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Die Vorstandsmitglieder von "Weilburg erinnert" vor ihrem Erinnerungs-Schaufenster in der Weilburger Marktstraße 5: Markus Huth (von links), Manfred Schiebel, Martina Hartmann-Menz, Martina Zimmermann, Bärbel Kamphausen-Muser.

Versammlung

Weilburg: Kunstvolle Einblicke in die Vereinsarbeit

"Weilburg erinnert" will mit neuem Schaufenster auf seine Projekte aufmerksam machen

Weilburg -Der Verein "Weilburg erinnert" zog zwei Jahre nach seiner Gründung eine erfolgreiche Bilanz seines Einsatzes zur Pflege der Erinnerung und für die Demokratie. Folgerichtig wählten die Mitglieder auf ihrer Jahresversammlung einstimmig ein Team um den Vorsitzenden Markus Huth wieder. Auch kann die Öffentlichkeit ab sofort im kunstvoll gestalteten Schaufenster des ehemaligen Cafés Ententeich in der Marktstraße 5 Einblick in aktuelle Projekte nehmen.

Vor der Mitgliederversammlung weihte der Vereinsvorstand im Beisein einiger interessierter Bürger der Stadt sein "Erinnerungsschaufenster" ein. Mediengestalterin Judika Dragässer ("judikARTS") sorgte für das Design, Roger Stoll ("WerbeXPress") aus Merenberg für Druck und Anbringen der Folien und Andreas Müller für das beziehungsreiche Hintergrundfoto mit Weilburger Pflastersteinen. Künftig werden hier die Vereinsaktivitäten dokumentiert und aktuelle thematische Aushänge auf Projekte neugierig machen.

Markus Huth dankte den öffentlichen und privaten Sponsoren: Land Hessen, Kreissparkasse Weilburg, Frankfurter Volksbank, Weilburger Forum, katholische Kirchengemeinde Heilig Kreuz Oberlahn, Landrat Michael Köberle und Thomas Joswig sowie der Hausbesitzerin Angela Schröder, deren Café auch immer der Ort für Vorstandssitzungen war.

Markus Huth berichtete in der Mitgliederversammlung von nachhaltig wirksamen Aktionen im vergangenen Jahr und zählte dazu die zahlreichen positiven Rückmeldungen nach zwei Theateraufführungen des Stücks über die Grauen der Kindereuthanasie, "Das Schutzengelhaus", vor Hunderten Schülern und nach einer Umfrage in Schulen zum Thema "70 Jahre Grundgesetz der BRD". Letztere führte am 27. Januar diesen Jahres, dem Holocaust-Gedenktag, zur Installation einer von dem Villmarer Gerhard Höhler gestalteten Granitplatte mit dem Satz 1 des Grundgesetzes, "Die Würde des Menschen ist unantastbar", angebracht zentral in der Weilburger Altstadt am Gebäude der Kreis- und Stadtbücherei. Auch die Postkarten-Aktion "Da stand die Mauer" zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung in Kooperation mit der bundesweiten Initiative "Gegen das Vergessen - für Demokratie" führte laut Huth zu positiven Feedbacks, vor allem aus den Schulen.

Beeindruckend sei auch am 1. September 2019 eine gemeinsame Gedenkfeier von "Weilburg erinnert", des Geschichtsvereins Weilburg und der Stadt Weilburg gewesen. Auf dem Weilburger Friedhof erinnerten die Teilnehmer an den Beginn des Zweiten Weltkrieges und an den "Euthanasie"-Erlass, der zur massenhaften Ermordung körperlich und geistig behinderter Menschen führte.

Pandemie-bedingt fiel in diesem Jahr ein Vortrag zur Thematik von Dr. Peter Sandner vom Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden zu den "Krankenmorden im Bezirksverband Nassau" aus. Auch der geplante Vereinsausflug zur Gedenkstätte Trutzhain musste verschoben werden.

Nachwahl im nächsten Jahr

Huth dankte ausdrücklich seinen Mitarbeitern im Vorstand "für ihren ehrenamtlichen Einsatz zur Erinnerung an die Gräueltaten des NS- und der SED-Diktatur, den Einsatz für Demokratie und ein weltoffenes und demokratisches Weilburg" Die Kassenprüfer Renate Michel und Walter Eigenbrodt bescheinigten Martina Hartmann-Menz eine ordentliche und übersichtliche Kassenführung. Sie und der Gesamtvorstand wurden einstimmig entlastet, die vorläufige Finanzplanung für 2020/21 angenommen, Anträge auf Fördermittel für Erinnerungsprojekte aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben" sollen wieder rechtzeitig gestellt werden.

Unter der Wahlleitung von Renate Michel wurden wiedergewählt: Markus Huth zum ersten Vorsitzenden, Bärbel Kamphausen-Muser zur Schriftführerin und Martina Zimmermann, Martina Hartmann-Menz und Jürgen Weil zu Beisitzern mit besonderen Aufgaben. Neu als Kassierer rückte Manfred Schiebel in den Vorstand nach. Die Position des stellvertretenden Vorsitzenden blieb zunächst unbesetzt, eine Nachwahl soll bei der Mitgliederversammlung 2021 erfolgen. Die Kassenprüfer bleiben, als Ersatz steht Doris Hagel bereit.

Die Mitgliederversammlung beschloss außerdem, sich der LAG Hessen, der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen, anzuschließen. Die LAG fördert die intensive Kooperation und den regelmäßigen Erfahrungsaustausch ihrer Mitglieder, entwickelt didaktische Konzepte zur Vermittlung der NS-Vergangenheit in Schulen, für die außerschulische Jugendarbeit und die Erwachsenenbildung.

Theateraufführungen in Planung

Der Vereinsausflug soll möglichst 2021 nachgeholt werden, auch das neue Jüdische Museum in Frankfurt gilt als Ziel, oder eine gemeinsame Fahrt mit dem Partnerverein "Wetzlar erinnert" zur Gedenkstätte Breitenau.

Auch hoffen alle, dass die Ausstellung "Hass vernichtet" der Berliner "Politputze" Irmela Mensah-Schramm im nächsten Jahr in eine Weilburger Schule geholt werden kann. Sie zeigt ihre Erfahrungen mit dem Beseitigen von Nazi-Schmierereien und Hassparolen von Laternen und Mauern. In Planung befinden sich noch zwei Theaterveranstaltungen, "Ännes letzte Reise" zum Euthanasie-Thema und "ÜBERdasLEBEN oder mein Geburtstag mit dem Führer" zum Thema Widerstand der "stillen Helden" im Nationalsozialismus.

"Weilburg erinnert" will auch zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November eine Erinnerungsveranstaltung an einem zentralen Erinnerungsort in der Altstadt gestalten, Näheres würde zeitnah angekündigt.

Auch über das "Projekt Stolpersteine" wurde gesprochen. Markus Huth erläuterte, dass erste Gespräche mit dem Bürgermeister stattgefunden hätten. Auch der Kontakt zu den politischen Mandatsträgern sei inzwischen hergestellt.

Motivierend sei das starke Interesse Weilburger Schulen an einer historischen Bildungsarbeit rund um diese dezentralen Mahnmale. So könne die Übernahme von Patenschaften zur Pflege der Erinnerung an die Opfer, jeweils an ihrem letzten frei gewählten Wohnort, jede neue Schülergeneration zur Durchführung von fächer- und jahrgangsübergreifenden Projekten anregen. Von Jürgen Weil

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