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Wenn Kinder zu Opfern werden: Theaterstück zum Projekt "Trau dich!"

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Von: Anken Bohnhorst

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Mit einer Informationsveranstaltung und einem Theaterstück unterstützt das Bundesfamilienministerium das Projekt „Trau dich!“, das Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch schützen soll. In der Stadthalle „Alte Reitschule“ in Weilburg präsentierten sich jetzt Projektpartner und ein Theaterensemble mit einem Stück über Gefühle, Grenzen und Vertrauen.

Etwa jedes zehnte Kind ist oder war Opfer von sexuellem Missbrauch. In jeder Schulklasse sind somit ein oder zwei Kinder betroffen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in einer aktuellen Mitteilung bekannt gegeben.

Diese bundesweit ermittelten Angaben dürften auch auf den Landkreis Limburg-Weilburg zutreffen, sagt Gregor Kuhn, Schulpsychologe beim Staatlichen Schulamt. Dabei könnte auch hier die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher sein, zumal in den letzten Jahren durch neue Medien neue Verbreitungskanäle für sexuelle Übergriffe entstanden sind, bestätigt Sozialpädagogin Andrea Volk von der Kinder- und Jugendhilfe des Lahn-Dill-Kreises. Deshalb müsse auf allen Ebenen eng zusammengearbeitet werden. Die Kooperation zwischen dem Bundesfamilienministerium, den hessischen Kultus- und Sozialministerien, dem Staatlichen Schulamt, der Kreisjugendhilfe, von Kinderschutzbund, Opferhilfe, Caritas, Pro Familia, dem Verein „Gegen unseren Willen“ sowie weiteren lokalen Beratungsstellen soll weiter ausgebaut werden. Das ist die Forderung aller beteiligten Partner.

Recht auf Abgrenzung

Neben Ansprechpartnern, die Kuhn zufolge in allen Schulen des Kreises installiert werden sollen und an die sich betroffene Kinder selbst oder deren Lehrer wenden können, soll auch „Trau dich!“, die bundesweite Initiative zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch, forciert werden. Das Projekt richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren sowie an Eltern und pädagogische Fachkräfte. Es klärt Kinder über ihre Rechte auf und stärkt sie darin, sich gegen Übergriffe abzugrenzen und sich an eine Vertrauensperson zu wenden.

Lehrpersonen und pädagogischen Fachkräften gibt „Trau dich!“ Impulse und Hilfestellungen. Sie werden sensibilisiert und ermutigt, genauer hinzusehen und handeln zu können. In der Stadthalle von Weilburg wurden jetzt rund 600 Kinder und 40 Lehrkräfte direkt angesprochen. Sie erlebten das Ensemble Kompanie Kopfstand mit seinem Theaterstück „Trau dich!“. Verschiedene Szenen wurden angespielt und gleichzeitig mit den Kindern besprochen. Etwa die Not von Wladimir, der nicht mehr von seiner Oma abgeküsst werden will, oder von Alina, die vom Freund der großen Schwester sexuell bedrängt wird. Um Annäherung und Grenzüberschreitung geht es in diesen Szenen und darum, dass die betroffenen Kinder lernen, sich zu wehren und ihre Bedürfnisse und Rechte durchsetzen.

Auswege

Mit großem Einfühlungsvermögen verbreiten die Schauspieler ihre Botschaft, weil sie unangenehme Sequenzen, etwa die wilde Küsserei der Oma, überspitzt und komisch zeigen, oder die sexuelle Übergriffigkeit des Familienfreundes gerade so weit antippen, dass die Kinder berührt sind, ohne sich zurückzuziehen. Für den Augenblick verstummen Lachen und Kichern. So lange jedenfalls, bis die Darsteller gemeinsam mit den Kindern Auswege aus dieser Not erarbeiten. Den Kindern wird gezeigt, dass nicht sie schuld an Belästigungen oder Missbrauchshandlungen sind. Es wird deutlich, dass sie ungewollt zu Opfern wurden und Unterstützung brauchen. Das Theaterstück soll die Zuschauer ermuntern, sich zu trauen und sich anderen anzuvertrauen, um Hilfe zu bekommen.

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