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Amtsgericht Weilburg

"Ich bringe Euch um!" ? Messerattacke auf dem Gerichtsflur

  • VonBernd Bude
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Ein 51 Jahre alter Bauarbeiter soll am 10. Oktober im Amtsgerichtsgebäude in Weilburg versucht haben, zwei Männer mit einem Messer zu töten. Mit der Drohung in türkischer Sprache, „Ich bringe Euch um“, stach der Mann auf dem Gerichtsflur auf zwei Landsleute ein und verletzte einen von ihnen lebensgefährlich.

Gestern hat der Prozess gegen den inhaftierten 51 Jahre alten Bauarbeiter, der während der Tatzeit in einem Hadamarer Stadtteil wohnte, vor der 2. Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht begonnen. Er muss sich dort wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung verantworten.

Zu den Begleiterscheinungen des Prozesses gehören außergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen, die ausgerechnet am Tattag im Amtsgericht in Weilburg fehlten. Damals gelang es dem Angeklagten mühelos, durch die Kontrollmechanismen des externen Gerichts-Sicherheitsdienstes zu schlüpfen und damit das mitgeführte Messer mit einer Klingenlänge von 9,5 Zentimetern mit in das Gerichtsgebäude zu „schmuggeln.“

Es war am 10. Oktober 2014 gegen 12 Uhr, als die Direktorin des Amtsgerichts, Bettina Tayefeh-Mahmoudi, einen Familienprozess beendet hatte. Dabei ging es offenbar im friedlichen Einvernehmen zwischen Mutter und Vater um das Sorgerecht für ein Kind. Auf dem Gerichtsflur soll jedoch der Angeklagte, Vater der am Prozess beteiligten Frau, ausgerastet sein.

Messer in der Tasche

Nach der von Staatsanwältin Dr. Melanie Timm verlesenen Anklage, zückte der 51-Jährige unvermittelt aus seiner Hosentasche ein Messer und stach auf seinen Schwiegersohn als auch auf dessen Bruder ein. Dabei soll er in türkischer Sprache geäußert haben, die beiden Männer umbringen zu wollen.

Der Schwiegersohn (25) erlitt schwere Bauchverletzungen, Stichverletzungen am Oberschenkel und in der Brust, die zu lebensgefährlichen Verletzungen führten. Dank einer Notoperation wurde der Mann gerettet. Dem 42 Jahre alten Bruder des Opfers brachte der Täter eine schwere Unterleibsverletzung bei. Bei dem anschließenden Hilfeleistungen mit den lebensrettenden Maßnahmen soll sich auch Amtsgerichtsdirektorin Bettina Tayefeh-Mahmoudi beteiligt haben. Die beiden Opfer treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Weitere Termine

Gestern verlas Staatsanwältin Dr. Melanie Timm lediglich die Anklage. Weil einer von zwei Verteidigern nicht anwesend war, musste die Verhandlung auf den 20. April vertagt werden. An diesem Tag wird sich der Angeklagte möglicherweise zu seinem Lebenslauf äußern. Mehr ist nicht geplant, da auch an diesem Tag einer der Verteidiger nicht anwesend sein kann. Die Zeugenaussagen der Opfer des Attentats werden erst für 6. Mai erwartet.

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