Die Brückenmühle unter dem Schloss konnte früher die Stadt Weilburg komplett mit Strom versorgen. Heute leistet sie immer noch einen wichtigen Beitrag.
+
Die Brückenmühle unter dem Schloss konnte früher die Stadt Weilburg komplett mit Strom versorgen. Heute leistet sie immer noch einen wichtigen Beitrag.

Interessantes Zoom-Meeting in Weilburg

Die Brückenmühle: Herzschlag der Stadt

Digitale Konferenz zu aktuellen Baumaßnahmen

"Von der Brückenmühle bis zum Parkdeck - Bauen in und für die Stadt Weilburg" lautete das Thema, über das bei den "Tagen der Industriekultur Mittelhessen" per Zoom-Meeting gesprochen wurde. Die Sanierung der Brückenmühle unterhalb des Schlosses an der Lahn lag ebenso in Regie der Limburger Bauunternehmung Albert Weil wie der aktuelle Neubau eines Parkdecks an der Kreissparkasse auf der anderen Flussseite.

Durch die Brückenmühle erfolgte die Elektrifizierung in Weilburg im frühen 20. Jahrhundert. Der Eigentümer, Dr. Helge Beyer, hat die Mühle, die seit sechs Generationen im Besitz seiner Familie ist, modernisieren lassen. Dabei wurden Fischschutz und Fischwegigkeit modernisiert. Ebenfalls wurde durch den Einsatz einer Kaplanturbine mit moderner Steuerung und automatischer Rechenreinigung die erneuerbare Stromproduktion gesteigert.

Stromproduzent

für die Stadt

Die Brückenmühle in Weilburg war in der Vergangenheit neben der Kirchhofsmühle eine der beiden wichtigsten Mühlen Weilburgs Sie wurde im Jahre 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert war die Mühle bereits mit vier Mühlrädern ausgestattet. Ab 1912 diente die Mühle neben ihrer Mahlfunktion auch als Wasserkraftwerk. Der Mahlbetrieb wurde 1973 eingestellt. Bis heute produziert die Mühle für die Stadt Weilburg Strom. Das heutige, dreigeschossige Haupt- und Betriebsgebäude der Mühle stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Oliver Schwenk, Oberbauleiter bei der Sanierung der Brückenbühle, erinnerte sich noch gut an die Anfänge der Maßnahme vor fünf Jahren. Denn die Zufahrt zu dem Anwesen sei sehr schmal, so dass die Baustelle kaum erreichbar gewesen sei. So mussten laut Schwenk die ganzen Bauteile mit einem riesigen Kran über das Gebäude gehoben werden. Die bestehende Wasserkraftanlage habe abmontiert, das Gebäude entkernt werden und die Fundamente der Nachbargebäude gesichert werden müssen. Das Wichtigste laut Bauleiter: "Die Mühle steht noch. Das Gebäude sieht wieder aus wie vorher. Und die Turbine läuft wieder".

Mühlenbesitzer Beyer meinte, 1912 sei das erste Stromnetz in der Stadt entstanden, um die Straßenbeleuchtung sicherzustellen. Beyer berichtete, dass es bis Ende des Zweiten Weltkriegs in Weilburg noch möglich gewesen sei, die komplette Weilburger Kernstadt über die Mühle mit Strom zu versorgen. Heute würden noch zehn Prozent des Weilburger Stromverbrauchs der Innenstadt über die Mühle produziert.

Keine Gefahr

für die Fische

Wie der Besitzer betonte, lohne es sich, sich mit dem Thema Wasserkraft zu beschäftigen. Dass Naturschützer Wasserkraft oft aufgrund von Fischtötungen in Turbinen kritisch sehen würden, bewertete Beyer so: "Das kommt auf den Anlagentyp an. In meinen Anlagen habe ich noch nie einen gehäckselten Fisch gesehen." Beim Bau der alten Anlagen habe der Fischschutz sicher noch keine Rolle gespielt. Und doch habe es damals noch wesentlich mehr Fische in den Füssen gegeben, so dass die Anlagen sicher nicht Auslöser des Fischschwundes seien. Die aktuellen Abstände bei seinen Rechen seien nur 15 Zentimeter. Zudem gebe es Auf- und Abstiegswege für Fische und Aalrohre.

Zum Parkdeck-Projekt auf der anderen Lahnseite sagte Bauleiter Andreas Schmidt, dass eine Sanierung des alten Kreissparkassen-Parkdecks von 1965 keinen Sinn mehr gemacht hätte. Im neuen Parkdeck würden bei einem Auftragsvolumen von 800 000 Euro 37 Parkplätze geschaffen. Auch hier ist die Baustellenzufahrt eng, so dass mit mobilen Hebegeräten gearbeitet werden müsse, um das Material zur Baustelle zu bekommen. Die Baulänge sei 100 Meter an der Böschung zur Lahn.

Es werde eine Naturverkleidung geben, damit sich das Deck ins Weilburger Ensemble einfüge. Es wird sechs Ladestationen für E-Autos geben. Weil-Vorstand Stefan Jung-Diefenbach meinte, dass Hochwasser kein Problem beim Parkdeck-Projekt darstelle. Das Problem sei Salz, das die Bausubstanz über die Jahre beschädigen könne. Folglich solle das Parkdeck künftig jährlich begangen und kleinere Schäden sofort beseitigt werden. Alle fünf Jahr werde der Bau auch auf Risse untersucht. Die Baustelle müsse gut getaktet sein, weil Rettungsfahrzeuge und Anlieger weiter durchkommen müssen. robin klöppel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare