+
Panoramafoto der Jakob-Mankel-Schule im Waldhäuser Weg mit Haupteingängen zur Verwaltung und den Klassentrakten, mit Schulhof und multifunktionalem Sportfeld.

Schule

Jakob-Mankel-Schule feiert 25 Jahre IGS

Politisch wurde sie am Anfang häufig bekämpft, inzwischen gilt ihr Erfolg als unbestritten: Die Jakob-Mankel-Schule (JMS) Weilburg ist seit fast genau 25 Jahren "Integrierte Gesamtschule".

Weilburg - Die Weilburger Jakob-Mankel-Schule (JMS) steht seit 60 Jahren im Waldhäuser Weg. Sie feiert jetzt nach bedeutsamen pädagogischen Veränderungen und umfangreichen baulichen Modernisierungen und Erweiterungen vor allem ihren 25. Geburtstag als Integrierte Gesamtschule (IGS). Der stellvertretende Schulleiter, Lars Wörner, "Steuermann" der Schulentwicklung, plant mit seinen Kolleginnen und Kollegen eine themenbezogene Projektwoche für die 460 Schülerinnen und Schüler ab Montag, 16. September. Ein Schulfest am Freitag, 20. September, wird auch zu einem Treffen der "Ehemaligen" ab 19 Uhr. Ein "akademischer Abend" am 14. März 2020 rundet das Jubiläumsjahr ab.

Der langjährige pädagogische Leiter (1994 bis 2015), Jürgen Weil, blickt auf die turbulenten Anfänge zurück und charakterisiert die Entwicklung der Schule. 1994 wollten Eltern, Lehrer und Schüler, dass nach zwei Jahren "freiwilliger Förderstufe" an der alten Haupt- und Realschule auf der Westerwaldseite Weilburgs das "gemeinsame Lernen" in einer Integrierten Gesamtschule weitergehen kann und die Klassengemeinschaften erhalten bleiben. Es war ungewiss, ob der Kreistag zustimmt, denn die politische Mehrheit war eigentlich gegen eine IGS. Zahlreiche Elternbeiräte wehrten sich und fuhren sogar mit Plakaten zur Kreistagssitzung nach Bad Camberg. Das wirkte. Eine knappe Mehrheit sagte tatsächlich Ja zur ersten IGS im Kreis Limburg-Weilburg.

Schulleiter Erich Horz, sein Stellvertreter Michael Uhl und Jürgen Weil hatten mit einem überzeugten Kollegium und Eltern durchgesetzt, was viele für nicht durchsetzbar hielten. Ingrid Kleinoeder, damals als Schulamtsdirektorin zuständig für die Mankel-Schule, war ebenfalls eine starke Befürworterin. Nach Horz leiteten Thomas Steininger (2005-2011) und Anke Wegerle (2011-2018) die Schule, die aktuell auf eine Neubesetzung der Direktorenstelle wartet.

Kein Schüler wechselte

Am 17. September 1994 war die große Einweihungsparty der neuen Jakob-Mankel-Schule. Kein Schüler wechselte auf eine andere Schule. Im Gegenteil: Schüler wechselten quer zur JMS. Die IGS steht, seit 25 Jahren nun schon. In den nächsten Jahren feilte die Mankel-Schule in enger Abstimmung mit dem Gymnasium Philippinum und dem Beruflichen Gymnasium der Wilhelm-Knapp-Schule an ihrem Konzept. Abordnungen aus beiden Schulen und gemeinsame Fachkonferenzen garantieren reibungslose Übergänge, besonders wichtig für die Fremdsprachen.

Kapitäne werden Begleiter

Der Anspruch "Wir lassen kein Kind zurück!" wird lebendig in der täglichen halbstündigen "individuellen Lernzeit", in der Ausgestaltung von Förderplänen, beim Üben mit Kompetenzlisten, beim Methodentraining. Lehrer-Jahrgangs-Teams sind Bezugspersonen, leben die Teamarbeit vor, sehen sich erst als Kapitäne, später als Lernbegleiter. Sie unterrichten, erziehen, fördern Eigeninitiative und Selbstständigkeit, beraten und betreuen und schauen nicht weg. Konflikte gelten als Chance, gemeinschaftlich gefundene Lösungen gehen alle an. Der betont schülerorientierte Unterricht brachte starke Schülervertretungen (SV) hervor. Häufig wurden engagierte Schulsprecher auf weiterführenden Berufsfachschulen und in gymnasialen Oberstufen auch dort zu Gruppensprechern gewählt. Die Jakob-Mankel-Schüler haben nicht nur deshalb und nicht nur in Weilburg einen guten Ruf. Sie zählen oft in allen weiterführenden Schulformen zu den Jahrgangsbesten und stellen Kreissieger in Mathematik- und Lesewettbewerben. Die Redakteure der Schülerzeitung "Ätzkalk" wurden mehrfach hessen- und bundesweit ausgezeichnet.

Die SV ist "immer am Ball", organisiert Osterdiscos und Streitschlichter-Programme, unterstützt von einer Schulsozialarbeiterin. Schüler melden sich freiwillig zu "Scouts" beim "Tag der offenen Tür" und lassen sich zu "digitalen Helden" schulen. Sie rennen bei Sponsorenläufen für ihre Schule, aber auch für Erdbebenopfer in Nepal. Sie sammeln für Flüchtlingskinder in Waldhausen und regelmäßig für die "Weilburger Tafel". Sie lernen aus der Begegnung mit Zeitzeugen, besuchen die Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar und die KZ-Gedenkstätte Buchenwald, treten ein für die Wertschätzung des Einzelnen, für die Würde des Menschen. Viele Gründe, 25 Jahre IGS-Erfolgsgeschichte zu feiern.

von Jürgen Weil

INFO

Die "Integrierte Gesamtschule" (IGS) als Alternative zum traditionellen dreigliedrigen Schulsystem wird in Hessen 50 Jahre alt. Kooperative Gesamtschulen (KGS) gibt es schon länger. Sie teilen in der Regel nach zwei Jahren "Förderstufe" die Schüler ab Klasse 7 auf in die Schulzweige Hauptschule, Realschule und Gymnasium, machen aber schulformübergreifenden Unterricht in bestimmten Lernbereichen möglich. Für die IGS hingegen ist das gemeinsame Lernen über sechs Jahre im Klassenverband Prinzip. Im Kreis Limburg-Weilburg gibt es zwei Integrierte Gesamtschulen, die Jakob-Mankel-Schule in Weilburg seit 1994 und die Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel-Villmar seit 2008. red

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare