Gruppenfoto mit Sicherheitsabstand: Bürgermeister Johannes Hanisch, Barbara Kemperdiek, Intendant Stephan Schreckenberger, Astrid Fried, Geschäftsführerin Miriam Kunz, Melanie Dick und Judith Richter mussten am Wochenende die Absage der Weilburger Schlosskonzerte 2020 verkünden.
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Gruppenfoto mit Sicherheitsabstand: Bürgermeister Johannes Hanisch, Barbara Kemperdiek, Intendant Stephan Schreckenberger, Astrid Fried, Geschäftsführerin Miriam Kunz, Melanie Dick und Judith Richter mussten am Wochenende die Absage der Weilburger Schlosskonzerte 2020 verkünden.

Kultur

Weilburg: Schlosskonzerte gehen auf Abstand

Saison 2020 ist komplett abgesagt. Die Veranstalter hoffen auf Unterstützung.

Weilburg -Nach wochenlangem Bangen und Hoffen herrscht nun bittere Gewissheit: 2020 wird es in Weilburg keine Schlosskonzerte geben. Diese schwere Entscheidung haben Bürgermeister Johannes Hanisch (CDU), Intendant Stephan Schreckenberger, Geschäftsführerin Miriam Kunz und das Team der Schlosskonzerte am Samstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mitgeteilt.

Als einen Termin der nicht schönen Art bezeichnete Hanisch das Zusammentreffen. Neben zahlreichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor einer Infektion mit dem Coronavirus bestehe das Verbot jeglicher Großveranstaltungen bis mindestens zum 31. August 2020. "Jetzt herrscht die traurige Gewissheit, dass die Schlosskonzerte, ein großes Aushängeschild der Stadt Weilburg, nicht stattfinden können", so das Stadtoberhaupt. Das sei ein sehr harter Einschnitt für Weilburg, aber die Gesundheit der Menschen gehe nun einmal vor. Hanisch bat die Bevölkerung ausdrücklich um Verständnis, dass auch städtische Veranstaltungen und kleinere Feste auf den Dörfern wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden werden.

"Diesen Sommer wird es wohl nirgendwo Konzerte geben, der Festival-Sommer fällt aus", begann Intendant Stephan Schreckenberger seine Ausführungen. Die Gründe für die Absage der Saison 2020 seien vielfältig: "In erster Linie sehen wir uns in der Verantwortung für unser Publikum, unsere jugendlichen Helfer und Mitarbeiter und natürlich auch für unsere Musiker." Die Gesundheit dürfe nicht gefährdet werden.

Geschäftsführerin Miriam Kunz betonte, dass die Veranstalter der Schlosskonzerte keinen Groll gegen die Entscheidungsträger in der Politik hegten. "Im Gegenteil, wir stehen voll und ganz hinter den Beschlüssen der Bundesregierung", sagte sie. "Menschen, die in diesen Zeiten weitreichende Entscheidungen zu treffen haben, müssen hoch in der Achtung stehen", machte sie deutlich.

Intendant Schreckenberger lobte den guten Austausch mit der Stadt und dankte Bürgermeister Hanisch ausdrücklich auch für die zugesagte finanzielle Unterstützung, auch beim Ausfall der Konzerte.

"Es ist für die Schlosskonzerte existenziell wichtig, dass uns alle Kunden und Förderer erhalten bleiben", sagte er. "Alle, die bereits Karten gekauft haben, werden von uns persönlich per Mail oder Post benachrichtigt, sie müssen nicht selbst aktiv werden", führte er aus. Auf Wunsch sollen alle den kompletten Kartenpreis (ohne Bearbeitungsgebühr) zurückerstattet bekommen. Ein Formular zur Rückerstattung werde der Post dann beiliegen. Sollte wider Erwarten jemand bis zum 15. Mai nichts gehört haben, solle er sich melden.

Miriam Kunz lobte das Team der Schlosskonzerte und beleuchtete die finanzielle Situation etwas näher. Durch den Kartenvorverkauf hätten die Schlosskonzerte eine Auslastung von etwa 70 Prozent. Würden die umgerechnet etwa 500 000 Euro an Eintrittsgeldern komplett zurückgezahlt, wären die Schlosskonzerte nicht etwa bei Null angekommen, sondern in einem deutlichen Minus. Deshalb würden sie als Veranstalter hoffen und dafür werben, dass ihre Kunden vielleicht einen Teil des Geldes spenden. Sie hätte bereits seit Tagen und Wochen positive Rückmeldungen von Kunden und auch Anfragen nach Gutscheinen bekommen. "Damit würden wir aber das Problem lediglich um ein Jahr verschieben", sagte sie.

Stadt steht weiter hinter der Reihe

Stephan Schreckenberger würde gerne die Künstler, deren Auftrittsmöglichkeiten in diesem Jahr in großem Umfang wegbrechen, in irgendeiner Form unterstützen. Wie, weiß er aber nicht. Hanisch machte deutlich, dass zum jetzigen Zeitpunkt die künftige finanzielle und wirtschaftliche Lage der Stadt nicht absehbar und Liquidität ein ernstes Thema sei. "Trotzdem hält die Stadt an der Förderung der Schlosskonzerte als Zeichen der Wertschätzung fest", betonte er. Üblicherweise werde eine Förderung nur dann gezahlt, wenn auch etwas stattfindet, aber die Stadt wolle - wie auch im vergangenen Jahr - die Konzerte mit 30 000 Euro unterstützten. Es sei eine spannende Frage, wie sich das Leben in der Stadt im Sommer gestalte. Die jetzige Situation sei extrem schmerzlich, nicht nur für die Schlosskonzerte, sondern auch für die Stadt, die Hotels und die Gastronomie.

Beethoven-Programm soll nun 2022 kommen

"Die Saison 2020 mit dem großen Jubiläum von Ludwig van Beethoven versprach herausragend zu werden", so Schreckenberger. "Deshalb werden wir versuchen, große Teile der diesjährigen Saison in das Jahr 2022 zu verschieben und das Beethoven-Jubiläum zusammen mit Ihnen nachzufeiern", kündigte er an.

Positiv blicken die Veranstalter nach vorne und hoffen auf eine umso schönere Spielsaison 2021. Das Programm für den Festspielsommer 2021 sei bereits fertig vorbereitet und das Publikum könne wieder großartige Solisten und Orchester erwarten. "Wir sind ein familiäres Festival und - davon bin ich überzeugt - als Familie wollen und werden wir jetzt gemeinsam den Schwierigkeiten dieser Krise trotzen. Sie sind unser "Publikum des Jahres 2018", das Publikum der Herzen, und deshalb bin ich mir sicher, dass uns dies auch gelingen wird", so Schreckenberger. "So hoffen wir, dass wir Sie und uns wieder mit wundervoller Musik, Solisten und Orchestern in unseren einzigartigen Spielstätten glücklich machen können".

Was passiert mit bereits gekauften Konzertkarten?

Wer bereits Karten für die nun abgesagte Saison gekauft hat, wird von den Veranstaltern bis zum 15. Mai persönlich per Mail oder per Post benachrichtigt. Die Kunden müssen nicht selbst aktiv werden. Auf Wunsch erhalten sie den kompletten Kartenpreis (ohne Bearbeitungsgebühr) zurück; ein Formular zur Rückerstattung liegt den Schreiben bei.

Das Team der Schlosskonzerte hofft jedoch, dass Kartenbesitzer ihre Ticketpreise vielleicht spenden - um so die Zukunft der Schlosskonzerte auch weiterhin zu sichern.

Auch wer keine Konzertkarten hat, die Veranstaltungen und das Team dahinter aber trotzdem unterstützen möchte, kann das tun: Stiftung Weilburger Schlosskonzerte, Kreissparkasse Weilburg, IBAN DE33 5115 1919 0100 4866 04 (BIC: HELADEF1 WEI). Andreas E. Müller

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