+
Blick vom "Tempelchen" über dem Hauseleyfelsen auf Weilburg.

Bevölkerungsentwicklung

Kreis Limburg-Weilburg wächst: Außer in diesen drei Kommunen

Kreis Limburg-Weilburg wächst: Außer in drei Kommunen, dort sind die Zahlen rückläufig. Was die Verantwortlichen dagegen tun können. 

Limburg-Weilburg - Für die meisten Städte und Gemeinden des Landkreises Limburg-Weilburg ist ein Bevölkerungswachstum vorausgesagt. Die derzeitige hohe Nachfrage nach Wohnungen, Häusern und Bauplätzen bestätigt diese Prognose. Jedoch gibt es auch vereinzelte Kommunen, in denen ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert wird. Laut einem Gutachten des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU) betrifft dies hauptsächlich die Stadt Weilburg, den Marktflecken Weilmünster und die Gemeinde Weinbach. In Weilburg wird sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 6,4 Prozent verringern. In Weilmünster und Weinbach rechnet man mit einem Rückgang von 4,8 Prozent. Wir haben die betroffenen Kommunen befragt:

Situation in Weilburg:

Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch (CDU) begründet die negative Entwicklung mit dem bundesweiten demografischen Wandel. Um dem entgegenzuwirken, müsse das Wachstum in Weilburg gefördert werden. "Zunächst ist es wichtig, dass vielfältige Angebote für das Wohnen, Leben und Arbeiten in einer Stadt geschaffen werden. Für den Bereich Wohnen hat die Stadt Weilburg in den letzten zwei Jahren rund 30 Bauplätze in der Kernstadt Weilburg und den Stadtteilen Kubach sowie Waldhausen ausgewiesen. Hinzu kommen noch verfügbare Bauplätze in Hirschhausen, Ahausen und Drommershausen. Für die Zukunft sind weitere 32 Bauplätze in Kubach geplant", erklärt er. In den Ortschaften sei zukünftig barrierefreies Wohnen im Alter möglich. In der Kernstadt fördere man die ambulante Pflege. Auch für die jüngeren Generation wird etwas getan. "Wir erweitern unser Kita-Angebot aktuell durch den Umbau der alten Christian-Spielmann-Schule um 50 Plätze", sagt Hanisch.

Weilburg bietet abwechslungsreiches Kulturleben

Laut dem Bürgermeister kann die Stadt ein abwechslungsreiches Kulturleben bieten. "Weilburger Schlosskonzerte, Alte Musik im Schloss, viele kulturelle Einrichtungen und Aktivitäten sowie eine Vielzahl von aktiven Vereinen, auch in den Stadtteilen, sind Argumente für attraktives Leben in Weilburg", berichtet er. Die Sicherung der Unternehmen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze sei ebenfalls wichtig. Trotz der topographisch anspruchsvollen Lage bemühe man sich, Erweiterungsmöglichkeiten für Betriebe zu ermöglichen. "Die Firma Feig Electronic baut aktuell ein neues Verwaltungsgebäude und investiert in den Standort Weilburg für ein nachhaltiges Wachstum", erklärt der Bürgermeister. Die Stadt an der Lahn sei attraktiv und bilde eine Alternative zum teuren Wohnen und Leben im Rhein-Main-Gebiet.

Situation in Weilmünster:

Der stellvertretende Bauamtsleiter Raphael Philippi begründet den prognostizierten Bevölkerungsrückgang mit der Landflucht. Jedoch kann er die Zahlen des Instituts für Wohnen und Umwelt derzeit nicht bestätigen. "Wir haben eine hohe Nachfrage nach Bauplätzen und Wohnungen. Deshalb wird es mir bezüglich der Thematik momentan nicht bange", sagt er. Weitere Baugebiete seien in Planung. Der Ortskern werde durch den florierenden Einzelhandel gestärkt. Ein Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen helfe dabei, den Marktflecken für eine positive Zukunft zu gestalten. "Eine gute medizinische Versorgung kann in Weilmünster garantiert werden. Mit der Vitos-Klinik sind viele Behandlungsbereiche abgedeckt", erklärt Philippi. Außerdem gebe es eine gute Kinder- und Jugendbetreuung: "Mit insgesamt zwei Kinderkrippen, fünf Kindergärten und zwei Schulen ist der Marktflecken bestens ausgestattet.

Weinbach setzt auf Stadtflucht

Bürgermeister Jörg Lösing (parteilos) begründet den vorausgesagten Bevölkerungsrückgang mit dem demografischen Wandel. Die kleine Kommune tue jedoch einiges, um attraktiv zu bleiben. "Bedingt durch eine enorm gestiegene Nachfrage nach Krippenplätzen wird die Gemeinde Weinbach kurzfristig einen Kita-Neubau für insgesamt vier Krippengruppen realisieren. Durch diese Maßnahme und durch die beabsichtigte Ausweisung eines neuen Wohnbaugebietes in der Kerngemeinde ist sich die Gemeinde Weinbach sicher, den Herausforderungen des demografischen Wandels und dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang nachhaltig entgegenwirken zu können", erklärt er. Des Weiteren sei man bestrebt, eine neue Seniorenwohnanlage zu errichten, um auch der älteren Generation ein attraktives Leben zu bieten.

Leider seien in verschiedenen Ortsteilen einige Institutionen für den täglichen Bedarf verloren gegangen. In Weinbach selbst gebe es allerdings trotz der Entwicklung immer noch eine Grundschule, einen Kindergarten, einen Hausarzt, ein Schwimmbad und viele weitere Geschäfte. Die Gemeinde sei bestrebt, schnelles Internet mit Glasfasertechnik zu bieten. "Da das Leben und insbesondere das Wohnen in der Stadt immer teurer werden könnte, rechnen wir in den kommenden Jahren mit einer punktuell einsetzenden Stadtflucht", sagt er.

Von Tobias Ketter

Was Sie auch interessieren könnte

Neues Konzept: Weitere 70 000 Wohnungen müssen gebaut werden

Erstmals in der Geschichte gibt es für Frankfurt ein umfassendes Stadtentwicklungskonzept. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat es am Montag vorgelegt. Damit ist klar, wo die Stadt um 90 000 Wohnungen wachsen kann bis Ende des nächsten Jahrzehnts.

Stadtentwicklung: So eng begrenzt ist das Wachstum in Frankfurt

Ein Konzept für Frankfurts Stadtentwicklung bis 2030: Am Montag will Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die finale Fassung vorstellen. Um sie gab es im Vorfeld viel Streit.

Wohnen in Frankfurt: Der Trend geht zu Mikro-Apartments

In Frankfurt werdenimmer mehr möblierte Kleinstapartments vermietet. Entsprechend steigen die Preise. Doch auch die Nachfrage nach Wohnraum im Umland steigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare