Shuttlebus der Generationenhilfe

Weil Einkaufen nicht nur Einkaufen ist

Seit gestern erleichtert der Verein für Generationenhilfe in Hünfelden Senioren das Einkaufen: Ein ehrenamtlich organisierter Fahrdienst holt Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, zu Hause ab und fährt sie zu den Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde. Schon die Jungfernfahrt zeigte, wie groß die Nachfrage nach einem solchen Angebot ist.

Von LEONI DOWIDAT

. Mal eben spontan zum nächsten Supermarkt und die Einkäufe für die kommende Woche tätigen – was für viele Menschen mit Auto ganz normaler Alltag ist, bedeutet für Ingrid Singer einen organisatorischen Kraftaufwand. In ihrem Heimatort Dauborn schlossen große Geschäfte für Lebensmittel und Alltagsbedarf schon vor Jahren, die Märkte in Kirberg sind für die Rentnerin zu Fuß nicht zu erreichen. „Ich selbst fahre kein Auto und habe auch niemanden, der die Zeit hat, mich regelmäßig zum Einkaufen zu fahren“, sagt sie selbst.

Zwar habe sie die Möglichkeit, andere Menschen darum zu bitten, ihr kleinere Einkäufe mitzubringen, doch selbst das ist für sie nur ein dürftiger Ersatz. „Immerhin möchte ich mir die Waren ja auch selbst aussuchen können.“ Oft wisse man ja auch erst, was man brauche, wenn man es im Geschäft sehe.

„Einkaufen ist eben nicht nur Einkaufen an sich. Es ist auch ein Stück weit ein Erlebnis“, resümiert Max Hübsch. Seit dem vergangenen Mittwoch ist er der ehrenamtliche Fahrer des neuen Dienstes der Generationenhilfe – ein Dienst, der sich dem Dilemma von Ingrid Singer und vielen anderen mobilitätseingeschränkten Bürgern in Hünfelden angenommen hat: Einmal wöchentlich holt ein Kleinbus angemeldete Passagiere an Sammelstellen in den sieben Ortsteilen der Gemeinde ab und fährt sie zu den hiesigen Märkten und Geschäften.

Den Kleinbus, mit dem Max Hübsch seine Gäste durch Hünfelden chauffiert, stellt die evangelische Kirchengemeinde aus Hünfelden der Generationenhilfe zur Verfügung. „Wir freuen uns, dass wir damit helfen können“, sagte Susanne Holz-Plodek. Zwar habe man das Fahrzeug in der Kirchengemeinde, jedoch mangle es an ehrenamtlichen Fahrern – die Kooperation mit der Generationenhilfe sei somit ein Gewinn für beide Seiten, so die Pfarrerin weiter.

Ein Gewinn ist das Projekt auch für die acht Damen, die den Fahrdienst als erste Passagierinnen bei seiner Jungfernfahrt am Mittwochmorgen austesteten. Ein erstes Fazit? „Die Fahrt ist sehr angenehm gewesen“, so Ingrid Singer. „Wir haben auch im Bus sehr viel Spaß gehabt, uns unterhalten und viel miteinander gelacht.“ Das sei beinahe schon mehr eine Kaffee- als eine Einkaufsfahrt gewesen, fügte eine andere Dame lachend hinzu.

Ähnlich positiv erlebte auch Max Hübsch die erste Fahrt: „Es war wirklich lustig gewesen, ich bin sehr zufrieden.“ Seine Passagiere seien sichtlich dankbar gewesen, dass die Generationenhilfe nun neben einem allgemeinen Fahrdienst für Arztbesuche auch diese spezifischen Fahrten zu Märkten und Geschäften anbiete.

Nichtsdestotrotz sei dabei noch Luft nach oben, so der ehrenamtliche Fahrer. „Der Bedarf für einen solchen Dienst ist in Hünfelden auf jeden Fall vorhanden.“ Durch das Geschäftssterben in ländlichen Gegenden, von dem auch z.B. Dauborn in den letzten Jahren betroffen gewesen sei, bräuchten gerade ältere Menschen immer öfter Hilfe bei alltäglichen Besorgungen. „Viele scheuen sich jedoch, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen“, bedauert Max Hübsch. „Sie schämen sich ob ihrer Hilfsbedürftigkeit oder sind immer noch der Ansicht, sie haben diese Hilfe nicht nötig.“

Trotz allem sieht er die Zukunft für den Fahrdienst der Generationenhilfe positiv: „Die Erfahrung zeigt, dass solche Projekte immer erst einmal Zeit brauchen, um anzulaufen.“ In anderen Gemeinden, so berichtet er, habe es bis zu fünf Jahre gedauert, bis die erste Scheu sich gelegt habe. „Wenn die Menschen sehen, dass auch andere Senioren unseren Dienst nutzen und sie sich dessen nicht zu schämen brauchen, werden sie sich auch eher dafür anmelden.“

Jeden Mittwoch soll der Kleinbus nun die sieben Ortsteile Hünfeldens und danach das Kirberger Gewerbegebiet ansteuern. Die zeitlichen Planungen werden momentan noch vor Ort mit den Gästen abgesprochen. „Logistisch steckt das Projekt eben noch in den Kinderschuhen“, erklärt Max Hübsch. Um die Sprit- und Betriebskosten des Angebots zu decken, wird für die Passagiere ein Unkostenbeitrag von zwei Euro für Hin- und Rückfahrt fällig.

Die Koordinatorin des Fahrdienstes zu den Einkaufsmärkten ist Ingeborg Jähnel. Anmeldungen zu den Fahrten werden im Büro der Generationenhilfe im Rathaus in Kirberg entgegengenommen. Dieses hat montags von 9 bis 11 Uhr sowie mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet und ist unter Telefon:  (0 64 38) 8 38 57 erreichbar.

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