+
Wenn Sven Görtz die Hits von Leonard Cohen singt, scheint die Seele des verstorbenen Barden anwesend zu sein. Das war in Weilburg zu erleben.

Musik von Leonhard Cohen

Ein Leben nach dem eigenen Takt

Sven Görtz hat die facettenreiche Welt des Leonard Cohen im Weilburger Rosenhang-Museum präsentiert. Dabei gab er nicht nur viel von dessen größten Hits zum Besten, sondern erzählte auch viel aus dessen Leben.

Nur wenige Wochen, bevor Leonard Cohen im November 2016 verstarb, hatte er eine neue CD veröffentlicht und erklärt, ewig leben zu wollen. Da war er 82. „Ich vermisse ihn wie einen guten Freund. Cohen war der Soundtrack meiner Jugend“, sagt Sven Görtz (50), der am Samstag im ausverkauften Weilburger Rosenhang-Museum mit seinem warmen Bariton die großen Hits des kanadisches Poeten grandios interpretierte und aus dessen bewegten Leben erzählte.

Dass Leonard Cohen anfing, seine Lyrik zu vertonen, war der Not geschuldet. Zwar wurden seine Romane und Gedichtbände von Kritikern hoch gelobt, doch konnte er vom Verkauf der Bücher nicht leben. Leonard Cohens Debütalbum mit dem Welthit „Suzanne“ erschien im Jahr 1967. Bald schätzte man den Barden mit der rauhen Stimme auch in New York, wo er Janis Joplin traf. Der Rausch ihrer heiße Affäre klingt noch heute in „Chelsea Hotel #2“ nach. Mit „Lover, Lover, Lover“ vom gleichen Album schaffte Cohen es 1974 in die deutschen Top Ten.

Leonard Cohen arbeitete hart an seinen Texten und der idealen und schnörkellosen Melodieführung. Ein guter Song maß sich für ihn im Grad der Wahrheit und Aufrichtigkeit. „Ist es nicht immer wieder erstaunlich, wie er seine berührend sinnlichen Wortschöpfungen in Musik verwandelte?“, sinnierte Sven Görtz und übersetzte ein paar Zeilen aus „Dance me to the End of Love“. Auch in der poetischen Form hätte Cohen stets neue Wege gesucht. So ist der „Famous Blue Raincoat“ ein melancholischer Abschiedsbrief, den er am Ende sogar selbst unterzeichnete.

Für ein paar Jahre lebte Leonard Cohen auf der griechischen Insel Hydra. Fasziniert von einem Vogel, der sich auf einer im Wind wogenden Stromleitung niedergelassen hatte, textete er „Bird on a Wire“. Auch „So long, Marianne“ hat den Ursprung auf Hydra, denn das war der Name seiner dortigen Muse, einer Norwegerin.

Obwohl Leonard Cohen so intensiv über die Liebe schrieb, war er für die Ehe nicht geschaffen. Ihm eilte der Ruf voraus, „Freund aller Frauen“ zu sein. „Doch war er kein Schürzenjäger, sondern einer, der schon ein ,Ja‘ bekam, ohne überhaupt konkret gefragt zu haben“, beschreibt Sven Görtz sein Idol. Immer höflich, diskret und charmant, so hätte er auch die großen Gefühle in seinen Liedern verarbeitet. In „Ain’t no cure for Love“ heißt es beispielsweise übersetzt: „Die Liebe macht uns in den zartesten Fesseln frei.“

Starkult und Blitzlichtgewitter seien Leonard Cohen unwichtig gewesen, berichtet Sven Görtz. Der Poet sei stets dem eigenen Rhythmus gefolgt und hätte auch schon mal zehn Jahre zwischen zwei Alben vergehen lassen.

Als er nach langer Auszeit im Jahr 1984 mit dem Album „Various Positions“ bei seinem Produzenten vorsprach, lehnte dieser die Veröffentlichung in den USA ab. Doch in Europa kam es an. Auf dieser Platte findet sich auch Leonard Cohens größter Hit „Halleluja“. Diese ironische Hymne auf Gott und die Frauen gibt es heute in mehr als 300 Cover-Versionen. An Halleluja hat Cohen über fünf Jahre geschrieben, es enthält 80 (!) Strophen, von denen er allerdings nur vier im Studio eingesungen hat. Vier Jahre später landete Cohen ein Riesen-Comeback mit „First we take Manhatten…“. Zur Jahrtausendwende war er mit sich und der Welt zufrieden und genoss den Ruhestand.

Doch 2004 brach Leonard Cohens Altersparadies zusammen. Seine Managerin hatte sein Millionen-Vermögen veruntreut. Der Sänger besann sich auf die Musik und spielte binnen der nächsten Jahre weltweit 400 Konzerte. „Dieser Mann, vom Leben gezeichnet aber nicht verbittert, berührt die Menschen jeden Alters und zeigt mit heitere Gelassenheit, dass es sich lohnt, das Leben nach dem eigen Takt zu führen“, ist Sven Görtz überzeugt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare