Der Lasterbach in Waldbrunn-Hausen soll renaturiert werden. Das wollen jedenfalls (von links) die Ortsbeiräte Claus und Angelika Bornschein und Ortsvorsteher Marc Eisenkopf (alle Bürgerliste Waldbrunn).
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Der Lasterbach in Waldbrunn-Hausen soll renaturiert werden. Das wollen jedenfalls (von links) die Ortsbeiräte Claus und Angelika Bornschein und Ortsvorsteher Marc Eisenkopf (alle Bürgerliste Waldbrunn).

Renaturierung von Gewässern

Waldbrunn: Wird der Lasterbach renaturiert?

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Ortsbeirat votiert für Förderporgramm "100 Wilde Bäche für Hessen"

Hausen -Wenige Tage vor der Gemeindevertretersitzung am kommenden Montag hat sich der Ortsbeirat Hausen klar positioniert. Das Gremium hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, den Förderantrag zur Strukturverbesserung am Lasterbach zu stellen und so im Ortsteil Hausen vom Förderprogramm "100 Wilde Bäche für Hessen" zu profitieren. Ziel dieses vom hessischen Umweltministerium aufgelegten Programms ist es, die Kommunen bei der Renaturierung ihrer Gewässer zu unterstützen. Die Bäche sollen "wieder ein breites und unberührtes Ufer und ein natürliches Bachbett" bekommen, "wo das Wasser frei laufen kann", heißt es in der Projektbeschreibung.

Für Hausen bedeutet das: Der Lasterbach soll wieder seinen ursprünglichen Lauf nehmen, das Bachbett verbreitert werden, um mehr Wasser führen zu können. Gleichzeitig soll die Fließgeschwindigkeit des Wassers durch Ufersteine abgebremst werden. Dass diese Maßnahmen notwendig sind, ist hinter der Mehrzweckhalle zu besichtigen, sagt Ortsvorsteher Marc Eisenkopf (Bürgerliste Waldbrunn, BLW). Hier ist der Weg teilweise unter- und weggespült. Steine der Uferbefestigung und des Fundaments türmen sich im Wasser, weshalb der Pfad gesperrt werden musste. Das nächste Starkregenereignis wird kommen, und was dann, fragt Eisenkopf. Bereits zu Beginn dieses Jahres war der Lasterbach aus seinem Bachbett gequollen, und mit Sandsäcken habe man "gerade noch in letzter Minute verhindern können, dass Wasser in die Mehrzweckhalle eindringt", berichtet Ortsbeirat Claus Bornschein (BLW). Das war zuletzt bei einem Hochwasser 1984 geschehen. Eine Plakette an der Hallenwand weist aus, dass das Wasser etwa 50 Zentimeter über dem Erdboden gestanden hatte.

Die Renaturierungs-Kritiker wenden ein, dass es in den Jahren nach 1984 eben gerade nicht mehr zu einer derart dramatischen Situation gekommen sei, gibt Eisenkopf deren Argument wieder. Der Bachverlauf habe sich in seiner jetzigen Anlage bewährt, sei deren Einstellung. Nur bleibt nach Einschätzung des Hauser Ortsbeirats dabei der Klimawandel und das steigende Risiko von Starkregenereignissen unberücksichtigt. Darauf müsse aber reagiert werden.

Mehrzweckhalle steht im Überflutungsgebiet

Das hatte auch CDU-Fraktionsvorsitzender Torsten Heep in der letzten Sitzung des Bauausschusses bestätigt und sich gerade deshalb gegen die geplante Renaturierungsmaßnahme an der Halle in Hausen ausgesprochen. Er hatte vehement gegen eine innerörtliche Renaturierung plädiert. "Der schadlose Abfluss von Hochwasser muss in der Ortslage funktionieren", forderte er. "Das hat absolute Priorität." Eine Kommune könne nicht gezwungen werden, Bachverläufe zurückzubauen und damit Hochwassergefahren zu provozieren. Heep räumte allerdings ein, dass die Gesamtmaßnahme überplant werden könne, aber nicht als Gesamtmaßnahme umgesetzt werden müsse. Man könne sich beispielsweise auf Teile beschränken und die innerörtliche Renaturierung des Lasterbachs nicht realisieren.

Das würde jedoch vermutlich das Aus für den Anbau an der Mehrzweckhalle in Hausen bedeuten, sagte Ortsvorsteher Eisenkopf. Waldbrunns Bürgermeister Peter Blum (parteilos) hatte im Sommer mitgeteilt, dass die Halle im Überflutungsgebiet stehe, für die Genehmigung des Bauvorhabens mithin eine Ausgleichsfläche geschaffen werden müsse. Weshalb das beauftragte Planungsbüro und die Verwaltung erst jetzt zu dieser Erkenntnis gelangt waren, obwohl sich der Ortsteil seit Jahren um das Bauprojekt bemüht, konnte der Bürgermeister nicht erklären. Er stellte aber in Aussicht, dass durch die Renaturierung des Lasterbachs im Ort die behördliche Vorgabe für den Bauantrag erfüllt werde. Die Hochwassergefahr werde dann geringer eingestuft, sagte er. Die Halle stehe dann nicht mehr im Überflutungsgebiet. Das Bauantragsverfahren für den Anbau an der Mehrzweckhalle könne dann angestoßen und nach dessen Genehmigung Fördermittel für das Bauvorhaben beantragt werden. Vorausgesetzt die Gemeindevertreter stimmen zu.

Die nächste Sitzung der Gemeindevertretung Waldbrunn ist am kommenden Montag, 13. September, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle in Ellar. Die Sitzung ist öffentlich.

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