Ein Höhepunkt des Abends: Anna-Lena Wallenfels entführte das Publikum ins "Cabaret".
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Ein Höhepunkt des Abends: Anna-Lena Wallenfels entführte das Publikum ins "Cabaret".

Zauberhafte Atmosphäre auf der Burg

Waldbrunn: Starke Stimmen unter freiem Himmel

  • VonRobin Klöppel
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Gesangsschüler der Siegbrunn Musiktheater Akademie sorgen für einen unvergesslichen Abend

Ellar -Zu einem Open-Air-Konzert hatte die Siegbrunn Musiktheater Akademie aus Langendernbach auf die Ellarer Burg eingeladen. In dieser zauberhaften Atmosphäre konnte es für die zahlreich erschienenen Gäste nur ein schöner Abend werden. Denn auch das Wetter hielt, und die Gesangsschüler von Kammersänger Erwin Stephan agierten auf für Nicht-Vollprofis hohem Niveau. Es gab über drei Stunden lang ein buntes Programm von Oper über Operette bis Musical, Disney- und Bond-Melodien sowie Pop und Schlager.

Dass es nicht immer der höchsten Opernkunst bedarf, um ein Publikum mitzureißen, zeigte sich beispielsweise bei Udo Jürgens Evergreen "Griechischer Wein", bei dem die zahlreich erschienen Gäste textsicher den Refrain mit Martin Wingenbach mitsangen und rhythmisch klatschten.

Erwin Stephan berichtete: "Es war harte Arbeit, so eine Show auf die Beine zu stellen". Um so glücklicher sei er nachher gewesen, als Gäste ihm gesagt hätten, dass das das Beste gewesen sei, was sie in Ellar je erlebt hätten, Was neben den guten Stimmen auffiel: alle Mitwirkenden versuchten ihre Werke auch szenisch stimmig umzusetzen. Rüstzeug eben, das man für eine Opern-, Operetten- oder Musicalinszenierung auch braucht.

Natürlich sind die Leistungsstände der Stephan-Schüler unterschiedlich, doch hörenswert waren sie alle. Manch einer klang schon so professionell, dass er darüber nachdenken könnte, das liebgewonnene Hobby zum Beruf zu machen. So wie der junge Tenor Marco Orschler, der gleich zum Auftakt mit "Ich lade mir gern Gäste ein" aus "Die Fledermaus" das Publikum mitzureißen verstand. Orschler hatte auch "Wie eine Rosenknospe" aus "Die lustige Witwe" und "Maria lies" aus dem Musical "West Side Story" im Gepäck, die er mit seiner kräftigen und klangvollen Stimme hervorragend umzusetzen wusste.

Ein stimmlicher Höhepunkt des Abends war unzweifelhaft auch Anna-Lena Wallenfels, die bei "Love never dies" aus dem Musical "Phantom der Oper", "Mein Herr" aus Cabaret" sowie dem wahrlich nicht einfach zu singenden "Wer bin ich Gott" aus dem Musical "Die Päpstin" nachwies, dass sie sich auf professionellem Niveau bewegen kann.

Auf einem guten Weg befindet sich auch Josefine Heimbach, deren Mut man anerkennen muss, sich schon bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt an Melodien aus "Cats" und "Les Miserables" heranzuwagen. Und wer seine Sache bei seiner Premiere schon mehr als nur halbwegs ordentlich macht, dem könnten weitere Jahre engagiertes Proben auf ein wirklich hohes Niveau bringen.

Bürgermeister als Opernstar

Juliane Wingenbach präsentierte vorzüglich als Solistin das "Lied der Vilja" aus "Die lustige Witwe" und die schwere Arie "Lied der Nachtigall". Marin Althuis begeisterte mit Klassik wie "Durch die Wälder" aus Webers "Freischütz" sowie das mit lyrischen Elementen gespickte "Immer nur Lächeln" aus der Operette "Das Land des Lächelns".

Ein Heimspiel hatte Peter Blum. Erwin Stephan schwärmte von ihm, dass er an jedem Theater mit Kusshand aufgenommen würde, wenn er nicht Waldbrunns Bürgermeister geworden wäre. Ob Peter Blum wirklich eine herausragende Opernkarriere hingelegt hätte, weiß man nicht. Aber es kann sicher bei weitem nicht jeder begeisterte Hobbysänger ein Werk wie die Titelmelodie der Oper "Postillon von Lonjumeau" so tadellos auf die Bühne bringen. Blum hatte zusammen mit Juliane Wingenbach auch das Duett "Lippen schweigen" aus "Die lustige Witwe" einstudiert und verabschiedete - unterstützt vom kompletten Ensemble - die Gäste mit dem spanischen Lied "Granada" ins letzte Programmdrittel. Der lief unter dem Titel "Lady Nacht" und läutete den Stilwechsel Richtung Pop und Film ein.

Sophia Schmitz scheint geheimnisvolle Agenten zu lieben, denn sie hatte gleich vier berühmte Songs aus James-Bond-Filmen mitgebracht. Angefangen von "Moonraker" über "Nobody does it better" über "Diamonds are forever" bis zum legendären "Goldfinger". Jana Botzen hatte sich Stücke von großen Stars der Gegenwart ausgesucht, "Send me love" von Adele und "La vie en rose" von Lady Gaga sowie "I wanna dance with somebody" der leider viel zu früh verstorbenen Whitney Houston. Botzen sang auch "Never enough" aus dem in der Zirkuswelt spielenden Musicalfilm "The Greatest Showman" sowie zusammen mit Schmitz den ABBA-Pophit "Gimme Gimme". Das Ensemble verabschiedete sich mit "Tanzen möchte ich" aus der Operette "Die Csardasfürstin", bei dem noch einmal Juliane Wingenbach und Peter Blum als Solisten glänzten.

Unterhaltsam führte Simone Appel durch den Abend. Die Kooperation zwischen Siegbrunn Musiktheater und Verkehrs- und Verschönerungsverein Ellar als Burgpächter läuft bereits seit Jahren prächtig. Es gibt sicher auch kaum einen schöneren Ort in der Region für Open-Air-Konzerte.

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