Svenja Käbitz (stehend) und Gianluca Majone (stehend, links) helfen den Schülerinnen und Schülern bei den Vorbereitungen für die Reise in eine virtuelle Welt.
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Svenja Käbitz (stehend) und Gianluca Majone (stehend, links) helfen den Schülerinnen und Schülern bei den Vorbereitungen für die Reise in eine virtuelle Welt.

Aktionstag zum Thema Depression

Weilburg: Pflegeschüler lernen viel über Depressionen

Robert-Enke-Stiftung ermöglicht Aktionstag

Weilburg -"Ich bin ein Versager. Niemand mag mich. Ich fühle nichts mehr. Ich habe keine Kraft mehr, nichts interessiert mich mehr. Ich bleibe nur noch im Bett liegen und verkrieche mich. Was soll das ganze Leben. Ich bin so allein. Ich bin so leer. Es hat ja alles keinen Sinn mehr."

Jemand, der an einer Depression erkrankt, leidet an solchen ausweglos erscheinenden Gedanken und Gefühlen. Um das Thema besser zu verstehen und besser mit Betroffenen umgehen zu können, hat die Robert-Enke-Stiftung für die Schülerinnen und Schüler der Pflegeschule des Weilburger Kreiskrankenhauses am Mittwoch einen Aktionstag zum Thema "Schüler und Depression" angeboten.

Die Gruppen von etwa zehn jungen Frauen und Männern wurden dabei von den die "Virtual-Reality-Erfahrung" begleitenden Psychologiestudenten Svenja Käbitz und Gianluca Majone angeleitet und betreut.

Robert Enke war Torwart der Bundesligamannschaft von Hannover 96 und achtmaliger Torhüter der Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes. Er litt über mehrere Jahre an Depressionen und nahm sich am 10. November 2009 das Leben. Er hinterließ seine Ehefrau Teresa Enke und seine acht Monate alte Tochter. Sein Tod hat tiefe Betroffenheit ausgelöst, und die Krankheit "Depression" wurde dadurch mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Um zur Aufklärung über die Krankheit beizutragen, haben der Deutsche Fußball-Bund, die Deutsche Fußball Liga DFL und Enkes letzter Verein Hannover 96 am 15. Januar 2010 die Robert-Enke-Stiftung gegründet. Diese verfügt über ein Stiftungskapital in Höhe von 150 000 Euro, das zu je einem Drittel durch die Gründungsparteien getragen wird. Darüber hinaus finanziert sich die Robert-Enke-Stiftung vorwiegend aus privaten Spenden und Zustiftungen.

Im Saal der Pflegeschule erfolgte zunächst eine Einleitung zum Thema. So erfuhren die Teilnehmer, dass 20 Prozent aller Menschen in Deutschland irgendwann einmal an einer Depression leiden und dass aktuell etwa 4,5 bis 5,3 Millionen Menschen betroffen seien. Die "Volkskrankheit mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen" - wie den Ausführungen von Svenja Käbitz und Gianluca Majone zu entnehmen war - führe zu rund 10 000 Selbstmorden im Jahr.

Um zwischen einer depressiven Verstimmung oder einer bestehenden Depression zu unterscheiden, wurden einige Merkmale erklärt und über Zusatzsymptome gesprochen wie verminderte Konzentration, reduziertes Selbstvertrauen, Gefühl von Schuld und Wertlosigkeit, Pessimismus, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen und verminderter Appetit.

Zwei Szenarien stehen zur Wahl

Und dann startete in einem speziellen Raum die Virtual-Reality-Erfahrung, nachdem jeder Teilnehmende zuvor mit einer Einverständniserklärung bestätigt hatte, dass ihn die Erlebnisse möglicherweise belasten könnten. Depressiv Erkrankte sollen nicht teilnehmen. Nun erhielt jeder eine Bleiweste, Kopfhörer und eine spezielle Brille. Und es konnte zwischen zwei Szenarien ausgewählt werden: einer Leistungssportszene und einer Alltagssituation.

Ausgestattet mit der schweren Weste, die das Gefühl des Erdrücktwerdens verstärkt, sowie Kopfhörern und Brille findet sich der Teilnehmer plötzlich im Umkleideraum der Fußballmannschaft wieder. Eine Männerstimme bringt die Leere, Traurigkeit und Aussichtslosigkeit immer näher und als ein zweiter Sportler in den Raum kommt und etwas sagt, wird aus der Umkleidekabine plötzlich ein dunkler, enger Tunnel, die Stimme klingt verzweifelter und die Situation erscheint unlösbar und bedrohlich.

Zum Abschluss sitzen dann alle Teilnehmer wieder im Gruppenraum zusammen und reden über die gerade gemachten Erfahrungen. Dabei kommt auch zur Sprache, dass es wichtig sei, bei einem betroffenen Menschen Verständnis zu zeigen, ihm zuzuhören, für ihn da zu sein und ihn vielleicht mit irgendetwas Schönem zu erfreuen. Denn Druck auszuüben, verstärkt nur die Krankheit.

Weitere Informationen - auch Adressen für Hilfen - gibt es im Internet unter robert-enke- stiftung.de.

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