Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch (Mitte), Projektleiter Maurice Wenta (links) und Arnd Brüßler von der Laudemann GmbH durchschnitten das symbolische Band zur Eröffnung des "Eisernen Stegs".
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Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch (Mitte), Projektleiter Maurice Wenta (links) und Arnd Brüßler von der Laudemann GmbH durchschnitten das symbolische Band zur Eröffnung des "Eisernen Stegs".

Für Fußgänger und Radfahrer

Ein "Eiserner Steg" verbindet jetzt die Lahnufer

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Nach zehn Monaten Bauzeit wurde am Dienstag die siebte Brücke über den Fluss in Weilburg eröffnet. Diese kostet 1,66 Millionen Euro.

Weilburg -Nicht nur die Stadt Frankfurt am Main - auch Weilburg an der Lahn besitzt nun einen "Eisernen Steg". Am Dienstag ist die gleichnamige siebte Weilburger Lahnbrücke offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden - nach rund zehn Monaten Bauzeit.

Die Bezeichnung "Eiserner Steg", so Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch (CDU) vor rund 30 Gästen, sei eine Hommage an die Stadt Frankfurt und wurde unter rund 150 Ende 2020 eingegangenen Namensvorschlägen ausgewählt. Zwischen Frankfurt und Weilburg gilt als umstritten, wer von wem die Stadtrechte abgeschrieben hat. Immerhin neun Weilburger Bürgerinnen und Bürger hatten sich für den Namen "Eiserner Steg" ausgesprochen. Es sei damit der Vorschlag mit den zweitmeisten Stimmen gewesen.

"Meilenstein in

der Infrastruktur"

Bürgermeister Hanisch sprach mit Blick auf die neue Radfahrer- und Fußgängerbrücke von einem "Meilenstein in der Weilburger Infrastruktur. Eine Brücke", so das Stadtoberhaupt weiter, "baut man nicht jeden Tag, das ist keine 08/15-Maßnahme." Besondere Herausforderung dabei sei der Bau eines Mittelpfeilers in der Lahn gewesen, für den sich die Weilburger Politik nach Abwägung von Alternativen Anfang 2017 entschieden hatte. Bereits am 15. September 2016 war der Grundsatzbeschluss zum Neubau einer Lahnbrücke gefallen, nachdem die Bahn den vor allem von Schülern benutzten Betriebsweg an der parallel verlaufenden Eisenbahnbrücke geschlossen hatte. Dieser galt damals als nicht mehr betriebssicher.

Einige Monate wurde in der Weilburger Politik darüber diskutiert, ob die Brücke als Pylonen-Brücke aus Holz oder als Stahlfeldbrücke mit Mittelpfeiler gebaut werden soll, erinnerte Hanisch, der damals als CDU-Fraktionsvorsitzender aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligt war. Der Beschluss zugunsten der jetzt verwirklichten, 3,50 Meter breiten Brückenvariante sei vor allem aus optischen Gründen gefallen: Die neue Fußgängerbrücke sollte optisch zu der rund 150 Jahre alten Eisenbahnbrücke passen. "Es war eine gute Entscheidung", sagte Hanisch am Dienstag.

Bis zur Baugenehmigung für den Brückenbau war es dann noch ein weiter Weg, wie der Verwaltungschef schilderte. Zunächst mussten der Baugrund untersucht, die Finanzierung geklärt und ein Radwegkonzept erarbeitet werden. Letzteres, so Hanisch, war notwendig, um in den Genuss einer deutlich höheren Förderung durch das Land Hessen zu kommen. Weil die Brücke auch Teil des Radwegs R 7 ist, erhielt die Stadt eine Förderung von 80 statt der sonst üblichen 60 Prozent. Insgesamt flossen aus Wiesbaden 1,458 Millionen Euro in das Bauwerk, das mit Kosten von 1,66 Millionen Euro nur rund 90 000 Euro teurer geworden sei als geplant, so Hanisch.

Mehrkosten von

sechs Prozent

Diese Mehrkosten von sechs Prozent seien entstanden, weil kontaminierter Boden ausgetauscht und versiegelt werden musste. Hinzu kommen Planungskosten von 230 000 Euro, so dass die Gesamtkosten rund 400 000 Euro unter dem Haushaltsansatz von 2,3 Millionen geblieben seien, wie Hanisch erläuterte. Fazit des Bürgermeisters: "Man kann eine Brücke mit Mittelpfeiler bauen, die sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen bleibt."

Von den Herausforderungen während der Bauzeit berichtete Bernhard Pietsch vom Planungsbüro Bendel & Partner. Denn die Lahn sei dort, wo der Brückenpfeiler im Flussbett ruht, nicht nur mit fünf Metern sehr tief, sondern habe auch einen schwierigen Untergrund, bestehend aus einer Sand- und Kiesschicht und hartem Fels. Alleine das Bauen einer wasserdichten Spundwand habe viel Know-how und Geld gekostet, so Pietsch, der von einer "großen ingenieurtechnischen Leistung" und einem "Leuchtturmprojekt" für sein Planungsbüro sprach.

Auch Arnd Brüßler von der Laudemann GmbH aus Sontra verwies auf die Herausforderung beim Bau des Mittelpfeilers in der Lahn. "So etwas haben wir auch noch nicht gebaut", sagte er. Deshalb sei er "froh und dankbar", dass der Bau der Brücke unfallfrei abgelaufen sei. Die Weilburger Stahlbrücke liege derzeit im Trend einer Reihe von hessischen Brückenbauten, berichtete Brüßler mit Blick auf ähnliche Projekte, die sein Unternehmen an Eder und Fulda realisiere.

Nach den Eröffnungsreden durchschnitten Hanisch, Projektleiter Maurice Wenta und Arnd Brüßler das symbolische Flatterband, woraufhin die Schar der Eröffnungsgäste die Brücke erstmals überquerte.

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