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Wenn aus Haustieren Flüchtlinge werden

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Von: Nadja Quirein

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Wer ein Tier mit nach Deutschland bringt, muss dessen Tollwut-Impfung in einem speziellen Dokument nachweisen. Fehlt das, muss das Tier in Quarantäne. Mehrere Tierärzte in der Region bieten für die Fluchttiere kostenlose Impfungen und Untersuchungen an. Diese Aufnahme entstand in einem Aufnahmezentrum in Polen.
Wer ein Tier mit nach Deutschland bringt, muss dessen Tollwut-Impfung in einem speziellen Dokument nachweisen. Fehlt das, muss das Tier in Quarantäne. Mehrere Tierärzte in der Region bieten für die Fluchttiere kostenlose Impfungen und Untersuchungen an. Diese Aufnahme entstand in einem Aufnahmezentrum in Polen. © dpa

Tollwut-Impfung muss nachgewiesen werden

Nassauer Land -Das geliebte Haustier auf der Flucht einfach zurückzulassen, kommt für viele ukrainische Tierbesitzer nicht in Frage. Inzwischen erreichen deshalb, wenn auch in überschaubarer Anzahl, Haustiere aus der Ukraine mit ihren Besitzern die Region. Hier angekommen, haben die geflüchteten Menschen neben ihren eigenen Sorgen und Nöten auch mit Herausforderungen wegen ihres Haustiers zu kämpfen.

"In Sammelunterkünften sind Tiere nicht gestattet", heißt es seitens der Pressestelle des Landkreises Limburg-Weilburg. Das könnte auf lange Sicht zum Problem werden: Finden die geflüchteten Menschen mit ihrem Tier keine geeignete Unterkunft, könnte es womöglich voll werden in den Tierheimen. Noch sind allerdings im Limburger Tierheim keine ukrainischen Tiere untergebracht, erklärt die Leiterin Christina Provinsky.

Die beiden aktuell gemeldeten Haustiere aus der Ukraine im Kreis Limburg-Weilburg seien mit ihren Besitzern in Privatunterkünften untergebracht, heißt es bei der Pressestelle des Landkreises auf NNP-Anfrage. Doch gibt es Bemühungen, in Gesprächen zwischen dem Amt für Ländlichen Raum, Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung und dem Tierheim, die Situation zu beleuchten. Aktuell würden Möglichkeiten und Voraussetzungen geprüft, auch Menschen zusammen mit ihren Haustieren in den Gemeinschaftsunterkünften in Obhut zu nehmen.

Hohe

Dunkelziffer

Auch im benachbarten Rhein-Lahn-Kreis sind die ersten Tiere aus der Ukraine eingetroffen. Von neun ukrainischen Hunden und einer ukrainischen Katze im Rhein-Lahn-Kreis habe er Kenntnis, erklärt Dr. Gerwin Dietze vom dortigen Veterinäramt. Er gehe aber davon aus, dass sich ein Mehrfaches an Haustieren aus der Ukraine im Landkreis befindet und die Besitzer diese noch nicht gemeldet haben. Die Meldung sei grundsätzlich auch nicht rechtlich vorgeschrieben, aber dennoch seien die Tierbesitzer dazu aufgerufen. Im Prinzip stehe der Infektionsschutz bei all diesen Bemühungen im Mittelpunkt. In Deutschland gäbe es keine Tollwut und das solle auch so bleiben, erklärt er die Hintergründe. Die Tiere müssen gegen Tollwut geimpft und auch Antikörper im Blut nachweisbar sein. Zudem sei ein Nachweis dazu in einem Heimtierausweis zu erbringen. Ist das nicht der Fall, muss dies schnellstmöglich nachgeholt werden und das Tier zunächst in Quarantäne. Der Mediziner vermutet, dass nicht allen Tierbesitzern aus der Ukraine diesbezüglich die geltenden Rechtsgrundlagen bekannt seien. Optimaler Weise sollten die geflüchteten Menschen Kontakt zum Tierarzt in ihrem neuen Wohnort oder zum Veterinäramt aufnehmen und sich beraten lassen.

Merkblätter

auf Ukrainisch

Auch in der Tierarztpraxis könnten gegebenenfalls neue Herausforderungen in Form von Sprachbarrieren auftauchen. Informationen, Merkblätter und einen Leitfaden nämlich gäbe es in den Tierarztpraxen auf ukrainisch noch nicht überall. Aktuell arbeitet das Veterinäramt im Rhein-Lahn-Kreis verstärkt daran, die Praxen mit solchen Merkblättern in ukrainischer Sprache auszustatten und die Strukturen hinsichtlich der Zusammenarbeit "so schlank wie möglich" zu halten.

"Es ist unendlich traurig", fasst Tierärztin Nannette Welk aus Elz die Situation mit Blick auf die mitgeflüchteten Tiere zusammen. Sie weiß, wie sehr die Tiere leiden: Ungewohntes Essen, Stress, Erschöpfung und eine fremde Umgebung setzen jedem Tier, vor allem aber Katzen zu, weiß die Tierschützerin, die sich mit drei Arztpraxen aus dem Landkreis Limburg-Weilburg bei einer Hilfsaktion zusammengeschlossen hat. Gemeinsam bieten sie für Tiere von ukrainischen Geflüchteten kostenlose Impfungen an und behandeln akute Erkrankungen, die während der Flucht aufgetreten sind. Eigentlich, so die Tierärztin, sei eine kostenlose Behandlung ausgeschlossen, da sich Tierärzte an die Gebührenordnung halten müssen. Eine Sonderregelung aber macht diese Form der Hilfe möglich.

Zudem sei durch die Unterstützung eines Labors eine kostenlose Blutuntersuchung auf Antikörper gegen den Tollwutvirus möglich. "Wir erleben eine große Solidarität", betont Tierärztin Nannette Welk. Nadja quirein

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