„Kunst muss einem nichts sagen“

Rosenhang-Museum will auch Neulinge anlocken

Lichtlose Räume, Museums-Mief, unverständliche Kunst – so etwas gibt es im neu eröffneten Rosenhang-Museum in Weilburg nicht. Denn Antje Helbig und ihr Mann Joachim Legner haben es unter das Motto „Kunst für alle“ gestellt. Um die Hemmschwelle für Neulinge weiter abzubauen, hat NNP-Redakteurin Sarah Bernhard den beiden sechs Fragen gestellt, die geklärt sein müssen, bevor man zum ersten Mal einen Fuß ins Museum setzt.

Lichtlose Räume, Museums-Mief, unverständliche Kunst – so etwas gibt es im neu eröffneten Rosenhang-Museum in Weilburg nicht. Denn Antje Helbig und ihr Mann Joachim Legner haben es unter das Motto „Kunst für alle“ gestellt. Um die Hemmschwelle für Neulinge weiter abzubauen, hat NNP-Redakteurin Sarah Bernhard den beiden sechs Fragen gestellt, die geklärt sein müssen, bevor man zum ersten Mal einen Fuß ins Museum setzt.

„Persönliche Bereicherung“, sagt Helbig. „Alle, die bisher hier waren, waren total geflasht.“ Weil das Museum deutlich größer ist als es aussieht. Weil hier keiner Werke von Künstlern wie Gerhard Richter oder bald Andy Warhol erwartet. Weil nicht nur die Werke sprechen, sondern auch die Räume, denen man ansieht, dass sie früher ein Silo, ein Bier-Lager oder eine Abfüll-Halle waren. „Wir wollen zeitgenössische Kunst erlebbar machen, auch durch die Verbindung zum Gebäude“, sagt Legner. 13 Räume gibt es, sie alle sind unterschiedlich groß, hoch und hell. Galerist Michael Schultz habe wochenlang überlegt, wo und wie welches Kunstwerk hängen soll. Jetzt wandert man vom Ex-Silo voller schreiender Farben ins ehemalige Brau-Stüberl, wo sanfte, impressionistische Farbtöne dominieren, schaut mit Figuren von Stephan Balkenhol auf Bilder von Gerhard Richter oder kommt im ehemaligen Bier-Lager bei den riesigen Klangglocken der koreanischen Künstlerin SEO zur Ruhe.

„Ich find’s toll, da durchzugehen“, sagt Legner. „Die Werke hängen an der Wand, statt im Depot zu liegen, sind richtig beleuchtet, ich entdecke immer wieder Neues.“ Antje Helbig grinst. „Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich an dem Porzellan-Schweinchen vorbeikomme. Man fragt sich zwar, was der Künstler sagen wollte, aber es ist toll.“

„Viele Museen wollen dem Betrachter nicht zu viel verraten. Da geht man dann raus wie ein Doofie“, sagt Legner. Sein Museum soll anders sein. Deshalb stehen neben jedem Werk Name, Titel, Technik und Entstehungsjahr. Zudem gibt es über jeden Künstler eine Kurzbiografie für den ersten Eindruck. Wer tiefer einsteigen will, kann den Ausstellungskatalog nutzen, der auch ein Buch zur Einführung ist. Und wer noch mehr wissen möchte, für den gibt es im Erdgeschoss zu jedem Künstler Fachliteratur. Eigentlich gehe es aber gar nicht um Verständnis, sagt Legner. „Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen, aber Kunst muss einem nichts sagen. Es reicht, wenn sie einem gefällt.“ Und auch den Künstlern sei egal, ob die Betrachter sie verstünden. „Der Künstler macht, was aus ihm raus muss.“

„Wir haben ein paar Alte Meister, aber die wirken oft ein bisschen depressiv“, sagt Helbig. „Dann haben wir entdeckt, wie farbenfroh und fröhlich moderne Kunst ist, und dass sie uns persönlich besser gefällt.“ Jetzt will das Ehepaar zeigen, wie unterschiedlich zeitgenössische Kunst sein kann. „Figurativ, abstrakt, mit Öl, Acryl, aus Bronze oder Holz, Kunst hat heute unglaublich viele Facetten.

„Alle Künstler, die wir ausstellen, haben Kunst studiert“, sagt Helbig, viele hätten Preise gewonnen oder Lehrstühle inne. „Die Künstler, die wir ausstellen, wissen, was sie tun.“  

Joachim Legner lacht. „Weil wir ein Alleinstellungsmerkmal brauchten“, sagt er. Das habe ihnen ein Galerist empfohlen. Und tatsächlich sei das Rosenhang-Museum das einzige goldfarbene Gebäude Deutschlands. „Das ist die Westseite. Wenn abends die Sonne draufscheint, erstrahlt das Gebäude, als ob es richtiges Gold wäre.“

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