Mit der neuen Bühnenüberdachung im Weilburger Schlosshof sind die Musikerinnen und Musiker auch bei Open-Air-Konzerten vor Wind und Wetter geschützt.
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Mit der neuen Bühnenüberdachung im Weilburger Schlosshof sind die Musikerinnen und Musiker auch bei Open-Air-Konzerten vor Wind und Wetter geschützt.

Bilanz gezogen

Weilburg: Stolz, die Saison trotz Corona durchgezogen zu haben

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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"Macher" der Schlosskonzerte hätte mit größerem Ansturm gerechnet - Sicherheitskonzept hat funktioniert

Weilburg -Auch wenn der ganz große Ansturm des Publikums ausgeblieben ist: Mit dem bisherigen Verlauf der Weilburger Schlosskonzerte ist Intendant Stephan Schreckenberger sehr zufrieden. "Wir sind stolz, darauf, dass wir deutschlandweit als erste die Kultur wiedereröffnet haben", sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Für fast alle in Weilburg aufgetretenen Musiker sei es das erste Konzert nach langer Corona-Pause gewesen. "Da gab es hochemotionale Momente, und es flossen auch Tränen", berichtet Schreckenberger. Etwas getrübt sei die Freude allerdings dadurch, dass wider Erwarten etliche Sitzplätze leer geblieben seien. "Viele Musikliebhaber sind nach wie vor verunsichert", ist Schreckenbergers Eindruck.

Und das, obwohl sich der Veranstalter, der Verein Weilburger Schlosskonzerte, mit einem umfassenden Hygiene- und Bestuhlungskonzept alle Mühe gegeben habe, die Weilburger Schlosskonzerte vor Corona sicher zu machen. Die Zahl der Sitzplätze sei an allen drei Spielstätten - Untere Orangerie, Schlosshof und Schlosskirche - auf rund ein Drittel reduziert worden, auf beengte Räume wie Alte Hofstube oder Obere Orangerie sei von vornherein verzichtet worden.

"Die Abstandsregeln sind bei uns absolut gewährleistet", versichert der Intendant. Außerdem gelten trotz aller Lockerungen nach wie vor die "drei G": Zutritt zu den Konzerten haben nur Geimpfte, Genesene und Getestete. "Bei uns kann man vor Corona sicher sein", lautet Schreckenbergers Fazit und Versprechen zugleich. Der Beweis: Knapp zwei Wochen vor Ende der 49. Konzertsaison habe es keine einzige Infektion gegeben - weder beim Publikum noch bei den Musikern und auch bei den Angestellten und ehrenamtlichen Helfern nicht.

20 bis 25 Prozent der Stühle unbesetzt

Als die Weilburger Schlosskonzerte vor acht Wochen begannen, waren die Hoffnungen riesig: "Wir hatten erwartet, dass man uns die Bude einrennt", gesteht Schreckenberger. Doch so wie viele andere Musikveranstalter überall in Deutschland wurden auch die "Macher" der Weilburger Schlosskonzerte eines Besseren belehrt: Zwischen 20 und 25 Prozent der Stühle blieben unbesetzt, schätzt Schreckenberger. Lediglich die Konzerte in der Unteren Orangerie seien komplett ausverkauft gewesen.

Dem Veranstalter geholfen habe die rechtzeitige Anschaffung einer überdachten Bühne mit finanzieller Unterstützung des Landes Hessen. "Als es letzten Sonntag um halb sechs Uhr in Weilburg heftig zu regnen begann, hätten wir früher in die Schlosskirche verlegen müssen", berichtet der Intendant. So aber habe man entschieden, in Ruhe das Ende des Regens abzuwarten, nasse Stühle abzuwischen und um 19 Uhr planmäßig das Open-air-Konzert im Schlosshof über die Bühne zu bringen. "Nur vier Konzerte mussten bisher wegen Regens in die Schlosskirche verlegt werden", sagt Schreckenberger.

Musikformationen ausgetauscht

Gleichwohl hat Corona sichtbare Spuren hinterlassen - nicht nur bei der Zahl der Zuschauer, sondern auch beim Programm und bei den auftretenden Musikern. So musste das Damen-Brass-Ensemble "Ten Things" aus Norwegen kurzfristig absagen, weil es nach seiner Rückkehr in Quarantäne gemusst hätte. Glückliche Fügung: Mit dem Blechbläserensemble "German Brass" konnte ein gleichwertiger Ersatz gefunden werden, berichtet der Intendant. Andere Musikformationen mussten ausgetauscht werden, weil sich Musikerinnen und Musiker geweigert hatten, sich einem Corona-Test zu unterziehen. Von solchen Widrigkeiten lässt sich Schreckenberger nicht aus der Ruhe bringen: "Es war klar, dass diese Saison holprig verlaufen würde." Zumal die Vorbereitungszeit denkbar kurz gewesen sei: "Das, was wir normalerweise in einem halben Jahr schaffen, musste in nur drei Wochen erledigt werden."

Auch das Repertoire war von Corona geprägt. Musik für große Orchester fiel aus, stattdessen wurde häufiger Kammermusik gespielt. Der Grund: Statt bisher 60 durften nur noch 30 Musiker auf der Bühne zusammen auftreten. Schreckenberger: "Es gab keinen Rachmaninov und keinen Brahms, dafür mehr Bach, Schubert und Mozart."

Trotz geringerer Zuschauerzahlen müssen die Weilburger Schlosskonzerte aber keine finanziellen Einbußen oder gar Verluste fürchten, zeigte sich der Intendant erleichtert. Zum einen, weil die Sponsoren ohne Ausnahme an Bord geblieben seien. Zum anderen, weil sowohl das Land Hessen als auch der Bund großzügige finanzielle Unterstützung zugesagt hätten. Aber auch die Musiker leisteten ihren Beitrag zu den Weilburger Schlosskonzerten des Coronajahres 2021: "Sie alle spielen zwei Konzerte für eine Gage", so Schreckenberger. Der Grund: Um die wegen der Abstandsregel reduzierte Sitzplatzzahl wenigstens teilweise auszugleichen, werden alle Konzerte am Tag darauf wiederholt. "Für diese Solidarität bin ich den Musikern unendlich dankbar", so Schreckenberger.

Für das 50-jährige Bestehen der Schlosskonzerte im kommenden Jahr ist der Intendant zuversichtlich. "Das Jubiläum werden wir gebührend feiern", kündigt er an. Und das bedeutet: Mit den Münchner Symphonikern soll wieder ein großes Orchester in Weilburg auftreten. "Beethovens neunte Symphonie muss es schon sein", sagt Schreckenberger, "und zwar ohne Abstand und wegen der sicherlich großen Zahl von Zuschauern auch an zwei Abenden."

Die letzte Runde vor dem großen Finale

Die neunte von zehn Konzertwochen der Weilburger Schlosskonzerte beginnt morgen. Sechs Konzerte stehen an vier Tagen auf dem Programm: Mit dem gleichen Konzert am Donnerstag, 29. Juli, und Freitag, 30. Juli, läutet "Cara" die vorletzte Runde mit Irish Folk jeweils ab 20 Uhr in der Unteren Orangerie ein. Die deutsch-irische Band zeigt ein ordentliches Quantum Liebe zu Schottland, wenn sich die Musiker den Balladen widmen, leise Melodien neben fetzige Tanzmusik stellen und das Ganze dazu noch charmant moderiert wird.

Am Freitagabend, 30. Juli, findet zeitgleich das Konzert der Nürnberger Symphoniker unter dem Dirigat von Valentin Egel "Mir ist so mozärtlich ums Herz" im Renaissancehof des Schlosses statt. Mit dabei ist Annelien van Wauwe, Klarinette, die mit Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur alle Sehnsuchtsgefühle bündelt. Die ADR-Preisträgerin begeisterte bereits 2019 vor dem Limburger Dom. Da pandemiebedingt immer noch nicht so viele Besucher eingelassen werden können, findet auch dieses Konzert am Samstag, 31. Juli, ebenfalls um 20 Uhr an gleicher Stelle noch einmal statt. Für beide Konzerte können noch Schönwetterkarten reserviert werden.

Das Premiumkonzert bei den Weilburger Schlosskonzerten hat in jeder Saison immer wieder eine Leuchtturmfunktion. Schon der Titel des Konzertes "Weltstars" verspricht Außergewöhnliches am Sonntag, 1. August, um 11 und um 19 Uhr in der Unteren Orangerie. Wer dem Duo Christian Tetzlaff, Violine, und Lars Vogt, Klavier, auf diesem Spielniveau mit Beethoven und Schubert lauschen kann, kommt einem Konzerterlebnis mit einem Weltklasseorchester nahe. Statt der Vielzahl der Instrumente gibt es jede Menge feiner Nuancen. Wenn Christian Tetzlaff seiner Geige ein Kaleidoskop an Schattierungen entlockt, gelingt ihm das mit seinem kongenialen Partner Lars Vogt am Klavier besonders gut. Es gibt noch ganz wenige Restkarten.

Weitere Informationen gibt es unter www.weilburger-schlosskonzerte.de und montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr unter (0 64 71) 94 42 10 oder -11. red

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