Das Quellbiotop im Hauser Wald ist einzigartig - und bedroht, sagt Dr. Holger Rittweger. Seit Jahren kartiert er die Quellen und untersucht Flora und Fauna.
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Das Quellbiotop im Hauser Wald ist einzigartig - und bedroht, sagt Dr. Holger Rittweger. Seit Jahren kartiert er die Quellen und untersucht Flora und Fauna.

Gefährdeter Lebensraum

Waldbrunn: Verdichteter Boden, bedrohtes Quellbiotop

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Der Hauser Wald hat ein Wappentier: Die Quell-Erbsenmuschel - Deren Lebensraum ist nun in Gefahr

Hausen -Über etwa vier Quadratkilometer erstreckt sich der Wald nahe der rheinlandpfälzischen Grenze. Über den Kamm der Erhebung verläuft eine Wasserscheide. Zu sehen ist der Lasterbach, der schließlich in den Elbbach mündet. Nicht zu sehen sind ein paar Hundert Quellen, die sich in einem feingliedrigen Netz im Erdreich des Waldes verzweigen. Immer wieder drücken Versumpfungsquellen nach oben und lassen den Waldboden aussehen, als sei an dieser bestimmten Stelle ein Eimer Wasser umgekippt. Denn wo hier Grundwasser austritt, ist nicht zu sehen. Das jedenfalls ist die Wahrnehmung des Laien. Der Fachmann identifiziert Versumpfungsquellen dagegen auch ohne Feuchtigkeit. An Fauna und Flora könne man Quellen bestimmen und Gerinne, also kleine Wasserläufe, zuordnen, sagt Holger Rittweger, Geograf und Quellen-Kartierer. Seit Jahren vermisst er den Hauser Wald. Ein paar Hundert Seiten ist seine Dokumentation inzwischen lang, ein Ende der Arbeit nicht in Sicht, sagt der Wissenschaftler. Dabei drängt die Zeit. Denn das Quellbiotop im Hauser Wald ist in Gefahr.

Die Bedrohung heißt Harvester. Jene gewaltigen, bis zu 60 Tonnen schweren Maschinen zur Holzernte sind es, die den Wald platt machen. Das Problem: Beim Entnehmen der Bäume verdichten die Fahrzeuge den Boden, erklärt Rittweger. Die langen und tiefen Reifenspuren, die sich links und rechts von den Hauptwegen in den Wald graben, belegen den Schaden, der nach Überzeugung des Quellen-Kartierers vermeidbar ist. Etwa durch den Einsatz von Rückepferden, die die Stämme aus dem Wald ziehen. Damit ließen sich zugleich die Land- und Viehwirte aus der Region in Maßnahmen zum Umweltschutz einbinden. Nur setzt man im Hauser Wald eben nicht auf natürliche Pferdestärke, sondern auf schweres Gerät, das den Boden verdichtet.

Pufferkapazität verringert sich

Das wiederum führt dazu, dass das Regenwasser schlechter in den Boden sickern kann. Der oberflächliche Wasserabfluss werde dadurch beschleunigt, sagt Rittweger, und das bedeutet, der Waldboden trocknet schneller und längerfristig aus. Es kommt zu einer "Minderung der Grundwasserneubildungsraten", die Pufferkapazität des Bodens verringert sich, Starkregen- und Hochwasserereignisse könnten sich zuspitzen. Was kompliziert klingt, lässt sich anhand eines Schwammes erklären, sagt der Fachmann. Presst man einen Schwamm fest zusammen, kann er keine Flüssigkeit aufnehmen. Das gilt auch für den Waldboden. Wird der komprimiert, spritzt Regenwasser von der Bodendecke weg.

Die Folgen der Bodenverdichtung für das Biotop sind verheerend. Denn in diesem sensiblen Lebensraum kommen Tiere vor, die auf reinstes Wasser angewiesen sind, zum Beispiel der Höhlenflohkrebs, der Alpenstrudelwurm, der Rittweger zufolge ein Relikt aus der Eiszeit ist, oder eben das Wappentier des Hauser Waldes, die Quell-Erbsenmuschel, die der Quellen-Kenner vorbei an Scharbockskraut, dem Sauergrasgewächs Winkel-Segge und ein paar Binsen-Büscheln aus einem Gerinne im Unterholz holt. All das droht durch die Bodenverdichtung zerstört zu werden.

Um den Niedergang des Quellbiotops im Hauser Wald zu verhindern, hatten die Naturschutzinitiative e.V. und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz im März 2019 einen Antrag gestellt: Das schützenswerte Terrain soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Ein entsprechendes Verfahren sei jedoch bislang nicht eröffnet worden, sagt Holger Rittweger. Er wird einstweilen weitere Quellen im Biotop zwischen Waldbrunn, Dornburg und Elbtal kartieren. Ein paar Hundert dürften es noch sein.

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