Schwer verletzt wurde der Fahrer bei einem Unfall im August 2020 bei Obertiefenbach.
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Schwer verletzt wurde der Fahrer bei einem Unfall im August 2020 bei Obertiefenbach.

Kreis Limburg-Weilburg

Positive Folgen von Corona: Weniger Unfälle und Verletzte im Verkehr

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Wegniger Verkehrsunfälle mit Autos und weniger Verletzte – das ist eine positive Entwicklung. Die Kollision mit Wildtieren bleibt Unfallursache Nummer 1.

Limburg - Weniger Verkehrsunfälle mit Autos und weniger Verletzte im Landkreis Limburg-Weilburg - die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen und deshalb zum Teil erheblich weniger Verkehr hat im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang der Verkehrsunfälle um knapp 13 Prozent geführt. Bei den mehr als 3000 Verkehrsunfällen, die sich dennoch ereigneten, kamen allerdings wie schon 2019 sechs Menschen ums Leben, wie aus der Unfallstatistik der Polizei für den Landkreis Limburg-Weilburg hervorgeht.

Der Einfluss der Pandemie auf die Zahl der Verkehrsunfälle 2020 zeigt sich besonders mit Blick auf die Entwicklung im Frühling und Herbst vergangenen Jahres, als die angeordneten Corona-Einschränkungen deutlich ausgeprägter waren als im Sommer. Im zweiten Quartal vergangenen Jahres ging die Zahl der Verkehrsunfälle im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurück und im vierten Quartal um 18,5 Prozent.

Unfälle im Kreis Limburg-Weilburg: Sechs Menschen sterben in 2020

Und das sind die weiteren Erkenntnisse aus der Statistik:

Unfalltote: Drei Autofahrer und drei Motorradfahrer kamen bei Verkehrsunfällen vergangenes Jahr im Landkreis Limburg-Weilburg ums Leben. Die Zahl der Unfalltoten gegenüber 2019 blieb damit unverändert.

Motorradunfälle: Drei tote Motorradfahrer im Landkreis Limburg-Weilburg sind viel. 2019 starben zwei Motorradfahrer im Verkehr, 2018 einer. Die Zahl aller Motorradunfälle blieb 2020 im Vergleich zum Vorjahr gleich hoch, und das gilt auch für die Zahl der dabei Leichtverletzten, aber immerhin ging die Zahl der Schwerverletzten mit 28 gegenüber 43 im Vorjahr deutlich zurück.

Unfallverletzte: Fast 660 Menschen verletzten sich vergangenes Jahr bei Verkehrsunfällen im Landkreis - deutlich weniger als im Vorjahr mit knapp 770 Unfallverletzten. Die Zahl der Schwerverletzten ging allerdings nur leicht zurück, die der Leichtverletzten hingegen deutlich.

Verkehrsunfälle: Jeder Vierte auf Wildwechsel zurückzuführen

Wildwechsel: Jeder vierte Verkehrsunfall im heimischen Landkreis war 2020 auf Wildwechsel zurückzuführen. Mit fast 790 Unfällen dieser Art ist es die Unfallursache Nummer 1 in unserer Region. Die Polizei empfiehlt Verkehrsteilnehmern in waldreichen Gegenden, ständig mit Wildwechsel zu rechnen und dort generell vorsichtig zu fahren, um noch angemessen reagieren zu können, wenn Rehe oder Wildschweine die Straße kreuzen. Falls es doch zu einem Wildunfall komme, sei es möglich, diesen ausschließlich mit dem zuständigen Jagdpächter abzuwickeln, ohne dass die Polizei hinzugezogen werden müsse.

Zu dichtes Auffahren: Ein "unzureichender Sicherheitsabstand" zum Vordermann auf der Straße sorgt für deutlich mehr Unfälle als zu hohe Geschwindigkeit oder Alkohol und Drogen am Steuer. Für immerhin 251 Unfälle war zu dichtes Auffahren verantwortlich.

Zu schnelles Fahren: 138 Unfälle im vergangenen Jahr im Landkreis lassen sich auf zu schnelles Fahren zurückführen. Das entspricht einem Anteil von knapp fünf Prozent. Die Polizei sieht einen positiven Trend bei der langjährigen Bekämpfung dieser Unfallursache und kündigt weiterhin "große Anstrengungen" an, um gegen zu schnelles Fahren vorzugehen und zu verhindern, dass dies nicht mehr als Unfallrisiko wahrgenommen wird.

Die meisten Unfälle in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre

Drogen und Alkohol am Steuer: Keinen Einfluss hatte der Rückgang der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr auf die Unfälle, die auf Alkohol- und/oder Drogeneinfluss zurückzuführen sind: Diese Zahl blieb mit 99 im Vergleich zum Vorjahr unverändert - allerdings gab es einen leichten Rückgang bei den Unfallbeteiligten, die Alkohol getrunken hatten gegenüber dem Vorjahr und einen Anstieg der Unfälle unter Drogeneinfluss. In der Gesamtzahl aller Unfälle mag die Zahl 99 eher gering erscheinen, aber bei den 76 nur durch Alkoholeinfluss verursachten Unfällen kamen zwei Menschen ums Leben und 20 Menschen wurden schwer verletzt. Ist bei einem Unfall Alkohol am Steuer im Spiel, sterben überproportional viele Menschen oder verletzen sich schwer. Und: Auf jeden Unfall unter Alkoholeinfluss kommt eine ähnlich hohe Zahl, bei der alkoholisierte Autofahrer bei Kontrollen erwischt worden sind, die zum Glück noch keinen Unfall verursachen konnten.

Junge Autofahrer: Die meisten Unfälle ereignen sich in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, die deshalb auch die meisten Verletzten zu beklagen hat. Diese jungen Autofahrer waren im vergangenen Jahr an 720 Verkehrsunfällen beteiligt. Das ist mehr als doppelt so viel wie in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen. Dieses Phänomen scheint allerdings kein reines Altersproblem zu sein, denn wer mit 17 Jahren nur begleitet Auto fahren darf, geht offenkundig deutlich weniger Risiko beim Fahren ein und verursacht fast nie einen Unfall: Gerade einmal vier Verkehrsunfälle registrierte die Polizei in der jüngsten Altersgruppe. Mit Beginn der Volljährigkeit und den Folgejahren steigt das Risiko, einen Verkehrsunfall zu verursachen, hingegen deutlich an.

Seltener Unfallflucht im Kreis Limburg-Weilburg

Smartphones am Steuer: Dafür gibt es zwar keine eigene Unfallrubrik, weil der Nachweis kaum zu erbringen ist, dass ein Verkehrsunfall durch die Ablenkung mit Mobiltelefone verursacht worden ist, aber die Polizei ist fest davon überzeugt, "dass ein großer Anteil der Verkehrsunfälle in direkter Verbindung mit diesem Fehlverhalten steht". Die Polizei setzt bei diesem Problem auf Prävention, also die beständige Mahnung, das Smartphone während der Autofahrt komplett zu ignorieren.

Sicherheitsgurte: Eigentlich erstaunlich, dass angelegte Sicherheitsgurte während der Autofahrt nicht bei jedem selbstverständlich sind, zumal neuere Autos einen nervtötenden Warnton von sich geben, solange der Sicherheitsgurt nicht eingerastet ist, aber es scheint weiterhin ein großes Problem der Verkehrssicherheit zu sein. Die Polizei im Landkreis Limburg-Weilburg wundert sich in ihrer Unfallstatistik selbst über den "noch immer hohen Anteil der Verkehrsteilnehmer, die bei Kontrollen anzutreffen sind und die ihnen zur Verfügung stehenden Sicherheitseinrichtungen bewusst nicht nutzen". Denn gerade wer den Sicherheitsgurt bewusst nicht anlege, riskiere schwere Verletzungen bei Verkehrsunfällen.

Unfallflucht: Unerlaubtes Entfernen von der Unfallstelle kommt im Landkreis Limburg-Weilburg im Vergleich zu den Vorjahren seltener vor. Knapp 980 dieser Delikte registrierte die Polizei noch im Jahr 2016. In den drei Folgejahren pendelte sich die Zahl der Unfallfluchten zwischen 920 und 930 ein und lag vergangenes Jahr nur noch bei gut 840 - auch das offenbar verursacht durch ein generell geringeres Verkehrsaufkommen als Folge der Pandemie. In diesem Fünfjahresvergleich war die Aufklärungsquote der Polizei im vergangenen Jahr mit knapp 43 Prozent am niedrigsten und 2017 mit 47,5 Prozent am höchsten. Stefan Dickmann

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