Eifrig bei der Arbeit: Schülerinnen des Philippinums reinigten die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof.
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Eifrig bei der Arbeit: Schülerinnen des Philippinums reinigten die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof.

Engagierte Schüler

Weilburg: Gräber zeugen von Menschen und ihren Geschichten

Schüler des Gymnasiums Philippinum setzen sich für die Pflege des jüdischen Friedhofs ein

Weilburg -In idyllischer Umgebung gut versteckt und ein Ort, der Ruhe ausstrahlt: Weilburgs jüdischer Friedhof befindet sich zwar in unmittelbarer Nähe zum Gymnasium Philippinum, ist aber nicht einfach zu entdecken. Denn hohe Bäume und benachbarte Gärten mit teilweise wunderbaren Biotopen bilden neben dem Gymnasium eine ganz besondere Natur- und Ruhezone.

Nachdem Thorsten Rohde, Lehrer und Fachbereichsleiter am Gymnasium, den Friedhof mit einer Schülergruppe besucht hatte, beschloss er, sich diesem wichtigen Zeitzeugnis besonders zu widmen. So möchte er mit den Klassen die Geschichte erkunden, den Erhalt fördern und aktive Erinnerungsarbeit leisten. Gemeinsam mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Limburg wurde die Idee geboren, den Friedhof mit weiteren Schülergruppen zu besuchen.

Am Mittwoch fand nun eine erste Reinigungsaktion durch die Schülerinnen und Schüler statt - begleitet vom Besuch einiger Gäste: Schulleiter Stefan Ketter und Thorsten Rohde begrüßten Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch, Professor Dr. Klaus Werner vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen, Diana Rele Mirjam Hörle, geborene Levin, die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, mit ihrem Gatten Bernhard Hörle sowie vom Geschichtsverein Weilburg der Heimatforscher und Autor Joachim Warlies und der ehemalige Bürgermeister Hans-Peter Schick.

Der Friedhof wurde 1751 als neuer jüdischer Friedhof angelegt. Der bis zu diesem Zeitpunkt genutzte Friedhof im Haingraben an der Stadtmauer war voll belegt. Der neue Friedhof wurde 1886 mit einer Mauer umgeben. Das letzte Begräbnis fand 1936 statt. Nach 1937 wurde ein noch freistehender Teil des Friedhofs verkauft. Zahlreiche Grabsteine wurden als Baumaterial verwendet. Von den ursprünglichen rund 300 Gräbern sind heute auf den noch vorhandenen 1240 Quadratmetern etwa 100 Grabstätten erhalten. Auf dem Friedhof befinden sich auch ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Weilburger Bürger sowie ein Denkmal zur Erinnerung an die jüdischen Einwohner der Stadt Weilburg, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung geworden sind.

Gegen Antisemitismus einsetzen

Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch sagte: "Der Jüdische Friedhof in Weilburg zeigt eindrücklich die Verbundenheit der Stadt und des Gymnasiums mit der jüdischen Geschichte und der Geschichte der Juden in Weilburg. Die Stadt Weilburg ist für die Pflege und den Erhalt des Jüdischen Friedhofs verantwortlich und ich begrüße die Initiative des Gymnasiums und der Schülerinnen und Schüler, sich für den Friedhof zu engagieren, ausdrücklich. Hierfür gilt allen Beteiligten mein herzlicher Dank".

Professor Dr. Klaus Werner freute sich sehr, dass die Schülerinnen und Schüler aktiv werden. "Solche Projekte sind die Ausnahme, wir unterstützen die Idee ausdrücklich!", sagte er.

"Putzen alleine reicht nicht", sagte Diana Rele Mirjam Hörle. "Wichtig ist, dass alle mitmachen und sich gegen Antisemitismus einsetzen. "Ihr seid die nächste Generation, ihr alleine habt die Zukunft in der Hand", fügte die engagierte Frau an und überreichte 300 Euro an Thorsten Rohde mit den Worten, "gehen Sie alle zusammen mal ein Eis essen beispielsweise". Auch als die jungen Frauen und Männer mit ihrer Arbeit begannen, ging sie durch die Reihen und erzählte von früher, gab Hinweise zu Gräbern und sagte: "Schauen Sie mit offenen Augen, was Ihnen hier begegnet: Menschen und ihre Geschichten." Die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sprach auch davon, dass ein jüdischer Friedhof für die ewige Ruhe der Menschen stehe und deshalb keine Gräber jemals abgeräumt würden. Irgendwann seien sie dann so alt, dass es keine Hinterbliebenen mehr für die Grabpflege gebe.

Die jungen Frauen und Männer waren eifrig beim Putzen und Erkunden der Grabsteine, dabei begleitete sie fachmännisch der Steinmetz und Steinbildhauer Christoph Schindler.

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