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Waldbrunn: Sich vor den Opfern der NS-Zeit verneigen

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Von: Klaus-Dieter Häring

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er Künstler und Ideengeber der Stolpersteinaktion Gunter Demnig ließ es sich nicht nehmen, persönlich die 17 Stolpersteine in Waldbrunn zu verlegen.
er Künstler und Ideengeber der Stolpersteinaktion Gunter Demnig ließ es sich nicht nehmen, persönlich die 17 Stolpersteine in Waldbrunn zu verlegen. © Klaus-Dieter Häring

Der Künstler Gunter Demnig verlegt 17 Stolpersteine in Erinnerung an ermordete jüdische Mitbürger

Waldbrunn -Nun sind auch in Waldbrunner Gemeinden Stolpersteine zu finden, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Auf Initiative von Dr. Peter-Josef Mink wurde diese Aktion an gleich vier Stellen in Waldbrunner Gemeinden durchgeführt. Der Künstler und Ideengeber der Aktion, Gunter Demnig, war gekommen, um die Stolperstein zu verlegen.

Es war ein würdiger Rahmen für einen Anlass, der gerade in einer Zeit durchgeführt wurde, in der in Europa Krieg herrscht. Unter den vielen Gästen waren auch Angehörige der jüdischen Familien, an die erinnert werden soll, Vertreter der Gemeinde, darunter Bürgermeister Peter Blum, eine große Abordnung der Religionskurse der St. Blasius-Schule in Frickhofen mit Lehrerin Anne Keßler sowie der evangelische Pfarrer Johannes Jochemczyk.

Sie alle wurden begrüßt von Dr. Peter-Josef Mink, der passende Worte zu diesem Ereignis fand. Er erinnerte daran, dass von der ehemaligen jüdischen Gemeinde allein der Jüdische Friedhof am Ortsrand von Ellar zeugt. Die frühere Synagoge mit der Judenschule in Ellar - heute Hintermeilinger Straße Ecke Oberstraße - existiert nicht mehr. Baufällig geworden, wurde sie in der Nachkriegszeit abgerissen. In Ellar gibt es aber noch drei Häuser, in denen jüdische Familien bis zum Jahr 1938 wohnten, und in Hausen steht ein Haus, in dem die Familie Heimann und Sabina Liebmann lebten. Diese vier Lebensorte wurden nun mit Stolpersteinen markiert, für jede Bewohnerin und jeden Bewohner einer.

Die Stolpersteine sind Aufmerksamkeitsmarker, die beim Gang durchs Dorf auf dem Bürgersteig sichtbar sind. Den kleinen Gedenktafeln auf dem Boden kann man nicht ausweichen. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben worden sind. Die Stolpersteine fordern dazu auf, stehen zu bleiben, sich zu bücken, zu verneigen, um zu erfahren, wer diese Menschen waren.

Passende Worte fand auch Bürgermeister Peter Blum, der sich erfreut und dankbar zeigte, dass so viele junge Menschen der Mittelpunktschule St. Blasius diesen Tag begleiteten, "und uns mitteilen, wie sie sich dem Thema in den vergangenen Wochen angenähert und mit was sie sich beschäftigt haben". Gedankt wurde außerdem den Gremien der Gemeinde und den Mitarbeitern des Bauhofs, die diese Aktion jederzeit unterstützten.

Einen kleinen Rückblick auf diese Aktion gab der Künstler. Gunter Demnig erinnerte an die Idee vor 30 Jahren und an den ersten Stein am 16. Dezember 1992. Mittlerweile wurde in der vergangenen Woche in Penzberg Stein Nummer 90 000 verlegt. Demnig macht weiter, trotz dreier Morddrohungen, und musste sogar sein Mitarbeiterteam um drei Personen auf jetzt elf Mitarbeiter erweitern. "Wir freuen uns über jeden Stein, jeden Ort, der dazukommt", sagte er. Nun sind in Ellar in der Steinbacher Straße, der Oberstraße und der Unterstraße sowie in Hausen in der Langstraße 17 Stolpersteine in Erinnerung an Menschen verlegt worden, die dort bis zu ihrer Flucht oder der Deportation in die nationalsozialistischen Vernichtungslager wohnten.

Die Gemeinde Waldbrunn unterstützt die Stolpersteinverlegung durch die Bereitstellung finanzieller Mittel. Die Organisatoren der Aktion würden sich aber freuen, wenn auch Bürger aus Waldbrunn oder anderen Orten diese Aktion mit einer Spende unterstützten. Ein Stolperstein kostet 130 Euro. Spenden können mit dem Vermerk "Spende für Stolperstein" auf das Konto der Gemeinde Waldbrunn bei der KSK Limburg, IBAN: DE 43 5115 0018 0022 5500 57 eingezahlt werden.

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