdem noch ziemlich männerdominiert. So waren alle Doktoranden, die Greta in ihrer Arbeitsgruppe an der Uni Marburg kennenlernte, ebenfalls männlich. "Ich habe im Unterricht mal eine Rede über das finnische Schulsystem gehalten, und ich glaube, auch in der Forschung haben es Frauen in Skandinavien einfacher", sagt die 19-Jährige. Aber schließlich kann sich das auch bei uns nur verändern, wenn es solch mutigen und leistungsstarken Schulabgängerinnen gibt, wie Greta Müller.

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