Die Weilmünsterer Kliniken werden möglicherweise komplett ans Weilburger Kreiskrankenhaus verlagert. Fotos: Robin Klöppel

Was wird aus der Psychiatrie?

Vitos-Kliniken ziehen nach Weilburg - Betriebsrat ist überrascht

Die Vitos Weil-Lahn-Kliniken planen eine Umzug nach Weilburg. Offen ist nur, was mit der psychiatrischen Abteilung passiert. Hadamar ist nicht betroffen.

Weilmünster - Dem Marktflecken Weilmünster droht der komplette Verlust der Vitos Weil-Lahn-Kliniken mit knapp 500 Mitarbeitern und 180 stationären Plätzen. Dies gaben Konzerngeschäftsführer Reinhard Belling und der örtliche Geschäftsführer Martin Engelhardt gestern bekannt. Allerdings sollen Leistungen der Kliniken und Arbeitsplätze in der Region nicht verloren gehen, sondern durch einen Neubau ans Weilburger Kreiskrankenhaus angeschlossen werden.

Betriebsrat und Mitarbeiter erfuhren auch erst gestern von den Plänen, die nach 120-jähriger Geschichte das Ende des Klinik-Standortes Weilmünster bedeuten könnten. Fast sicher ist, dass neurologische und psychosomatische Kliniken nach Weilburg verlagert werden. Was mit der psychiatrischen Abteilung geschehen soll, ist laut Belling noch offen. Er machte aber keinen Hehl daraus, dass um das Haus zukunftsträchtig aufzustellen, auch deren Verlagerung am meisten Sinn mache, wahrscheinlich ebenfalls an den Standort Weilburg.

Große Synergieeffekte

Dort könnten alle Möglichkeiten eines Krankenhauses von den Vitos-Patienten mitgenutzt werden und somit große Synergieeffekte entstehen. Belling stellte aber klar, dass keine Fusion mit dem Weilburger Krankenhaus geplant sei, beide Unternehmen weiterhin eigenständig agieren wollten. Er sagte aber auch deutlich, dass in der heutigen Zeit keiner mehr einen abgelegenen Ort wie Weilmünster für einen Klinikneubau wählen würde. "Würde die S-Bahn-Linie von Frankfurt aus nach Weilmünster verlängert, wäre das hier ein interessanter Standort, so aber nicht", lautet seine Einschätzung.

Gestern ließen Reinhard Belling (links) und Martin Engelhardt die Katze aus dem Sack. Zuerst wurden die Mitarbeiter informiert, dann die Öffentlichkeit.

Engelhardt ergänzte, dass Patienten heute hohe Ansprüche an eine Klinik hätten. Die oftmals für sie auch notwendigen Behandlungen durch andere Fachärzte könnten durch eine Verlagerung ans Weilburger Krankenhaus bequem am selben Standort durchgeführt werden. Alleine die Sanierung der Gebäude in Weilmünster würde 50 Millionen Euro kosten, ohne die Qualität der Klinik zu verbessern. In Weilburg könne für dasselbe Geld ein modernes Funktionsgebäude hingestellt werden.

Als realistischen Zeitrahmen für den Umzug nannte Belling drei bis fünf Jahre ab jetzt. Es sollten aber weder Betten abgebaut noch Mitarbeiter gekündigt werden. Der Vitos-Konzerngeschäftsführer betonte, dass der Markt immer mal wieder Veränderungen in der Geschäftsstrategie erfordere. Bisher habe es Vitos aber immer geschafft, dass dadurch keine Mitarbeiter hätten gekündigt werden müssen. Belling denkt sogar, dass durch eine zukunftsträchtige Neuaufstellung von Vitos in Weilburg auf längere Sicht noch weitere Arbeitsplätze entstehen würden.

Betriebsrat überrascht

Betriebsratsvorsitzende Annelie Klein berichtete, von den Plänen überrascht worden zu sein. Eine offizielle Stellungnahme des Betriebsrates könne es so kurz nach Bekanntgabe der Pläne noch nicht geben. Klar sei aber, dass Mitarbeiter Nachteile befürchteten, unter anderem durch künftiges Pendeln an einen neuen Standort.

Der Weilmünsterer Bürgermeister Mario Koschel (parteilos) sprach von einem erheblichen Einschnitt für den Marktflecken. Nun gelte es, mit der Klinikgeschäftführung die kommenden Monate in Kontakt zu bleiben und hoffentlich zu erreichen, dass der eine oder andere Teilbereich der Klinik vielleicht doch weiter in Weilmünster verbleiben könne. Koschel sagte, dass man es akzeptieren müsse, wenn eine Klinik schauen müsse, zukunftsfähig zu bleiben. Den Mitarbeitern sei es sicherlich zuzumuten, künftig von Weilmünster nach Weilburg zu pendeln. Wichtig sei für Angestellte wie Patienten, dass die Versorgung und Stellen in der Region verblieben.

Ob vielleicht wenigstens das Pflegezentrum in Weilmünster bleiben kann, ist noch völlig offen. Das hänge, wie Belling erklärte, von der Folgenutzung des Gesamtkomplexes ab. Was mit den Klinikgebäuden passiert, sei bisher unklar. "Wir sind ja erst ganz am Anfang der Diskussion", sagte der Geschäftsführer an. Über Möglichkeiten der Folgenutzung werde Vitos aber mit dem Marktflecken Weilmünster in engem Austausch bleiben.

Auf dem Weilburger Klinikgelände sei genügend Platz für die geplanten Neubauten, sagte Belling. Da das es mitten im Wald liege, seien im Gegensatz zu einem Innenstadtstandort auch für die Zukunft auch genügend Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden. Engelhardt stellte zudem klar, dass der Vitos-Standort Hadamar bleibe. Hier seien die vergangenen Jahre ja erst 70 Millionen Euro investiert worden, um ihn zukunftsfähig zu machen.

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