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So mag es seinerzeit auch in Weilburg zugegangen sein: Eine Szene einer barocken Tischgesellschaft, der es an nichts mangelte. Repro: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten

Ausstellung

Wie Graf Johann Ernst Weilburg veränderte

Mit dem Grafen Johann Ernst kamen Pracht und Vergnügen nach Weilburg; durch ihn veränderte sich die Stadt. Zum 300. Todestag erinnert eine Ausstellung an sein Wirken.

Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten eröffnet am Mittwoch, 27. Februar, die Ausstellung „L’esprit baroque im Schloss Weilburg“. An diesem Tag jährt sich zum 300. Mal der Todestag des Grafen Johann Ernst zu Nassau-Weilburg (1664 – 1719). Die Schau würdigt das Lebenswerk des Grafen sowie die barocke Kultur und Gartenkunst an seinem Hof. Sie ist Hauptbestandteil eines umfangreichen Programms im Gedenkjahr und bis zum 27. Oktober zu sehen. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die Schirmherrschaft übernommen.

Französisches Vorbild

Wie wohl kein anderer vor und nach ihm hat Graf Johann Ernst die Stadt Weilburg geprägt. Den zu seiner Zeit überschaubaren Ort verwandelte er nach dem Ende seiner Militärkarriere mit einem beachtlichen Bauprogramm und unter dem Einfluss höfischer Barockkultur in eine repräsentative Kleinresidenz. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ er das Schloss auf einem Bergsporn, den die Lahn malerisch umfließt, großzügig erweitern, einen Garten anlegen, eine Schlosskirche bauen und viele weitere städtische Gebäude errichten. Pracht und Vergnügungen zogen an seinem Hof ein, die sich zeittypisch auf das glanzvolle Vorbild am französischen Versailles bezogen.

Die von Dr. Svetlana Jaremitsch, Madeleine Seltmann und Jan-Nikolas Döllinger kuratierte Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Der erste bietet eine multimedial unterstützte Präsentation in den Innenräumen des Schlosses mit Informationen zur Biografie des Grafen. Im Mittelpunkt steht seine Neigung zu französischer Hofkultur, die ihn zur Vergrößerung seines Herrschaftssitzes veranlasste. Am Ostersonntag wird „L’esprit baroque im Schloss Weilburg“ in den Schlossgarten erweitert, um die Geschichte der Außenbereiche zu erzählen. Sie sind bis heute innerhalb der barocken Ursprungsstrukturen erhalten. Dabei soll nicht nur Gartenkunst eine Rolle spielen, es wird auch Gartendenkmalpflege zum Thema gemacht.

Der Festtag am Mittwoch beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche, an den sich eine Besichtigung der Gruft mit dem Sarg des Grafen anschließt. In seiner Predigt schlägt Pfarrer Guido Hepke eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Gruft wird bis 16 Uhr geöffnet. Die Vernissage beginnt um 11.30 Uhr.

Infobox: Erst „Capella Weilburgensis“, dann zum Sektempfang

Das Veranstaltungsprogramm zu „L‘esprit baroque im Schloss Weilburg“ umfasst unter anderem Schauspielführungen, ein wissenschaftliches Plenum, Architektur- und Stadtrundgänge, eine Museumsnacht, naturkundliche und kulturgeschichtliche Touren, Feste und Märkte, Vorträge, die Schülervorführung Leben im Schloss, eine Geo-Caching-Schatzsuche, den Tag des Offenen Denkmals und die traditionellen Weilburger Schlosskonzerte. Der erste Termin zu Ehren des Grafen ist schon morgen, am Sonntag, 24. Februar. Um 17 Uhr ist in der Kantorei der Schlosskirche die „Capella Weilburgensis“ unter der Leitung von Doris Hagel zu erleben. Der Echo-Klassik-Preisträger und Gambist Thomas Fritzsch hat ein Kammermusikprogramm mit Nassauischer Hofmusik zusammengestellt, das den Lebensweg des Grafen nachzeichnet. Aus der Zeit des Studiums in Tübingen werden Choräle von Laurentius Erhard vorgetragen, vom Hofe Ludwigs XIV. aus Versailles erklingt ein Rondeau von Marin Marais, dem Hofgambisten des Sonnenkönigs. Nach einer erfolgreichen Karriere als Soldat in kaiserlichen Diensten wirkte Johann Ernst am kurpfälzischen Hofe in Düsseldorf als Statthalter, in den Jahren, in denen sich auch der junge und schon berühmte Georg Friedrich Händel dort um eine Anstellung bemühte. Von Händel wird die frühe Solokantate „Tra le fiamme“ musiziert werden. Und in den späten Weilburger Jahren, gegen Ende seiner Lebenszeit, wollte der Graf Johann Philipp Käfer als Kapellmeister anstellen, verstarb jedoch, bevor er diese Absicht umsetzen konnte.

Die Instrumentalsuiten, Partiten, Kantaten und Choräle in klangfarbenreicher Instrumentalbesetzung werden vorgetragen von Doris Hagel (Sopran), Florian Bauer (Tenor), Bernard Weese (Bariton), der Capella Weilburgensis in kammermusikalischer Besetzung mit Gabriele Nußberger (Violine), Anna Dmitrieva (Violine), Priscilla Rodriguez Cabaleiro (Viola), Thomas Fritzsch (Viola da Gamba), Kristin Linde (Oboe und Flauto dolce) und Cornelia Osterwald (Cembalo und Orgel) und der Kantorei der Schlosskirche. Das Konzert findet in Kooperation mit der Stadt Weilburg statt. Im Anschluss lädt die Stadt zu einem Sektempfang in die Schlosskirche ein. Karten zu 30, 24 und 12 Euro (ermäßigt zu 26 bis 9,50 Euro) gibt es im Weltladen in der Mauerstraße 10a, Telefon (0 64 71)3 76 99, oder beim Verein unter (0 64 71) 45 41. Mehr Infos unter www.alte-musik-weilburg.de. . og

(og)

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