1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Weilburg

Weilburg: Vom Garagen-Unternehmen zum Global Player

Erstellt:

Von: Rolf Goeckel

Kommentare

Firmengründer Wolfgang Feig (rechts) und Marketingleiter Andreas Löw vor einer der Fertigungsmaschinen.
Firmengründer Wolfgang Feig (rechts) und Marketingleiter Andreas Löw vor einer der Fertigungsmaschinen. © Rolf Goeckel

Feig Electronic bedient mit seinen hochspezialisierten Produkten Kunden in der ganzen Welt

Weilburg -Steuerungen für Ampeln, Indstrietore oder auch Parkplatzschranken. Erkennungssysteme für Bücher in Bibliotheken, Bezahlsysteme an Fahrkartenautomaten und E-Ladesäulen - Produkten von Feig Electronic begegnen wir nahezu täglich, meistens, ohne davon zu wissen. Insofern ist das Weilburger Unternehmen, das vor mehr als 50 Jahren in einer Garage von Unternehmer Wolfgang Feig seinen Anfang nahm, ein "Hidden Champion", eine Firma, die auf ihrem Sektor zur internationalen Spitze gehört.

Heute beschäftigt Feig 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 65 Millionen Euro. Die Kunden des Weilburger Unternehmens sind in aller Welt beheimatet, sei es in Europa, Indien, den USA oder Australien. Doch die Corona-Krise und der dadurch bedingte Mangel an Computerchips macht auch der Weilburger High-Tech-Firma zu schaffen.

Dass sich ein mittelständischer Hersteller aus Deutschland mit der Fertigung elektronischer Geräte auf dem Weltmarkt behaupten kann, ist schon für sich genommen bemerkenswert. Die Erklärung dafür ist jedoch so einfach wie plausibel: "Wir sind kein Hersteller billiger Massenware", sagt Wolfgang Feig, der trotz seines vorangeschrittenen Alters noch täglich in seiner Firma "nach dem Rechten" schaut - neben ihm sind für die operativen Tätigkeiten noch zwei weitere Geschäftsführer tätig. Die Stärke seines Unternehmens bestehe darin, hochspezialisierte Serien - mitunter von wenigen tausend oder zehntausend Stück - zu fertigen. Und: "Vielfach bieten wir Lösungen an, die auf spezielle Kundenwünsche zugeschnitten sind", sagt er. Dabei kommen Produkte der auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Geschäftsbereiche zunehmend gemeinsam zum Einsatz. "Auf manchen Parkplätzen", so erläutert es Andreas Löw, bei Feig zuständig für Marketing und Unternehmenskommunikation, "ist die komplette Feig-Technik im Einsatz, von der Identifikation berechtigter Fahrzeuge über das Öffnen und Halten der Schranke bis hin zum Bezahlen am Parkscheinautomaten."

Es ist schon erstaunlich, was in unserem Alltag alles voll automatisiert abläuft. Parkplatz- oder Parkhausschranken fahren hoch, wenn ein mit einem Transponder ausgestatteter Pkw vorfährt. Ampeln schalten auf Grün oder Rot, wenn Fahrzeuge über die Induktionsschleife im Boden fahren. Das Bezahlen am Fahrkartenautomaten oder auch das Entwerten des Busfahrscheins geschieht berührungslos. Und intelligente Steuerungen öffnen und schließen Schnelllauftore mit maximaler Geschwindigkeit, um zum Beispiel bestehende Temperaturunterschiede zwischen Arbeitsbereichen oder Verkaufs- und Lagerraum aufrechtzuerhalten. Anwendungen, für die Feig Electronic die passende Hardware bereithält.

Ein aktuelles Beispiel macht deutlich, wie variabel diese RFID-Technik ist. Feig beliefert einen Hersteller von Beatmungssystemen, in denen die Schläuche mittels Funkwellen-Identifizierung ihr jeweiliges Gegenstück, sozusagen "von selbst", erkennen. Ein anderes Beispiel: In modernen Bibliotheken stattet Feig Ausleihsysteme mit RFID-Lesegeräten aus. "Intelligente Regale", so erläutert es Andreas Löw, "erkennen selbstständig, welches Buch wo stehen muss." Sogar Fluggesellschaften statten ihre Gepäckbeförderung zunehmend mit RFID-Systemen aus. "Das hilft beim Auffinden verlorener Gepäckstücke", so Wolfgang Feig und Andreas Löw. Fast schon banal erscheint eine andere Anwendung, die jeder schon einmal in der Praxis erlebt hat: RFID-Technologie steckt in den Sicherungsetiketten von Kleidungsstücken, um Kaufhaus-Dieben das Leben schwer zu machen - und ist vielfach die Grundlage für Zutrittskontroll- und Zeiterfassungssysteme.

Miniaturisierung noch am Anfang

Als Wolfgang Feig sich Anfang der 70er Jahre selbstständig machte - zuvor hatte der studierte Nachrichtentechnik-Ingenieur als Angestellter für die Industrie gearbeitet - lagen derart raffinierte Anwendungen noch in weiter Ferne. Die Miniaturisierung in der Elektronik stand erst am Anfang, mit Millionen Transistoren bestückte Computerchips von der Größe eines Fingernagels waren Science-Fiction. Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte Wolfgang Feig "aufs Geratewohl", wie er sich erinnert. Seine ersten Kunden kamen überwiegend aus der Stahlbranche, darunter bekannte Namen wie Mannesmann Demag oder auch Gute-Hoffnungs-Hütte.

Wolfgang Feigs selbst entwickelte Regelungs- und Überwachungsanlagen für Lichtbogenöfen waren gefragt und legten den Grundstein für den weiteren Aufstieg des anfänglichen Ein-Mann-Unternehmens. Als die Nachfrage in den 80er Jahren nachließ, hatte der findige Ingenieur längst zwei neue Geschäftsfelder erschlossen: Verkehrsleit- und Parktechnik sowie die Steuerung von Industrietoren.

Torsteuerungen: Was simpel klingt, ist aufgrund aufwendiger Sicherheitstechnik in Wahrheit hochkomplex. Denn es genügt nicht, ein Tor nach einem erhaltenen Öffnungsimpuls schnell und zugleich materialschonend zu öffnen. Es gilt auch zu verhindern, dass das Tor sich wieder senkt, während zum Beispiel ein Fahrzeug hindurch fährt.

Schwierige Beschaffung von Chips

Die Steuerungstechnik ist seit Jahren der umsatzstärkste Bereich des Unternehmens. Neben ihm verzeichnen auch alle anderen Bereiche ein permanentes Wachstum, so auch der neueste Bereich der Payment-Anwendungen: kontaktlose Bezahlterminals sorgen im öffentlichen Personenverkehr, an Verkaufsautomaten, beim Parken sowie aktuell im Zuge des Ausbaus der Elektromobilität für bargeldloses, sicheres und komfortables Bezahlen.

Während Feig Electronic an der technischen Front ganz vorne mitmischt, können sie sich den aktuellen weltweiten Lieferengpässen bei Computerchips nicht entziehen. "80 Prozent unserer Einkaufskapazität ist zurzeit mit der Beschaffung von Chips befasst", sagt Wolfgang Feig, der von einer "dramatischen Situation" spricht. Aber auch andere einfache Teile wie beispielsweise Klemmen sind vom Mangel betroffen, wie er sagt. Dazu kommen fast schon irrationale Preissteigerungen. Es gebe Chips, die früher wenige Euro gekostet haben, für die heute 600 Euro aufgerufen werden, so Feig.

Feig Electronic begegnet dieser Situation mit Kompetenz und Pragmatismus. "Wir kommen mit der Krise klar, weil wir vom Bauteilemangel stark betroffene Geräte mit einem neuen Layout und aktuell verfügbaren Komponenten versehen - hier kommen die Stärken unserer Entwicklung und des Einkaufs gleichermaßen zum Tragen", sagt Wolfgang Feig. "Trotz der aktuell schwierigen Voraussetzungen am Beschaffungsmarkt können wir die Anforderungen unserer meisten Kunden zufriedenstellen. Manchmal jedoch müssen Aufträge auch verschoben werden, da nicht genug Material vorhanden ist."

Neben Material benötigt das Unternehmen auch ständig neue Mitarbeiter. Ohne Entlassungen oder Kurzarbeit durch die bisherige Pandemie gekommen, werden neue Mitarbeiter für alle Bereiche gesucht. Besonders Soft- und Hardware-Ingenieure werden benötigt, die jedoch auch von anderen Branchen gesucht werden und schwer zu bekommen sind. Wolfgang Feig ist zuversichtlich im Hinblick auf die aktuellen und kommenden Herausforderungen und stolz auf das in 50 Jahren Erreichte: "Wir sind als Mehrkämpfer in vielen Anwendungsbereichen in der Lage, uns gegen die großen Spezialisten zu behaupten."

Auch interessant

Kommentare