Daniele Stamm aus Weilburg (Mitte) ermittelt nun an der Seite der SAT1-Kommissare Michael Naseband und Alexandra Rietz fürs die Vorabendserie "K11 - Die neuen Fälle".
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Daniele Stamm aus Weilburg (Mitte) ermittelt nun an der Seite der SAT1-Kommissare Michael Naseband und Alexandra Rietz fürs die Vorabendserie "K11 - Die neuen Fälle".

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Weilburgerin wird durch SAT1-Krimiserie zum TV-Star: „Fernsehstar war nie mein Ziel“

  • vonRobin Klöppel
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Daniela Stamm wandelte sich von der Bereitschaftspolizistin zur TV-Kommissarin.

Weilburg - Daniela Stamm war einst ein wohlbehütetes und schüchternes Kind. Doch als die Weilburgerin endlich alle Hemmungen überwunden hatte, ging die 39-Jährige zunächst zur Polizei und wurde dort Oberkommissarin. Seit ein paar Monaten ist sie ein Fernsehstar. Montags bis freitags ist Daniela Stamm ab 17.30 Uhr in einer der Hauptrollen in der SAT1-Krimiserie „K11 - Die neuen Fälle“ zu sehen. „Ich hätte es mir nie verziehen, ein solches Angebot nicht angenommen zu haben, auch wenn ich erst absagen wollte“, sagt die 39-Jährige.

Sie spielt nun unter ihrem Mädchennamen die Kommissarin Daniela Stamm und ermittelt in Mordfällen an der Seite der Kommissare Michael Naseband und Alexandra Rietz.

Weilburgerin wird TV-Star: Alles hat sich verändert

Und das hat alles verändert: Vorher war das Leben für die Weilburgerin wirklich gefährlich. Als eine Art verdeckte Ermittlerin arbeitete sie für die Polizei undercover in der Drogenszene. Mittlerweile musste sich die verheiratete Mutter dreier Kinder aufgrund der intensiven Dreharbeiten in München zwischen Polizeidienst und Schauspielerei entscheiden und hat nach reiflicher Überlegung bei der Polizei um ihre Entlassung gebeten. „Sollte die Serie irgendwann aber mal enden, möchte ich auf jeden Fall zur Polizei zurückkehren“, sagt sie. Zu ihren Vorgesetzten im Polizeipräsidium Mittelhessen habe sie nach wie vor einen guten Draht.

„Fernsehstar zu werden, war nie mein Ziel“, sagt Daniela Stamm. Eine Castinganfrage habe sie zunächst abgesagt. Doch ihre Freundinnen hätten sie bekniet, sich solch eine Riesenchance nicht entgehen zu lassen. Ihre Kinder hätten sie überzeugt: „Mama, mach‘s. Das ist viel weniger gefährlich, als Polizistin zu sein.“

Ihre Privatsphäre möchte Daniela Stamm unbedingt schützen. Das Einzige, was sie darüber sagt: Dass ihr Mann auch Polizist sei und ihr daheim mit den Kindern wunderbar den Rücken freihalte. Dafür sei sie ihm genauso dankbar wie den Vorgesetzten und Kollegen ihrer Polizeistation, die sie immer unterstützt hätten, solange sie noch zweigleisig unterwegs war. Wenn Daniela Stamm kurzfristig zum Dreh weg musste, hätten Kollegen wie selbstverständlich Schichten für sie übernommen. Im Gegenzug legte Daniela Stamm Sonderschichten ein, wann immer es ihr möglich war. Irgendwann sei aber alles zu viel geworden, und sie hätte eine Entscheidung treffen müssen: Polizei oder Fernsehen. Nicht so einfach, da auch die Weilburgerin weiß, dass eine Serie bei sinkenden Quoten jederzeit enden oder eine Rolle irgendwann wegfallen kann. Beurlauben bei der Polizei ging aber nicht mehr. Also ist Daniela Stamm vorerst freiberufliche Künstlerin.

Wie alles begann? Daniela Stamm erzählt, dass ihr früher das Selbstbewusstsein für einen Job bei der Polizei fehlte. Dann habe sie auf der Straße aber zwei Polizistinnen in Uniform gesehen, die zusammen Streife gingen und sei fasziniert gewesen von deren Ausstrahlung: „Stark, mutig, hilfsbereit.“

Limburg-Weilburg: Weilburgerin wird TV-Star - Kameradschaft erlebt

Sie sei dann in der Ausbildung „richtig aufgeblüht“, sagt Daniela Stamm. Sie habe neue Freunde kennengelernt, Kameradschaft erlebt und sich durchgeboxt. Bei der Bereitschaftspolizei wurde sie Gruppenführerin und war bundesweit bei Großveranstaltungen von Demonstrationen bis Fußballspielen im Einsatz. Als eine Art verdeckte Ermittlerin tätigte Stamm gar Drogen-Scheinkäufe. „In eine bedrohliche Situation bin ich schon geraten, musste jedoch nie um mein Leben bangen. Du weißt aber im Einsatz nie, was dich erwartet“, sagt sie. Es könne immer sein, dass man jemanden kontrolliert und der plötzlich eine Waffe ziehe. „Streifendienst ist einer der gefährlichsten Berufe.“ Es gab körperliche Auseinandersetzungen, Stamm musste auch mal die Waffe ziehen. Verletzt hat sie sich jedoch nur mal beim Training mit Kollegen: Eine gebrochene Nase war das Resultat.

Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Polizistinnen aufgebrachte Männer in manchen Situationen eher besänftigen können, als männliche Kollegen. Daniela Stamm erinnert sich an einen Einsatz: Ein Mann war ausgerastet, als sie und eine Kollegin bei ihm eintrafen, schimpfte der Angreifer los: „Jetzt nehme ich hier das ganze Haus auseinander und die schicken zwei Weiber.“ Danach sei die Lage entschärft gewesen.

Von alleine hätte sich Daniela Stamm nicht beim Fernsehen beworben. Doch sie hatte einen Kollegen, der echte Polizisten als Polizeikomparsen für diverse Fernsehformate vermittelte. „Denn die wirken in den Szenen natürlich glaubwürdiger, als in der Polizeiarbeit völlig unbedarfte Darsteller.“ So kam die Weilburgerin vor sieben Jahren zu ihren ersten TV-Drehs für die Reihe „Straßencops“. Doch irgendwann war die Sache vorbei, Stamm bekam ihr drittes Kind und hatte das Fernsehthema eigentlich abgehakt. Da der Anruf von der Produktionsfirma Constantin Entertainment, ob sie sich vorstellen könne, bei der Neuauflage von „K11“ mitzuwirken. Zunächst wimmelte sie den Anrufer ab. Doch sie schaute sich ein paar alte Folgen an und ging dann doch zum Casting nach München. Als Stamm dort ankam, sah sie viele andere Bewerber, deren Gesichter sie schon aus dem TV kannte. „Da standen beim Casting also unter anderem die Miss Germany, zwei Bachelor-Teilnehmer und die Dani aus Weilburg“, erzählt sie lachend. Sie habe nie gedacht, dass sie eine echte Chance auf eine Hauptrolle habe. Doch es kam der Anruf, dass sie unter den letzten vier Bewerbern sei und irgendwann hieß es: „Du bist dabei.“

40 Folgen waren zunächst ein überschaubarer Zeitraum. Nach einem Gespräch mit ihren Vorgesetzten, die ihr freie Hand ließen, konnte sie zusagen. Doch nach der ersten Staffel kamen die zweite und die Staffel. Und irgendwann ging es einfach nicht mehr, Polizistin und Schauspielerin gleichzeitig zu sein. Daniela Stamm sagt, sie sei dankbar, dass ihre ersten Bedenken, dass es mit Familien und tagelangem Drehen in München schwer wird, unbegründet waren. Ihre Familie halte zusammen.

„Ich führe aber jetzt keineswegs ein Glamourleben. Wir werden manchmal um 6.30 Uhr in unseren Apartments abgeholt und drehen oft bis 19 Uhr.“ In einer Woche müssten vier Folgen im Kasten sein. Das sei ein ordentliches Tempo, das körperlich und geistig anstrengend sei. Da bleibe kaum Zeit, vorher die Texte komplett zu lernen. Die würden dann jeweils vor dem Dreh noch mal schnell aufgefrischt.

Ist sie denn als Schauspielerin dieselbe Polizistin wie im echten Leben? „Die echte Daniela Stamm ist jemand, der sich bei Verhören öfter mal zurücknimmt und zuhört. Fürs Fernsehen wäre es aber eher schlecht, wenig zu sagen.“

Sich zum ersten Mal bei „K11“ zu sehen, war für Stamm nicht so schön: „So sprichst Du also, bewegst Du dich, Dani“, sprach sie zu sich selbst. „Es wurde aber von Woche zu Woche besser“, sagt sie. Und ihr Umfeld sei von der Fernseh-Dani gleich begeistert gewesen. Im Fernsehen zu sein, sei nicht so einfach, „weil man öfters mit anderen Augen gesehen wird“. Als die Person im Fernsehen und nicht als die echte Daniela, als normaler Mensch.

TV-Star aus dem Kreis LImburg-Weilburg: Ein Vorbild für junge Mädchen

Und sie hat jede Menge Fans, sogar einige, die zu den Drehorten fahren und Stunden für ein Selfie oder ein Autogramm von „Dani“ ausharren. Worüber sie sich am meisten freut, sind Mails von jungen Mädchen, die sie als Vorbild sehen und fragen, wie sie es zur Polizei schaffen könnten.

Daniela Stamm sagt, sie sei zufrieden, dass die Polizeiarbeit im „K11“ auf glaubhaftem Niveau stattfinde. Jeder im Team wolle das Beste herausholen, auch wenn man nicht das Budget und die Zeit wie bei einem „Tatort“-Dreh habe. Natürlich sei im Fernsehen nie echte Polizeiarbeit zu sehen, „denn die Zuschauer wollen Emotionen und Spannung sehen und nicht, wie jemanden Akten liest“. Von daher dürfe man im Fernsehen dann auch schon einmal vor dem SEK in eine Wohnung stürmen, was im echten Leben keiner riskiere.

Was Daniela Stamm als neuer „Neu-Promi“ noch lernen musste: Immer wieder neue Themen für ihre Instagram-Kanal zu finden. „Ich bin ja Polizistin und keine Influencerin“, sagt sie. Aber sie ist sehr stolz, dass ihr jeden Tag um 17.30 Uhr mehr als eine Million Menschen zuschauen.

Daniela Stamm sieht ihr Fernseh-Engagement auch als Chance, andere Frauen zu ermutigen, ebenfalls selbstbewusst in einer oft noch von Männern dominierten Welt ihren Weg zu gehen. Die Weilburgerin ist glücklich, dass der Zufall ihr den Weg vorgegeben hat. „Wer wird denn schon gefragt, ob er mit Michael Naseband und Alexandra Rietz bei „K11“ als Hauptdarstellerin mitspielen will?“ Da könne man nicht einfach nicht „Nein“ sagen, sagt Daniela Stamm. Wer noch Fragen an sie hat, erreicht die Schauspielerin über ihren offiziellen Instagram-Kanal www.instagram.com/dani_stamm.

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