Klaus Grasmehr mit einer prämierten Fleischwurst.
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Klaus Grasmehr mit einer prämierten Fleischwurst.

Regionale Lebensmittel

Weilburg: Silber für die Fleischwurst der Metzgerei Grasmehr

Projekt "Landschwein" zeigt Erfolge

Gaudernbach -Die Landmetzgerei Grasmehr in Gaudernbach ist mit einem "silbernen Qualileo" für ihre Fleischwurst vom hessischen Landschwein ausgezeichnet worden. Insgesamt 23 hessische Unternehmen aus der Lebensmittelbranche haben sich um eine Auszeichnung beworben.

Zum sechsten Mal rückt die Marketinggesellschaft "Gutes aus Hessen" regionale Lebensmittel mit den offiziellen Siegeln des Landes Hessen in den Mittelpunkt. Mit dem Wettbewerb "Der Goldene Qualileo - hessischer Jurypreis für regionale Lebensmittel" wurde im Jahr 2020 besonders auch die Leistung der hessischen Land- und Ernährungswirtschaft mit all ihren Stufen - von der Erzeugung bis zur Vermarktung - gewürdigt.

Die Firma Grasmehr hat erstmalig am Wettbewerb teilgenommen. "Die Idee hinter dem Projekt ,Unser hessisches Landschwein' ist, regionale und nachhaltige Wurst- und Fleischwaren in Premium-Qualität zu vermarkten", erklärt Klaus Grasmehr, zusammen mit seinem Bruder Werner Geschäftsführer im Familienunternehmen, das die Eltern der beiden, Waltraud und Edwin Grasmehr, im Jahr 1963 gegründet haben.

Bei dem Projekt sollen Wurst und Fleisch aus einer zertifizierten Produktionskette kommen. Heimische Landwirte liefern von ihnen gezüchtete Schweine, die nach gesetzlichen Vorgaben artgerecht gehalten und mit möglichst selbst angebautem Futter ernährt werden, an heimische Schlachtbetriebe, wobei weite Tiertransporte vermieden werden sollen. So ist eine einzigartige Kooperative entstanden, zertifiziert und unterstützt von der Hessischen Landesregierung. Der Schlachtbetrieb ist die Firma Helwig im nordhessischen Schwalmstadt, die Schweine kommen von regionalen Erzeugern in einem Umkreis von bis zu 40 Kilometern. Das Fleisch vermarktet die Firma Helwig selbst, Familie Grasmehr hat sich auf die Produktion von Wurstwaren spezialisiert. Das Unternehmen hat sich vom System "Geprüfte Qualität Hessen" zertifizieren lassen und muss sich auch entsprechenden Kontrollen unterziehen.

"Bei der Herstellung unserer Wurstwaren verwenden wir keine Phosphate, künstliche Aromen und Geschmacksverstärker", betont Klaus Grasmehr. Auch bei der Verpackung wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Sie sind alle aus recycelten Kunststoffen hergestellt und können wiederverwendet werden.

Großer Umbau nach EU-Norm

Nicht nur der Metzgerberuf hat sich verändert, auch das Familienunternehmen Grasmehr unterlag immer wieder Veränderungen. Schon die Großväter von Klaus und Werner Grasmehr waren Metzger von Beruf. Auch die beiden Brüder, die von Kindheit auf in den Betrieb hineingewachsen sind, haben diesen Beruf erlernt. Der kleine Familienbetrieb konnte bereits in den 1960er Jahren wachsen, weil die Firma Grill in Gaudernbach etwa 600 Mitarbeiter beschäftigte, die gerne im Dorf einkauften.

"Ab den 1970er Jahren entstanden überall Supermärkte, die beliefert werden wollten", erzählt Klaus Grasmehr. Bis zu 70 Märkte hat er beliefert, dabei bis in die 1990er Jahre selbst vor Ort geschlachtet. 1995 erfolgte dann ein großer Umbau der Metzgerei nach EU-Norm. Die alten Schlachtanlagen wurden entkernt und neu aufgebaut. Der Trend zu SB-Lebensmitteln verlangte höhere Hygienestandards. "Zu der Zeit gab es etwa 20 Bauern im Dorf, die uns ihre Schweine gebracht haben", berichtet Klaus Grasmehr. "Wir wussten, woher unsere Schlachttiere kamen".

Mit der immer weiter steigenden Nachfrage nach Fleisch und Wurst reichte das irgendwann nicht mehr aus. Schweine mussten nach Gaudernbach transportiert werden. Dann bezogen die Grasmehrs geschlachtete Schweine aus verschiedenen Schlachthöfen in der Umgebung und verarbeiteten sie. Mit dem Schlachthofsterben funktionierte das nicht mehr. "Die Verbraucher wollen regionale Waren, aber die Struktur war nicht mehr vorhanden", erzählt Grasmehr. "Unsere Aufgabe war es aber, die Versorgung der Menschen sicherzustellen und auch gesellschaftliche Ansprüche zu erfüllen." Aus dem kleinen Familienbetrieb wurde ein mittelständisches Unternehmen, aber immer noch in Familienhand der Grasmehrs. Seit dem Jahr 2002 sind die beiden Brüder Geschäftsführer.

Mittlerweile sind auch Nadja Grasmehr, Tochter von Klaus Grasmehr, und Nina Grasmehr, Tochter von Werner Grasmehr in den Betrieb eingestiegen. Natürlich bringen die beiden jungen Frauen auch neue Überlegungen und Aspekte in den Betrieb mit ein. "Der Fokus der Verbraucher liegt ganz klar auf mehr Qualität", führt Nina Grasmehr aus. Sie betont, dass es in der Frage der Tierhaltung nicht nur auf die Frage viele oder wenige Tiere ankomme, sondern generell auf die Haltungsbedingungen. Vater Klaus bringt das folgendermaßen auf den Punkt: "Die Zeit ist reif für das Projekt ,Hessisches Landschwein', denn die Entwicklung geht von einer Fressphase hin zu einer Qualitätsphase." Der Anspruch, gerade von jüngeren Konsumenten, sei gestiegen. Gefragt seien regionale, ökologisch hergestellte, nachhaltige Lebensmittel. Dabei macht Klaus Grasmehr allerdings deutlich: "Wir müssen aus einer romantischen Denke rauskommen, wenn wir Fleisch und Wurst essen wollen. Ein Betrieb kann nur ab einer bestimmten Größe bestehen". Ihn ärgert, dass die Fleischindustrie immer öfter in ein schlechtes Licht gerückt wird. "Was im Fernsehen gezeigt wird, sind sicher Kriminelle, aber die meisten Bauern sind das nicht." Andreas E. Müller

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