1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Weilburg

Nachts lebt die Straße: jedes Jahr etwa 800 Wildunfälle im Kreisgebiet

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Fahrer eines Audi A4 ist bei der Kollision mit einem Wildschwein im März 2017 auf der Landstraße leicht verletzt worden. Das Tier verendete nach dem Zusammenstoß neben dem Leitpfosten.
Der Fahrer eines Audi A4 ist bei der Kollision mit einem Wildschwein im März 2017 auf der Landstraße leicht verletzt worden. Das Tier verendete nach dem Zusammenstoß neben dem Leitpfosten. © Sven-Sebastian Sajak

Etwa 800 Wildunfälle werden der Limburger Polizei jährlich im Kreis gemeldet. Die Gefahr, mit einem Tier zu kollidieren, besteht flächendeckend. Betroffen sind nahezu alle Straßen außerhalb der Ortschaften. Experten schätzen die Zahl der Unfälle sogar noch viel höher und haben Überlegungen, was dagegen getan werden könnte.

Auf den Straßen des Landkreises gibt es keine Schonzeit: Etwa 60 bis 70 Wildunfälle zählt die Polizei in jedem Monat – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. „Das sind maximal ein Drittel der Unfälle“, schätzt Hilmar von Schenck. Und er muss es wissen. Als Kreis-Jagd-Berater hat er einen genauen Überblick über das Geschehen und die Unfälle in Wald und Flur.

Kommt es im Kreis Limburg-Weilburg also in Wirklichkeit zu mehr als 2400 Unfällen mit Tieren jedes Jahr? „Eine irre Zahl“, sagt auch Hilmar von Schenck, doch genau wie die Experten der Polizei weiß er aus Erfahrung, dass die meisten Unfälle eben nicht gemeldet werden. Gerade bei kleineren Zusammenstößen oder wenn Alkohol im Spiel ist, verzichten viele Autofahrer lieber darauf, die Polizei einzuschalten. Sie fürchten, selbst in den Fokus der Beamten zu geraten.

Dramen spielen sich ab

Die Folgen für die betroffenen Tiere sind dann oft qualvoll. „Da spielen sich Dramen ab“, sagt Schenck und berichtet von Jungtieren, die nach dem Tod der Mutter „qualvoll verhungern“. Er appelliert daher an die Autofahrer, auf keinen Fall einfach weiterzufahren: „Ich würde es mir wünschen, dass jeder Unfall gemeldet wird und ein Jäger die Tiere erlösen kann.“

Damit ein Suchhund das verletzte Tiere finden kann, sei es aber notwendig die genaue Unfallstelle zu kennen. Der Hinweis, dass man ein Tier irgendwo zwischen zwei Ortschaften angefahren habe, reiche da nicht aus. Und wenn der Fahrer schon keine Zeit habe, an der Unfallstelle zu warten, dann solle er wenigstens die Unfallstelle markieren – zum Beispiel mit einem in den Boden gesteckten Stock, an dem eine Tüte oder ähnliches befestigt ist. Die Angst, in der Folge auf irgendwelchen Kosten sitzen zu bleiben, sei unbegründet, betont Hilmar von Schenck. Noch lieber wäre es ihm als Kreis-Jagd-Berater natürlich, wenn es im Landkreis Limburg-Weilburg erst gar nicht so viele Wildunfälle gäbe. „Doch leider ist die Sensibilität der Autofahrer für dieses Problem extrem unterentwickelt“, klagt Schenck. Dabei sei völlig klar: „Wenn ich mit 100 Kilometern pro Stunde durch den Wald brettere, habe ich doch gar keine Chance wenn plötzlich ein Tier vor mir auftaucht.“

Doch selbst wer deutlich langsamer fährt, ist im Falle eines Falles nicht auf der sicheren Seite. So hatte Hilmar von Schenck selbst auch schon einen Zusammenstoß mit einem Tier – und das fast bei Schrittgeschwindigkeit. „Die Reaktion des Wildes ist eben nicht berechenbar“, erklärt der erfahrene Jäger. Selbst wenn das Tier das Auto sieht, heiße das noch lange nicht, dass es nicht doch in letzter Sekunde vor das Auto statt in den Wald springt. Hinzu komme der Grundsatz, dass Wild selten allein ist. Wo ein Tier am Straßenrand steht, warten mit großer Sicherheit weitere im Unterholz.

CDs und Zäune eher nicht

Die Idee, die Zahl der Unfälle durch Zäune entlang der wichtigsten Straßen zu senken, scheitert nach Angaben von Schenck zum einen an den Kosten und zum anderen an den dafür benötigten Genehmigungen. Diese für Wildzäune zu bekommen, sei gar nicht so einfach, erklärt Schenck, weil damit die durchaus gewollte „Wanderbewegung des Wildes“ verhindert würde.

Und auch bei der Zustimmung zu anderen Maßnahmen sind die zuständigen Behörden generell eher zurückhaltend. So werde das Aufhängen von alten CDs, die das Licht der Scheinwerfer in den Wald reflektieren, inzwischen als „illegale Abfallentsorgung“ geahndet und auch die mit Hilfe des Landkreises Limburg-Weilburg angeschafften Reflektoren sollen verschwinden. „Laut Hessen Mobil wirken die angeblich nicht“, sagt Kreis-Jagd-Berater Schenck, der dieser Einschätzung allerdings nicht folgen mag: „Das entspricht nicht meinen Erfahrungen.“

Größte Sorge bereitet Hilmar von Schenck jedoch die Situation an der Autobahn 3 im Bereich des Elzer Berges: „Da passieren auffallend viele Wildunfälle und trotzdem passiert da gar nichts.“ Dass von der früher einmal an dieser Stelle geplanten Wildbrücke inzwischen niemand mehr rede, ist für ihn angesichts der Unfallzahlen unbegreiflich. Das Thema müsste unbedingt wieder aufgegriffen werden. Unbeantwortet blieb leider auch eine von dieser Zeitung angefragte Stellungnahme von Hessen Mobil zum Thema Maßnehmen gegen Wildunfälle. Falls sie zu späterer Zeit eintrifft, werden wir unserer Leser selbstverständlich darüber informieren.

Auch interessant

Kommentare