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Medizinische Kenntnisse sind unerlässlich ? Spaß bei der Arbeit natürlich auch: Heiko Enns, Christoph Balz und Jana Haak wollen Gesundheits- und Krankenpfleger werden und absolvieren ihre Ausbildung im Weilburger Krankenhaus.

Serie

Diese jungen Menschen machen eine Ausbildung in der Pflege

Jede Menge Pflegeheime und Tagespflegeeinrichtungen, aber zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. Zwar gibt es im Landkreis 43 ambulante Pflegedienste, aber in einigen Gemeinden ist es schon schwer, den passenden Dienst zu finden. Und wie sieht es aus mit den Pflegekräften? In einer Serie widmen wir uns dem Thema Pflege in allen Facetten. Heute geht es um diejenigen, auf die wir unsere Hoffnung setzen – um die jungen Menschen, die in der Pflege arbeiten wollen.

Ihre Ausbildung haben sie noch lange nicht beendet, aber einen Arbeitsvertrag haben sie schon längst in der Tasche. Weil sie ihre Sache gut machen, und weil Gesundheits- und Krankenpfleger gesucht sind. Nicht nur am Weilburger Krankenhaus. Aber da wollen Heiko Enns und Christoph Balz erst einmal bleiben – auch nach ihrer Ausbildung. Heiko Enns wird ab September als Pfleger in der Orthopädie und Chirurgie arbeiten, Christoph Balz in der Ambulanz.

Dann wollen die beiden schauen, wie sie sich weiterentwickeln, vielleicht mit einer Intensiv- oder Notfallpfleger-Weiterbildung oder einem Medizin- oder Pflegemanagement-Studium. „Es gibt ja so viele Möglichkeiten, da wird einem fast schwindelig“, sagt Heiko Enns und lacht.

Mit älteren Menschen

Dass er einmal „im medizinischen Bereich“ arbeiten wird, war ihm schon lange klar. Nach dem Abitur an der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg hat er erst einmal ein dreimonatiges Praktikum im Weilburger Krankenhaus gemacht. Er wollte „einen Einblick in die Pflege bekommen“, und da habe sich die Geriatrie angeboten. „Schließlich haben wir es im Krankenhaus vor allem mit älteren Menschen zu tun.“ Weil die Menschen immer älter werden und alte Menschen einfach häufiger krank werden. Und weil die meisten Patienten nur noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben. „Wer länger bleibt, ist meist pflegebedürftig.“

Im Pflegeheim möchte er aber nicht arbeiten, sagt Heiko Enns. Nicht wegen der alten Menschen, sondern wegen der Arbeitsbedingungen. Weil man sich im Pflegeheim damit abfinden müsse, dass sich der Krankheitsverlauf nicht aufhalten lasse. „Da geht es dann darum, den Menschen eine glückliche Zeit zu schenken.“ Aber dafür brauche man Zeit – und Personal.

Und da seien die Krankenhäuser, zumindest die kleinen wie das Weilburger Krankenhaus, deutlich besser aufgestellt als die Pflegeheime, sagt Christoph Balz. Zumindest seit die ersten Effekte des Pflegestärkungsgesetzes zu spüren sind. „Im Altenheim ist ein komplett anderes Arbeiten.“ Deshalb möchte auch er im Krankenhaus bleiben.

Viel mehr als Gehilfin

Jana Haak formuliert es so: „Wir sind eher aufs Medizinische fokussiert.“ Sie wollte eigentlich sowieso lieber Medizin studieren. Dann zum Übergang eine Ausbildung machen. „Und da habe ich gelernt, was den Beruf ausmacht“, dass er eben viel mehr sei als der „Arschwischberuf“, für den ihn viele halten. „Ich habe nicht gedacht, dass man so viel lernt“, sagt sie. Und dass man als Gesundheits- und Krankenpflegerin selbstständig arbeiten kann, dass man viel mehr ist als die Gehilfin des Arztes. Die, die in den Krankenhaus-Serien im Fernsehen gerade mal selbstständig das Telefon bedienen darf.

Wenn Jana Haak im September 2020 mit ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin fertig ist, könnte es sein, dass sie Medizin studiert, aber es könnte durchaus auch sein, dass sie sich in ihrem Beruf weiterbildet. „Das wird sich noch zeigen“, sagt die 19-Jährige. Bis dahin ist ihr und ihres Kollegen erst einmal wichtig, ganz viel zu lernen – und am Image ihres Berufs zu arbeiten. „Das Bild des Gesundheits- und Krankenpflegers muss verändert werden“, sagt Christoph Balz. Damit mehr junge Leute erfahren, „wie schön dieser Beruf ist“ und wie vielfältig. Dass man natürlich auch mit Körperpflege zu tun hat, dass das aber „nur ein ganz kleiner Teil“ ist. „Wir sind die, die die Therapie überwachen“, sagt Christoph Balz. „Und die, die den Patienten am besten kennen.“ Die Ärzte hätten ja meist viel zu wenig Zeit für die Patienten.

Heiko Enns formuliert es so: „Wir sind die Ansprechpartner, die Berater und manchmal auch die Seelentröster oder das Ablassventil.“ Und sie sind die, denen das Wohl der Patienten am Herzen liegt. „Ein bisschen Helfersyndrom steckt in uns allen“, sagt Heiko Enns. Er wisse von Kollegen, die auch mal 20 Tage am Stück arbeiten, weil sie die Patienten und die Kollegen nicht alleine lassen wollen. „Aber wir lernen in der Schule auch, uns selbst nicht aus den Augen zu verlieren.“ Und sie lernen, dass gute Arbeit in ihrem Beruf gut bezahlt wird. „Das Einstiegsgehalt ist nicht schlecht“, sagt Heiko Enns. Aber natürlich sei es nicht genug für das, was er und seine Kollegen leisten. „Aber: Je sozialer der Beruf umso unsozialer die Bezahlung.“

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