Fast wie das Original: Marke, Modell und Farbe stimmen mit dem Unfallfahrzeug überein, sagt Detlef Walther. Die alte Maschine hatte einen Totalschaden erlitten.
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Fast wie das Original: Marke, Modell und Farbe stimmen mit dem Unfallfahrzeug überein, sagt Detlef Walther. Die alte Maschine hatte einen Totalschaden erlitten.

Schweren Unfall gut überstanden

Waldbrunn: Schutzengel gesucht

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Detlef Walther will sich bei seinem Retter bedanken, kennt ihn aber nicht

Hintermeilingen -Er kam, sah, leistete Erste Hilfe, und als wenige Minuten später die Sanitäter und der Notarzt an der Unfallstelle eintrafen, stieg er in sein Auto und fuhr davon. Mehr weiß Detlev Walther nicht über den Mann, der ihm an jenem Mittwochnachmittag im Juni rettete. "Er war einer meiner Schutzengel", sagt er. Der einzige, bei dem er sich bislang nicht bedanken konnte, weil ihn niemand kennt, weil er nicht aus der Gegend ist und weil er keine Nachrichten in den sozialen Kanälen zu konsumieren scheint. Denn auch dort hat Detlef Walther sich nach seinem Schutzengel umgesehen.

Fest steht, dass der Ersthelfer am späten Nachmittag des 16. Juni kurzzeitig auf derselben Route unterwegs war wie Detlef Walther. Der hatte sich einen Tag vor seinem geplanten Urlaub auf sein Motorrad geschwungen, um an der Tankstelle in Ellar zwei Benzinkanister zu befüllen, diese am Gepäckträger zu befestigen und nach Hause zu transportieren. Kurz vor dem Ortsschild seiner Heimatgemeinde Hintermeilingen wollte er rechts abbiegen, erzählt Walther. Was dann geschah, wird im Polizeibericht so beschrieben: Der "Motorradfahrer wurde von hinten von einem betrunkenen Pkw-Fahrer umgefahren und verletzte sich dabei schwer."

Der Autofahrer hatte das Abbiegemanöver des Bikers zu spät bemerkt und krachte in das Heck des Zweirades. Dass die randvoll gefüllten Benzinkanister nicht explodierten, sei dabei nur eines der Wunder gewesen, sagt Detlef Walther. Dass er ins Bundeswehrzentralkrankenhaus nach Koblenz geflogen und dort nicht mehr als ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, zahlreiche massive Prellungen und Schürfwunden diagnostiziert wurden, wegen derer er einige Tage stationär behandelt wurde, ist für ihn ein weiteres Wunder.

Und dann ist da eben immer noch der Schutzengel, sagt Walther. Der Ersthelfer, der ihn gemeinsam mit anderen Rettern auf den Grünstreifen am Straßenrand getragen und ihm vorsichtig den Helm abgenommen habe, und der dann aus seinem Auto eine Halskrause geholt und sie dem Verletzten angelegt habe.

Möglicherweise war er Arzt oder Sanitäter

Außerdem hatte jener Mann ein Blutdruckmessgeräte dabei und einen Apparat, um den Sauerstoffgehalt des Blutes zu ermitteln, erinnert sich Detlef Walthers Frau Monika. "Er war vom Fach. Er wusste auf jeden Fall, was zu tun ist." Möglicherweise ist er selber Arzt oder Sanitäter, mutmaßt sie. Gesprochen habe sie nicht mit ihm. Schließlich stand sie unter Schock. Ihr Mann war in einen schweren Unfall verwickelt. Nichts anderes beschäftigte Monika Walther in diesen Momenten. Einige Wochen später, als ihr Mann längst wieder Zuhause ist und sich erholt, sagt sie, "wir würden uns einfach gerne bedanken". Bei den Ersthelfern aus dem Ort ist Detlef Walther längst gewesen, hat Blumensträuße und flüssige Geschenke überreicht.

Er sagt: "Ich sehe es in dieser neuen digitalen und hektischen Welt nicht mehr als selbstverständlich an, dass Menschen helfen." Er sei dankbar, es gehe ihm wieder gut. Es gelinge ihm, auch die psychischen Folgen, die Erinnerungen und Eindrücke des Unfalls zu verarbeiten. Nur sein Kleinkraftrad, eine historische Zündapp KS 50 "Superspeed" hat einen Totalschaden erlitten. Zu viele Details der Maschine sind beschädigt oder zerstört. Die Reparatur würde sich auf 5000 bis 6000 Euro belaufen. Vielleicht findet er eine vergleichbare Maschine, die ihm die notwendigen Ersatzteile liefert, sagt Walther. Und vielleicht findet er auch irgendwann seinen Schutzengel.

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