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Serie: Pflege im Wandel

Ein Zusammenlegen der Pflegeausbildungen: Chance oder Qualitätsverlust?

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Jede Menge Pflegeheime und Tagespflegeeinrichtungen, aber zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. Zwar gibt es im Landkreis Limburg-Weilburg 43 ambulante Pflegedienste, aber in einigen Gemeinden ist es schon schwer, den passenden Dienst zu finden. Und wie sieht es aus mit den Pflegekräften und der medizinischen Versorgung? Heute geht es um die Ausbildung in der Pflege.

Natürlich sind Arbeitsbedingungen wie in Norwegen ein Traum: Fünf Patienten pro Pflegekraft, flexible Arbeitszeiten, ein Ruheraum und viel mehr, was ein Krankenhaus oder Pflegeheim zu einem attraktiven Arbeitsplatz macht. Aber das sei wirklich nur ein Traum, sagt Elmar Frink. 

Es geht immer nur ums Geld - für ein neues Image des Berufs

„Es geht immer nur ums Geld.“ Jetzt hoffen er und seine Kollegen von der Krankenpflegeschule in Weilburg erst einmal auf die Pflegereform von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), und dass sich damit die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern ändern werden.

Und dann vielleicht auch irgendwann in den Altenheimen, „auch wenn da die finanziellen Interessen in der Regel größer sind“. Denn das weiß Elmar Frink auch: Dem Pflegenotstand kann man nur mit besseren Arbeitsbedingungen begegnen. Und mit einem neuen Image des Berufs. Und vielleicht mit der Generalisierung der Ausbildung.

Gemeinsames Lernen der Pflegeazubis

Vom kommenden Jahr an sollen alle, die später mal in einem Pflegeheim oder einer Klinik arbeiten wollen, gemeinsam lernen – zumindest in den ersten beiden Jahren. Dann können sie sich spezialisieren und lernen, was man zum Altenpfleger oder aber zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger braucht. Oder sie können den generalistischen Abschluss zum „Pflegefachmann“ oder zur „Pflegefachfrau“ machen. Es sei eine gute Sache, drei Berufe zusammenzu- bringen, sagt Frink. 

Denn das, was bisher nur die Altenpfleger in ihrer Ausbildung gelernt haben, könnten alle in der Pflege Tätigen gut gebrauchen. Schließlich werden auch die Patienten in den Krankenhäusern immer älter.

"Junge Menschen entscheiden sich meist gegen die Altenpflege"

Und es sei auch gut, dass man nicht gleich nach dem Schulabschluss entscheiden muss, ob man später in der Klinik oder im Pflegeheim arbeiten möchte. Hauptsache, die jungen Leute entscheiden sich für einen Pflegeberuf. Frink fürchtet nur, dass auch die Generalistik den Altenheimen erst einmal nicht mehr Personal bescheren werde, dass sich auch in der Zukunft die meisten jungen Leute, die in den Gesundheitsberufen arbeiten wollen, gegen die Altenpflege entscheiden. Womit wir wieder bei den Arbeitsbedingungen wären.

Gegen das schlechte Image der Pflege

Am Beruf selbst, an den Aufstiegschancen oder am Verdienst könne es nicht liegen, dass die Altenpflege, aber auch die Gesundheits- und Krankenpflegeberufe ein so schlechtes Image haben, sagt Elmar Frink. Wer sonst verdient schon im ersten Ausbildungsjahr 1140,69 Euro im Monat (wenn er nach Tarif bezahlt wird), plus Zuschläge für Arbeit an Sonn- und Feiertagen? 

Wer sonst bekommt 400 Euro „Erfolgsprämie“ nach dem bestandenen Examen? Wer sonst kann sicher sein, dass er nach der Ausbildung einen Job bekommt? Wer sonst kann darauf vertrauen, dass er auch in den nächsten Jahrzehnten gebraucht wird?

Aber nicht nur das: „Die Pflegeberufe sind interessante Berufe“, sagt Sandra Erbe, Medizin-Pädagogin an der Krankenpflegeschule in Weilburg. Sie lobt die Abwechslung, die Verbindung von pflegerischen und medizinischen Tätigkeiten, die Arbeit mit Menschen und auch mal am Computer. Und sie lobt die Aufstiegschancen. Sie selbst hat nach der Ausbildung als Krankenschwester (so hieß das bis zur Gesetzesänderung im Jahr 2003) in der Geriatrie gearbeitet und dann noch mal studiert. Heute arbeitet sie als Dozentin an der Krankenpflegeschule in Weilburg.

Auswahl zwischen 150 Studiengängen

Und sie weiß, dass die Pflege immer noch eine weibliche Domäne ist. „Vermutlich haben die Männer Angst, dass sie nicht genug verdienen, um eine Familie ernähren zu können.“ Das sei ein Vorurteil: Wer sich qualifizieren will, habe in der Pflege die Wahl zwischen rund 150 Studiengängen, bei den meisten ist die abgeschlossene Ausbildung in der Pflege Voraussetzung. Das wird sich auch mit dem neuen Pflegeberufsgesetz nicht ändern.

Verdichtung des Stoffes in der Ausbildung

Allerdings hätten einige Experten die Befürchtung, dass die Pflegeausbildung vom kommenden Jahr an nicht mehr das ist, was sie mal war, sagt Frink. Denn die Ausbildung dauert ja immer noch nur drei Jahre, nur der Stoff wird mehr

„Wir haben Sorge, dass wichtige Themen nicht mehr so intensiv behandelt werden können.“ In der klassischen Gesundheits- und Krankenpflege gehe es um Prävention und Heilung, in der Altenpflege vor allem darum, die Menschen zu aktivieren.

Zahl der psychisch Kranken steigt an

Vermutlich komme die Krankheitslehre in Zukunft zu kurz, „und dann fehlt der pflegerische Blick“, sagt Erbe, die Fähigkeit, die Hinweise deuten zu können. Und auch die Psychiatrie werde wohl keine große Rolle mehr spielen können, „dabei steigt die Zahl der Menschen mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen nicht nur in den Krankenhäusern“. 

2100 Stunden Theorie und jede Menge Praxis gehören auch in Zukunft zur Pflegeausbildung. Was in der Zeit gelehrt wird, kann jede Schule selbst entscheiden – solange sie sich an den Rahmenlehrplan des Sozialministeriums hält. „Bislang konnte man mit den drei Jahren Grundausbildung schon arbeiten“, sagt Elmar Frink. 

Wie das in Zukunft sein wird, muss sich zeigen. Ob sich die Arbeitsbedingungen dann ändern, auch.

Lesen Sie hier noch einmal den Kommentar von unserem Politik-Leiter Dieter Sattler zum Pflegenotstand

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