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Peter Krahl, Mitarbeiter bei Zipps Skiwachse, befüllt die Falschen mit dem nun produzierten mit Desinfektionsmittel.

Corona-Krise

Waldbrunn: Statt Skiwachs wird jetzt Desinfektionsmittel produziert

Frank Zipp hat in seiner Firma umgestellt. Nur das Ethanol muss er zukaufen, aber das ist knapp.

Waldbrunn -Die Corona-Krise hat vielen Menschen auch neue Chancen eröffnet und Firmen neue Wege aufgezeigt. Wer sein Geschäft oder seine Firma nicht wie bisher weiterführen kann, wird kreativ oder sucht sich andere Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Darunter ist auch die Firma Zipps Skiwachse in Waldbrunn-Fussingen, die nun Desinfektionsmittel produziert.

Die 2002 von Frank Zipp gegründete Firma stellt normalerweise Skiwachs her. Doch die Krise hat auch das Unternehmen nicht verschont. "Ich bin hauptamtlich beim Deutschen Ski-Verband (DSV) für Forschung und Entwicklung verantwortlich. Doch auch beim DSV herrscht aktuell Kurzarbeit", erzählt Frank Zipp. So wurden Tests, die in China hätten stattfinden sollen, und weitere hierzulande abgesagt. "Neue Wachse mit neuen Komponenten müssen in der Praxis erprobt werden, bevor sie auf den Markt kommen. Dazu werden Gleittests auf Naturschnee durchgeführt oder in der Skihalle, wenn die Tests im Sommer stattfinden", erläutert Zipp.

Ein ohnehin

schlechter Winter

Ob die bisher fehlende Testarbeit sich nachteilig auswirken werde, hänge auch davon ab, wie lange die Skihallen und die Skigebiete in den Alpen noch gesperrt bleiben. "Wir hatten ohnehin einen schlechten Winter, weil es zu wenig Schnee gab, aber jetzt wurde die Ski-Saison wegen Corona sogar vorzeitig beendet", fügt Zipp hinzu.

Die Folge wäre gewesen, dass er seine Türen dicht macht, seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt und wartet, bis die Krise vorbei ist. Aber dann fragten Freunde und Bekannte bei Frank Zipp nach Desinfektionsmittel. "Wir haben den Alkohol und weitere Komponenten, die für die Herstellung benötigt werden, ja schon da. Auch die Abfüllgeräte und die Flaschen haben wir bereits hier. Wir mussten fast nichts neu anschaffen." Der Isopropyl-Alkohol im Desinfektionsmittel wird auch bei der Herstellung von Skiwachs verwendet. "Ich musste nur das Ethanol dazu kaufen, erklärt der Firmengründer, warum der Umstieg einfach möglich war.

Allerdings fügt Zipp hinzu: "Aktuell gibt es viele, die Desinfektionsmittel herstellen. Deswegen, und weil sehr viel mehr gebraucht wird, sind Materialien wie Alkohol knapp und schwer zu beschaffen." Bei der Beschaffung gäbe es immer wieder Probleme. Es sei ein ständiger Kampf um Rohstoffe. Aber er sei gut vernetzt und es gäbe viele Lieferanten, die ihn und seine Firma bevorzugt behandeln. Schließlich sei sein Unternehmen bereist seit vielen Jahren im Geschäft.

Mischung nach

WHO-Richtlinien

Frank Zipp legt auch bei der Herstellung von Desinfektionsmittel großen Wert auf Qualität. Das zeigt sich ganz besonders bei den Flaschen, die immer wieder verwendet werden können, und deren Pumpen. Der hohe Standard macht sich aber auch in der Mischung des Desinfektionsmittels bemerkbar, das nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemischt wird und sogar 10 Prozent mehr Alkohol enthält als gefordert.

"Wir haben hohe Materialkosten und deswegen können wir unsere Desinfektionsmittel auch nicht zu günstig verkaufen. Ich habe ja schließlich auch Kosten, die ich decken muss", betont Frank Zipp. Aufgrund der hohen Nachfrage habe sich der Preis für Isopropyl-Alkohol sogar um das fünffache erhöht. "Aber sobald die Materialkosten günstiger werden, gebe ich das direkt an den Endkunden weiter. Ich bin bereits zweimal mit dem Kaufpreis runtergegangen."

Zipp, der außer seiner Frau noch vier weitere Personen beschäftigt, drunter zwei Chemiker, möchte sich an der Corona-Krise nach eigener Aussage keine goldene Nase verdienen. "Ich verfahre bei der Herstellung und beim Verkauf des Desinfektionsmittels genauso wie mit den Skiwachsen. Ich kalkuliere", betont er.

Das Desinfektionsmittel verkauft Frank Zipp über seine Webseite www.skiwachs.com für 7 Euro pro 100-Milliliter-Flasche. Zusätzlich hat eine Firma für Sanierungs- und Entsorgungssysteme einen Teil des Vertriebs übernommen. Außerdem beliefert er einen Ausrüster für Rettungstechnik und eine Apotheke in der Nähe. Und auch das Land Hessen habe angefragt. Er habe ein Angebot gemacht und warte jetzt auf eine Rückmeldung aus dem Ministerium. Mariam Nasiripour

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