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Rudi Ziehn versorgt die Elche mit Proßholz. So nah kommen Besucher allerdings nicht an die großen Wiederkäuer heran.

Weilburger Tiergarten

Mit dem Pfleger durch den Wildpark

Otter, Wildschwein und Elche: Der Arbeitstag eines Tierpflegers könnte kaum abwechslungsreicher sein. Doch nicht nur Füttern und Pflegen gehört zu den Aufgaben – auch die Jagd ist Teil der Arbeit im Weilburger Tiergarten.

„Ohne Wenn und Aber: Ich habe einen tollen Job!“ sagt Rudi Ziehn. Als Quereinsteiger gehört er seit gut fünf Jahren zum Team der Tierpfleger des Weilburger Tiergartens. Von den gewaltigen Braunbären mit 250 Kilogramm Lebendgewicht bis zur winzigen Wüstenrennmaus, Luchse, Wölfe, Fischotter, Rot- und Schwarzwild: Hunderte Tiere hat er täglich zu versorgen. Auch die Pflege der Parkanlage an sich mit ihren Bänken, Zäunen, Wegen und Aussichtsplattformen gehört zu seinem Aufgabengebiet.

Um 7 Uhr beginnt die Arbeit im Weilburger Wildpark. Wenn Rudi Ziehn und seine beiden Kollegen die anstehenden Tagesaufgaben besprochen haben, warten die meisten Vierbeiner schon freudig auf ihre Tagesration. Kaum hat Ziehn sein Fahrzeug neben dem Teich der Fischotter abgestellt, rennen die possierlichen Wassermarder aufgeregt unterhalb ihres Zaunes hin und her und richten sich bettelnd auf.

Einen Augenblick später wirft der Pfleger zwei Fische ins Wasser und mit einem eleganten Kopfsprung jagen die kleinen Raubtiere hinterher. „Unsere Fischotter sind die einzigen Tiere im Park, die zweimal pro Tag Futter bekommen“, sagt der Tierpfleger. Sie hätten einen unheimlich schnelllebigen Stoffwechsel und einen täglichen Futterbedarf von 10 Prozent ihres Körpergewichts.

Ganz anders die beiden Braunbären; deren Stoffwechsel sich bereits auf die Winterruhe eingestellt hat. „Richtigen Winterschlaf machen die Tiere hier nicht, aber sie können an einem Stück mehrere Tage verdösen und fressen auch deutlich weniger als im Sommer“, erklärt Ziehn. Die Pflege der Bären sei aufwendig, denn sie haben zusätzlich zum Freigehege auch einen Käfigbereich zum Fressen und Übernachten, der täglich sauber gemacht wird. „Zwar hat jeder Bär eine eigene Schlafbox, aber die benutzen sie nicht. Stattdessen kuscheln sich die großen Tiere in einer gerade mal 1,50 mal 1,50 Meter großen, mit Heu ausgelegten, Kuhle eng zusammen“, so der Pfleger.

Bären ernähren sich zu 80 Prozent vegetarisch, ihre Lieblingsspeise sind Früchte und Gemüse. Dabei beweisen sie sich als Feinschmecker. „Tomaten mögen sie nur zur Hauptsaison, wenn sie richtig aromatisch sind“, erzählt Ziehn, „dafür freuen sie sich zurzeit besonders über Weintrauben“. Der Wildpark darf von einem Discounter aus der Nähe alles unverkäufliche Obst und Gemüse kostenfrei abholen. „Dafür sind wir sehr dankbar; der Bedarf summiert sich nämlich auf weit über 20 000 Euro, müssten wir die Ware kaufen.“

Angst vor dem Jäger

Weiter geht es zu den Wildschweinen. Der Pfleger verteilt einen Eimer voll Mais, einen zweiten mit eiweißhaltigem Ferkelfutter und jede Menge altes Brot und Brötchen. Trotzdem lassen sich die Schwarzkittel nicht blicken. „Vorige Woche haben wir damit angefangen, den Wildbestand zu reduziert“, erklärt Rudi Ziehn, das werde regelmäßig gemacht. Derzeit leben etwa 60 Wildschweine im Park, die Zahl müsse runter auf 25. Deshalb sei wichtig, dass auch einer der Tierpfleger zum Jagen lizensiert sei. „Die intelligenten Tiere haben den Schreck noch nicht überwunden und assoziieren meinen Futterwagen mit dem Jäger“, erklärt Ziehn, deshalb würden sie sich verstecken.

Die Luchse haben nichts zu befürchten und erwarten den Tierpfleger freudig. Für jede der großen Katzen gibt es ein Stück Rindfleisch, das zusätzlich mit einem Mineralpulver bestreut ist, um dem Nährstoffbedarf der Tiere gerecht zu werden. Auch die scheuen Wölfe bekommen angereichertes Fleisch.

Nachdem Ziegen und Kleinnager ihre Rationen bekommen haben, sind die Elche dran. „Die mächtigen Wiederkäuer sind echte Naschkatzen“, sagt ihr Pfleger. In freier Natur würden sie niemals eine ganze Wiese abgrasen, sondern nur ausgewählte Blumen und Kräuter knabbern. „Im Gehege können wir das nicht bieten, stattdessen bekommen die Elche eine spezielle Futtermischung und zusätzlich Proßholz, das sind frisch geschlagene Weidenäste samt Rinde und Knospen“, erklärt der Fachmann.

Vier bis fünf Stunden verbringt Rudi Ziehn täglich mit dem Füttern. Dabei schaut er auch, ob mit seinen Schützlingen alles in Ordnung ist. „Ehe ein Tier sich eine Krankheit oder Verletzung anmerken lässt, ist das Problem meist schon gewaltig“, weiß er. Selbst eine Schwangerschaft ist nicht immer erkennbar. „Bei den Auerochsen hatten wir die Hoffnung auf Nachwuchs längst aufgeben, als wir eines Morgens ein Kalb in der Herde entdeckten“, erinnert sich Ziehn.

Die Arbeit im Park beinhaltet auch die Pflege der Anlagen vom Rückschnitt der Sträucher über die Erneuerung von Zäunen bis zum Säubern der Otterteiche. Außerdem betreuen die Tierpfleger Ferienspiele, richten Themenwanderungen durch die Anlage aus und stehen natürlich stets als Ansprechpartner für die Besucher zur Verfügung.

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