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Eine großartige Künstlerin, die bescheiden auftritt: die Pianistin Olga Scheps.

Klavierabend

Olga Scheps verzaubert das Publikum bei ihrem Schlosskonzert

Sie spielt Klavier, als ginge es um ihr Leben: Die 32-jährige Pianistin Olga Scheps begeisterte während der Weilburger Schlosskonzerte mit ihrem Auftritt ihr Publikum aus mehreren Gründen.

Ein ganzer Abend mit hervorragender Klaviermusik: Die junge Pianistin Olga Scheps hat das Publikum in der ausverkauften Unteren Orangerie total begeistert. Zwei Stunden fackelte sie ohne Noten ein Klavierfeuer ab und haute dabei oft ganz ordentlich in die Saiten. Voll konzentriert, tief in ihr Spiel versunken und doch mit einer unglaublichen Leidenschaft und Glut interpretierte sie Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Alexander Skrjabin und schließlich eine wunderbare Klavierbearbeitung der „Nussknacker-Suite op. 71a“ von Pjotr Tschaikowski.

Gebannt lauschten die Menschen, viele hatten die Augen geschlossen und gaben sich ganz dem Spiel der 32-jährigen Ausnahmepianistin hin. Sie spielte, als ginge es um ihr Leben. Dabei beeindruckte sie einmal mehr mit dem für sie so berühmten harten Anschlag. „Wie schafft sie es, das alles auswendig zu spielen?“, fragten sich viele in der Pause. „Wie bewältigt sie ein solches Pensum an Musik körperlich? Woher nimmt sie diese Kraft für diesen Anschlag?“

Sie forderte dem Steinway einiges ab, aber der schien es zu genießen, dass er so richtig ausgespielt wird. Scheps schien während ihres Vortrags im Rausch der Saitenklänge, beschwörte ein Tastengewitter nach dem anderen herauf. Dabei gewann sie gerade Mozarts Klaviersonate durchaus auch sanfte Töne ab. Auch in Beethovens Klaviersonate bestach sie durch ein fein abgestuftes Spiel eben zwischen piano und forte, gab Gas in den schnellen Sätzen „Presto“, „Menuetto. Allegro“ und „Rondo. Allegro“, während sie das langsame „Largo e mesto“ voll auskostete. Ihr Spiel ist emotional und diese Intensität übertrug sich auf die Zuhörer. Die waren gebannt, konnten kaum glauben, was sie da sehen und hören und spendete begeisterten Applaus. Bescheiden nahm Scheps den Beifall entgegen, legte eine Hand aufs Herz und verneigte sich.

Auch diese natürliche Bescheidenheit trägt dazu bei, dass man diese Frau bewundern muss. Bewundern für ihre immense Begabung, ihr glutvolles Spiel, aber auch dafür, dass sie auf dem Boden geblieben ist und sich darüber freut, dass dem Publikum ihr Spiel so gut gefällt. Auch wenn man meinen sollte, dass sie nach diesem Programm total fertig sein müsste, gab sie mit einem Stück von Sergej Prokofiev noch eine sehr schwungvoll akzentuierte Zugabe mit zahlreichen Jazz-Anklängen. Und immer noch in großer Spiellaune, trug sie tatsächlich noch einmal das letzte Stück aus der „Nussknacker-Suite“ „Andante maestoso“ vor.

Der ganze Abend war ein einziger Genuss! Bravo Olga Scheps!

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