Jürgen Engel zeigt die in seinem Blühstreifen gerade wachsende und blau blühende Phazelia.
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Jürgen Engel zeigt die in seinem Blühstreifen gerade wachsende und blau blühende Phazelia.

Beispielprojekt vorgestellt

Weilburg: Heimische Landwirte lassen es aufblühen

  • vonRobin Klöppel
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Kreisbauernverband Limburg-Weilburg hat zwei Tonnen Saatmischung ausgegeben. Diese reicht für eine Fläche von 200 Hektar.

Weilburg -Der Kreisbauernverband Limburg-Weilburg hat auch in diesem Jahr in der ganzen Region Blühstreifen für Insekten angelegt. Ein Beispielprojekt stellte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Marco Hepp, nun mit Vertretern seines Verbandes, der Politik sowie heimischen Imkern am Hof Tiergarten von Jürgen Engel im Weilburger Stadtteil Hirschhausen vor. Engels Hof umfasst, wie dieser erläuterte, 145 Hektar, von denen 90 Hektar Acker- und der Rest Grünland seien. Zur Anlegung eines Blühstreifens habe er keine Verpflichtung, sagte der Betriebsinhaber. Er bekomme auch keinen finanziellen Ausgleich dafür.

Wie Jürgen Engel sagte, beteilige er sich aber gerne an der Blühstreifen-Aktion, um den Erhalt der Insekten zu unterstützen. "Ich erfreue mich ja selbst an dem Leben auf dem Blühstreifen, immer wenn ich abends auf dem Weg nach Hause vorbeifahre." Dieses Jahr liegt Engels Blühstreifen in einem der Felder im Bereich "Nasser Wald". Drei Meter breit sei er dort und 500 Meter lang.

Die gegen Bezahlung auch von Privatleuten beim Bauernverband bestellbare Samenmischung ist so zusammengestellt, dass die Blumen auf dem Blühstreifen stufenweise blühen und Bienen und andere Insekten den ganzen Sommer über genügend Nahrung vorfinden. Gerade blüht die Phazelia sehr schön blau, aber zu den 14 in der Mischung enthaltenen Arten gehören auch Ringel- und Sonnenblume, die Küchenkräuter Dill und Schwarzkümmel wie auch verschiedene Klee- und Wickenarten.

65 Betriebe

machen mit

Laut Hepp habe allein der Kreisbauernverband in diesem Jahr zwei Tonnen der Saatmischung ausgegeben, was für die Bepflanzung von 200 Hektar Fläche ausreiche. Beteiligt hätten sich 65 landwirtschaftliche Betriebe sowie sieben weitere Interessenten, darunter Imker, Jagdgenossenschaften und Privatpersonen.

"Blühstreifen bieten nicht nur Nahrung für Bienen und andere Insekten wie Schmetterlinge und Spinnen, sondern auch Säugetieren wie Feldmaus, Feldhase und Reh durch ihre große Vielfalt an Pflanzenarten Nahrung sowie Lebens- und Rückzugsräume", sagte Hepp. An den Samen der abgeblühten Fruchtstände würden zahlreiche Vogelkarten im Herbst eine gute Futterquelle finden.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes berichtete, dass die Kampagne "Bienenfreundliches Hessen - Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen - Landwirt und Imker sind Partner" bereits im Frühjahr 2017 gestartet sei. Sie sei als freiwilliges Programm zur Förderung der Insekten in der Kulturlandschaft aufgelegt worden, vor allem der verschiedenen Bienenarten. "Bienen sind kleine Insekten von großer Bedeutung. Rund 80 Prozent aller heimischen Blühpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen oder andere Insekten angewiesen", sagte Hepp. Auch bei Raps benötigten die Landwirte Unterstützung durch Bienen.

Futterlücke

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Nach Ende der Obst- und Rapsblüte fänden viele Insekten oftmals keine geeigneten Nahrungsquellen mehr, bis die Sommerblumen zu blühen begännen, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Um diese Futterlücke zu schließen, würden die Landwirte freiwillig auf Teilen der Ackerflächen bunt blühende Pflanzen säen, die auch im Herbst noch ihre Blüte zeigten.

Mittlerweile seien nicht nur an Feldrändern, sondern auch an Straßen blühende Flächen zu finden, sagte Hepp. Gemeinsam mit der Landjugend Limburg-Oberlahn habe das Team des Kreisbauernverbandes beispielsweise den Verkehrskreisel in der Offheimer Kapellenstraße gemulcht, neue Erde aufgebracht und anschließend das Saatgut verteilt. "Als kleiner Vorgeschmack auf den zu erwartenden Blütenreichtum lockten leuchtend orange blühende Tagetes und rote Mohnblumen erste Insekten an", so Hepp.

Der Weilburger Stadtrat Christian Radkovsky (SPD) sagte, dass Weilburg ein Bildungsstandort sei. Von daher findet er es richtig, wichtige Projekte wie dieses auch der Öffentlichkeit zu erläutern. Und was sagen die Imker dazu? Peter Stecker, Vorsitzender des Imkervereins Hadamar-Dornburg sagte, "das ist ein guter Anfang und verbessert die Pollenversorgung der Insekten". Natürlich könne man immer noch mehr tun.

Stecker würde sich wünschen, dass die Blühflächen länger stehen blieben und nicht gleich wieder gemulcht werde, was alle Blumen und Kleintiere zerstöre. Am besten wäre es aus Steckers Sicht, die Blühflächen mehr an Maisfelder zu stellen, die im Gegensatz zu anderen Feldfrüchten erst Ende September abgeerntet würden.

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